Entschädigungsstreit Wie die Hohenzollern ihr ramponiertes Image reparieren wollen

Die Hohenzollern fordern Geld und Kunstwerke in dreistelligem Millionenwert vom deutschen Staat zurück, das hat ihren Ruf stark beschädigt. Nun will sich die Familie auf dem Historikertag erklären. Die Wissenschaftler stellen eine Bedingung.
Georg Friedrich Prinz von Preußen (Archivbild): Ramponiertes Image

Georg Friedrich Prinz von Preußen (Archivbild): Ramponiertes Image

Foto: Patrick Seeger / DPA

Georg Friedrich Prinz von Preußen, Chef der Hohenzollern, will auf dem kommenden Historikertag in München offenbar sein ramponiertes Image aufpolieren, das im Entschädigungsstreit mit dem Staat arg gelitten hat. Sein Medienanwalt Markus Hennig soll dort vortragen.

Dieses ungewöhnliche Anliegen belegt ein Schriftwechsel zwischen Hennig, dem Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD) sowie Martin Sabrow, Direktor des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung in Potsdam. Die Korrespondenz liegt dem SPIEGEL vor.

Danach bat der Hohenzollern-Vertreter am 21. Dezember den VHD darum, ihm in München "als Gast ein Rederecht" einzuräumen. Einzelnen Historikern warf er in dem Schreiben vor, sie verbreiteten über die ehemals kaiserliche Familie "falsche Tatsachenbehauptungen, für die der Begriff 'Desinformation' zulässig erscheint", also bewusste Irreführung. Bei seinem Gastauftritt will Hennig vermutlich das angebliche Zerrbild korrigieren.

Ansprüche auf einige Tausend Kunstwerke

Wissenschaftler wie Stephan Malinowski, Karina Urbach oder Sabrow hatten die Hohenzollern in der Vergangenheit teilweise scharf kritisiert. Die ehemals Adligen verlangen von der öffentlichen Hand eine Entschädigung für Immobilien, die von den Sowjets nach 1945 enteignet wurden, und erheben gegenüber dem Bund sowie den Ländern Berlin und Brandenburg Ansprüche auf einige Tausend Kunstwerke. Lesen Sie hier das ausführliche SPIEGEL-Stück dazu.  Der Gesamtwert der Forderungen liegt im wohl dreistelligen Millionenbereich.

Der Prinz von Preußen war juristisch gegen die Historiker vorgegangen - und hatte damit einen weiteren Streit ausgelöst. Sabrow warf ihm vor, die "Freiheit der Wissenschaft" anzugreifen und das Fach Zeitgeschichte einer "Unkultur der Einschüchterung" auszusetzen.

Mitte Dezember verurteilte der Historikerverband das rechtliche Vorgehen der Hohenzollern "nachdrücklich" und entschied, den Hohenzollern-Konflikt in München auf die Tagesordnung zu setzen. Am Beispiel der kaiserlichen Nachfahren soll die "Nutzung des Rechts bei der Abwehr historischer Erkenntnisbildung und -verbreitung" diskutiert werden.

Thema auf dem Historikertag: "Deutungskämpfe"

Der Historikertag zählt zu den größten geisteswissenschaftlichen Kongressen Europas. In München steht er unter dem Motto "Deutungskämpfe". Die Sektion über die Hohenzollern wird Sabrow leiten, der auch über das Rederecht entscheidet.

Dem Hohenzollern-Vertreter Hennig hat er bereits geschrieben, er biete ihm "gern" die Teilnahme samt Rederecht an. Allerdings unter einer Bedingung: Die Hohenzollern dürften weder mit ihm noch den anderen vortragenden Historikern "mehr im Rechtsstreit liegen".

Mit anderen Worten: Die Hohenzollern sollen ihren juristischen Feldzug gegen die Wissenschaftler beenden. Ob sich Prinz von Preußen darauf einlässt, ist ungewiss. Sein Anwalt Hennig war für eine Stellungnahme gegenüber dem SPIEGEL nicht zu erreichen.