Streit über Entschädigung Bundesregierung will Export von Hohenzollern-Preziosen verhindern

Die Hohenzollern verhandeln mit Bund und Ländern über die Rückgabe Tausender Kunstwerke. Das Kanzleramt will verhindern, dass diese ins Ausland gebracht werden können.

Georg Friedrich Prinz von Preußen - Chef des Hauses Hohenzollern
Ralf Hirschberger/ DPA

Georg Friedrich Prinz von Preußen - Chef des Hauses Hohenzollern


Das Kanzleramt will mithilfe des Kulturgutschutzgesetzes verhindern, dass Preziosen aus dem umstrittenen Hohenzollern-Erbe ins Ausland verkauft werden. Bei dem Erbe geht es um einige tausend Kunstwerke, deren Herausgabe die ehemals kaiserliche Familie von der öffentlichen Hand fordert.

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Seit 2013 laufen Vergleichsverhandlungen zwischen den Hohenzollern und dem Bund, Berlin und Brandenburg; es ist absehbar, dass die Hohenzollern zahlreiche Gegenstände zurückbekommen. Doch nur 19 der umstrittenen Werke stehen im "Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes" und unterliegen damit einem Exportverbot, etwa die Karkasse der preußischen Königskrone im Schloss Charlottenburg.

Um weitere Objekte vor einer Ausfuhr zu schützen, will das Kanzleramt nun eine Genehmigungspflicht nutzen, die das Kulturgutschutzgesetz vorsieht. Wird nämlich ein Kunstwerk, das eine bestimmte Alters- und Wertgrenze übersteigt, von den jeweiligen Landesbehörden "als besonders bedeutsam für das kulturelle Erbe Deutschlands" eingestuft, ist ein Export nach Einschätzung des Kanzleramts "nicht möglich" - unabhängig davon, ob es im Verzeichnis enthalten ist.

Die Hohenzollern hatten nach Bekanntwerden ihrer Herausgabeforderungen beteuert, es sei ihr "primäres Ziel, die Sammlungen in den bestehenden Museen zu erhalten". Allerdings hat die Glaubwürdigkeit der Familie gelitten, seit sie 2015 kurz vor Einführung des Kulturgutschutzgesetzes bedeutende Stücke wie den Prunkharnisch des Brandenburger Kurfürsten nach London schaffen und später dort versteigern ließ.

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klw



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Wunderläufer 11.10.2019
1. Dreist
Angesichts der nicht gerade ruhmreichen Vergangenheit dieser Familie finde ich es ein Frechheit, überhaupt nur an eine "Rückgabe" zu denken.
rwachsmu 11.10.2019
2. Unglaubliche Anmaßung
Es lohnt wohl nicht, diesen eiskalten Nachkommen der schlimmsten Verbrecher unserer Geschichte deutlich zu sagen, was ihre Vorfahren auf dem Kerbholz haben. Es sind genau diese Taten, aus denen diese Kunstschätze entstanden sind. Am Ende haben sie Millionen Tote auf dem Gewissen, unser Land und die Nachbarländer ins Elend gestürzt und Milliarden Schulden auf den Buckel des dummen Volks geladen. Tolle Freunde von Adolf waren sie auch. Dafür werden diese Blaublüter keine Antenne haben. Mit dieser Forderung macht sich dieses Prinzlein gemein mit den Bluttaten seiner Vorfahren und er geht noch weiter. Er will von diesen Taten profitieren. Es geht nur um Geld. Es ist eine der infamsten, verachtenswertesten Forderungen, die dieser Nachgeborene und seinesgleichen gegenüber dem deutschen Volk erheben kann und das sollte man allen Omas und infantilen Fans der gelben Blätter mal deutlich sagen. Aber es wird sich schon ein Politikerlein finden, was diesem Typen zuschanzt was er nicht verdient.
kune 11.10.2019
3. Primäres Ziel
Der Erhalt der Sammlungen in den bestehenden Museen wird von der Familie als primäres Ziel bezeichnet. Das schließt eine Veräußerung der wertvollsten Stücke als weiteres Ziel aber nicht aus. Ich vermute auch, dass hohe Leihgebühren gefordert wären und dann große Betroffenheit gezeigt wird, dass es unmöglich war, das primäre Ziel umzusetzen. Ich hoffe die Bundesrepublik Deutschland macht hier auch eine Gegenrechnung auf, die die Kosten beinhaltet, die mehrere deutsche Staaten für den Erhalt der Kunstwerke aufgewendet haben inklusive der dafür anfallenden Zinsen.
spmc-12355639674612 11.10.2019
4. Im Gegenzug
sollte die Bundesrepublik Deutschland von den Hohenzollern Schadensersatz für ihre Rolle im Ersten Weltkrieg verlangen. Das dürfte den Wert sämtlicher Kunstschätze, über die jetzt verhandelt wird, weit übersteigen. Im Übrigen verstehe ich nicht, warum der deutsche Staat überhaupt über die Rückgabe von irgendetwas mit den Hohenzollern verhandelt, die in der Figur von Wilhelm II den 1. Weltkrieg maßgeblich zu einem Weltkrieg haben ausufern lassen.
meresi 11.10.2019
5. Dachte die sind froh
darüber den Kaiser und die Sippschaft losgeworden zu sein. Da muß man sich dann auch vom Rest trennen können. Aber da kann der Staat wiedermal nicht loslassen. Für den Geschichtsunterricht empfehle ich das Buch von Christopher Clark: Wilhelm II.: Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers.
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