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Restitution Staat und Hohenzollern streiten um Teppiche

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz verweigert Georg Friedrich Prinz von Preußen, Chef der Hohenzollern, die Herausgabe wertvoller Teppiche aus dem Berliner Kunstgewerbemuseum.
aus DER SPIEGEL 8/2020
Begründet seine Ansprüche mit einer Liste von 1926: Georg Friedrich Prinz von Preußen

Begründet seine Ansprüche mit einer Liste von 1926: Georg Friedrich Prinz von Preußen

Foto: Martin Müller/ imago images

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz verweigert Georg Friedrich Prinz von Preußen, Chef der Hohenzollern, die Herausgabe wertvoller Teppiche nach Entwürfen des französischen Rokoko-Malers François Boucher (1703 bis 1770) aus dem Berliner Kunstgewerbemuseum.

Prinz von Preußen begründet seine Ansprüche damit, dass die Gobelins auf der sogenannten 19er-Liste von 1926 mit überragenden Kunstwerken der ehemals kaiserlichen Familie stünden. Die Stiftung bezweifelt, dass ihre Teppiche jene von der Liste seien. Zudem legen offizielle Dokumente nahe, dass der Staat bereits 1927 insgeheim alle Kunstwerke auf der Liste den Hohenzollern abgekauft habe, was wiederum Prinz von Preußen bestreitet.

Die 19er-Liste ist ein vergiftetes Thema in den Verhandlungen zwischen öffentlicher Hand und Prinz von Preußen über die Rückgabe von Kunstwerken an die Hohenzollern. Diese haben dem Staat 1963 zwei Renaissance-Pokale und 1983 ein Gemälde für insgesamt 15,3 Millionen Mark verkauft. Alle drei Werke stammen von der Liste, die Hohenzollern stehen daher im Verdacht, ein zweites Mal vom Staat kassiert zu haben. Dieser könnte die Kaufsumme samt Zinsen zurückfordern.

Gesamtwert im dreistelligen Millionenbereich

Die Verhandlungen zwischen den Hohenzollern sowie Brandenburg, Berlin und dem Bund laufen bereits seit Jahren. Sie finden große Auf­merk­sam­keit, seit SPIE­GEL und "Ta­gess­pie­gel" im Som­mer die For­de­run­gen ent­hüll­ten, die Prinz von Preu­ßen dabei er­hebt. Die Hohenzollern waren nach 1945 von den So­wjets in deren Be­sat­zungs­zone ent­eig­net wor­den; der Chef der Familie verlangt nun eine Ent­schä­di­gung für ver­lo­rene Im­mo­bi­lien sowie Tau­sen­de Gemälde, Skulpturen, Möbel, Bücher oder Teppiche, die nach seinen Angaben im Familienbesitz waren. Der Ge­samt­wert liegt wohl im drei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­reich.

Allerdings wären die An­sprü­che auf eine Ent­schä­di­gung nich­tig, soll­ten die Hohenzollern sei­ner­zeit dem Na­tio­nal­so­zia­lis­mus "er­heb­lich Vor­schub" ge­leis­tet ha­ben , so ein Ge­set­ze­spas­sus. Auch auf viele Kunst­werke müss­ten sie dann ver­zich­ten.

Keiner der Beteiligten will sich zu den Verhandlungen äußern.

klw
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