Holocaust-Vergleich Zollitsch fordert Klarstellung von Mixa

Gegenwind aus den eigenen Reihen: Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Zollitsch, hat Kritik an den Äußerungen von Bischof Walter Mixa geübt und ihn um eine Klarstellung gebeten. Mixa hatte die Zahl der ermordeten Juden im Zusammenhang mit der Anzahl der Abtreibungen genannt.


Berlin - Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, hat kritisiert, dass der Augsburger Bischof Walter Mixa die Zahl der ermordeten Juden im Zusammenhang mit den nach Expertenschätzungen mehr als neun Millionen Abtreibungen in den vergangenen Jahrzehnten genannt hat. "Der Holocaust ist etwas Furchtbares. Und es gibt gar keine Möglichkeit, den Holocaust einfach mit anderen Elementen zu vergleichen", sagte Zollitsch am Montag im ARD-"Morgenmagazin".

Erzbischof Robert Zollitsch: "Keine Möglichkeit, den Holocaust einfach mit anderen Elementen zu vergleichen."
DPA

Erzbischof Robert Zollitsch: "Keine Möglichkeit, den Holocaust einfach mit anderen Elementen zu vergleichen."

"Wir werden über diese Frage miteinander sprechen", kündigte er an. Mixa habe die Möglichkeit, seine Äußerung im richtigen Kontext klarzustellen.

Die "Fränkische Landeszeitung" hatte vergangene Woche unter der Überschrift "Bischof relativiert Holocaust" über Mixas Auftritt am politischen Aschermittwoch der CSU in Dinkelsbühl berichtet. Der Bischof soll die Zahl der in der Zeit des Nationalsozialismus ermordeten Juden mit der geschätzten Menge der in den vergangenen drei Jahrzehnten vorgenommenen Abtreibungen verglichen haben. Das Bistum Augsburg wies den Bericht "mit Empörung" zurück. Von einer Relativierung des "grauenvollen Unrechts gegen das jüdische Volk" könne überhaupt keine Rede sein.

Angesichts des Streits um den umstrittenen Traditionalistenbischof und Holocaust-Leugner Richard Williamson betonte Zollitsch, es sei eine "unmögliche Äußerung", hinter der keiner der deutschen Bischöfe stehe. Es begrüße, dass Papst Benedikt XVI. signalisiert habe, auf die Piusbruderschaft zuzugehen, wenn diese bereit sei, das Zweite Vatikanische Konzil voll anzuerkennen und die volle Autorität des Papstes zu unterstellen. "Das ist die gemeinsame Position der deutschen Bischöfe".

Auf der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz werde er versuchen, das offene Gespräch zu ermöglichen und "zu einer noch besser nach außen verstehbaren Äußerung zu kommen". Die Deutsche Bischofskonferenz trifft sich bis Donnerstag in Hamburg.

Unter der Leitung des Vorsitzenden Erzbischof Robert Zollitsch wollen sich die 68 Mitglieder der Bischofskonferenz mit der Haltung der katholischen Kirche zur Wirtschaftskrise befassen. Außerdem soll es um die seelsorgerische Betreuung von Todkranken gehen.

han/ddp/AP



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