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Widerstand gegen Homo-Ehe US-Richter schickt gläubige Bürokratin in Beugehaft

Kim Davis stellt in einem US-Provinznest keine amtlichen Heiratserlaubnisse mehr aus - um zu verhindern, dass homosexuelle Paare heiraten. Dafür muss die 49-Jährige nun ins Gefängnis, bis sie ihre Meinung ändert.
Widerstand gegen Homo-Ehe: US-Richter schickt gläubige Bürokratin in Beugehaft

Widerstand gegen Homo-Ehe: US-Richter schickt gläubige Bürokratin in Beugehaft

Foto: Ty Wright/ AFP

Eine Symbolfigur von Gegnern der Homo-Ehe in den USA hat vor Gericht eine Niederlage erlitten. Kim Davis, eine Verwaltungsangestellte im Bundesstaat Kentucky, muss nach dem Urteil eines Richters ins Gefängnis - so lange, bis sie auch gleichgeschlechtlichen Paaren amtliche Heiratserlaubnisse erteilt. "Die Liebe hat gewonnen", skandierten Befürworter der Homo-Ehe vor dem Gerichtsgebäude, als die Entscheidung bekannt wurde.

Richter David Bunning sagte, er habe sich die Entscheidung nicht einfach gemacht. Davis werde so lange in Gewahrsam bleiben, bis sie seine Anordnung befolge. Davis sagte, sie könne das nicht tun, das verbiete ihr Gewissen. "Man kann nicht von etwas getrennt sein, das in Herz und Seele ist." Die 49-Jährige sagte "Danke", bevor sie aus dem Gerichtssaal geführt wurde.

Zuvor hatte Davis auf Frage ihres Anwalts gesagt, die Ehe sei eine Verbindung von Mann und Frau. Es sagten auch Betroffene aus, denen Davis keine Heiratserlaubnis ausgestellt hatte. April Miller etwa, die dreimal mit ihrer Partnerin Karen Jacobs bei Davis im Amt vorbeigeschaut hatte und jedes Mal abgewiesen worden war. Miller und Jacobs sind eines von vier Paaren, die Davis verklagten.

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Foto: Ty Wright/ AFP

Nachdem der Supreme Court, der Oberste Gerichtshof der USA, im Juni die Homo-Ehe landesweit legalisiert hatte, stellte Davis gar keine amtlichen Heiratserlaubnisse mehr aus - um zu verhindern, dass Homosexuelle heiraten. Ihr Glaube als Mitglied der Apostolic Christian Church besage, dass die Ehe nur zwischen Frau und Mann geschlossen werden sollte, begründet sie ihr Verhalten. Erst am Dienstag hatte sie wieder ein homosexuelles Paar abgewiesen.

Wider die "Tyrannei der Richter"

Wegen ihrer Ablehnung der Homo-Ehe ist die 49-Jährige in den USA inzwischen eine bekannte Person. Es gehe nicht um Schwule oder Lesben, hat Davis ihren Standpunkt einmal erläutert. Sondern um die Ehe und Gottes Wort. Mit ihrer Haltung steht Davis in offenem Widerspruch zur Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA. Allerdings entspricht Davis' Verhalten genau dem Geschmack vieler Konservativer - deshalb bekommt sie auch viel Zuspruch.

Beispielsweise rief Mike Huckabee, Präsidentschaftsbewerber der Republikaner, Davis an. Er habe sie ermutigen wollen und dafür gedankt, dass sich Davis nicht der "Tyrannei der Richter" unterwerfe.

Unterstützer schicken Blumen zu. Ein Kollege radelt durch den US-Bundesstaat Kentucky, um mit ihr Solidarität zu zeigen. Davis bekommt aber auch Anrufe, sie solle ihren Job abgeben. Und manche Leute haben ihr gesagt, sie würden Davis am liebsten tot sehen. Kritiker verweisen auch darauf, dass es mit ihrem Glauben offenbar nicht so weit her sei. Schließlich sei sie bereits drei Mal geschieden und inzwischen zum vierten Mal verheiratet.

Davis arbeitet seit fast drei Jahrzehnten in der Verwaltung des Bezirks Rowan im ländlichen Osten Kentuckys. Das Städtchen Morehead hat rund 7000 Einwohner, ein Drittel davon gilt als arm. 2013 weitete der Stadtrat den Schutz vor Diskriminierung auf Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender aus.

Der größte Gewinner der Kontroverse ist vorerst der örtliche Blumenladen Atkinson Florist. Er liefert Blumengrüße der Unterstützer an Davis aus. "Sie tut mir leid", sagte eine Mitarbeiterin. "Sie steht für ihre Überzeugungen ein."

ulz/Reuters

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