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09. Dezember 2013, 18:54 Uhr

Umstrittene Versteigerung in Paris

Indianische Kultobjekte für 1,1 Millionen Euro verkauft

Trotz des Widerstands zweier nordamerikanischer Indianerstämme und einer Intervention der USA sind in Paris mehr als 20 indianische Masken versteigert worden. Insgesamt kamen 150 Kultgegenstände für mehr als 1,1 Millionen Euro unter den Hammer.

Paris - Das französische Auktionshaus EVE setzte sich am Montag über eine Bitte der US-Botschaft hinweg, den Angehörigen des Hopi-Stammes und der San-Carlos-Apachen Gelegenheit zur Prüfung einer Rückforderung der Kultgegenstände zu geben.

Die 24 Masken vom Stamm der Hopi wechselten kurz darauf für insgesamt 520.375 Euro den Besitzer, drei Masken kamen für 30.000 Euro unter den Hammer.

Insgesamt wurden bei der umstrittenen Auktion rund 150 indianische Gegenstände versteigert. Sie erzielten 1,167 Millionen Euro und damit deutlich mehr als veranschlagt. Allein eine Helm-Maske der Hopi aus dem 19. Jahrhundert ging für 125.000 Euro an einen per Telefon bietenden Käufer, ihr Wert war auf bis zu 80.000 Euro geschätzt worden.

Die US-Botschaft hatte EVE schriftlich gebeten, den Verkauf der Masken aus dem Besitz eines privaten Sammlers zu verschieben, um es den Indianern zu ermöglichen, die Herkunft der Auktionsobjekte zu untersuchen. Diese wollten prüfen, ob sie die Masken gemäß einer Unesco-Konvention über den illegalen Handel mit Kulturgütern zurückfordern können.

"Irgendwann muss das doch aufhören"

Der Anwalt Pierre Servan-Schreiber, der die Organisation Survival International und die Hopi vertritt, nahm ebenfalls an der Veranstaltung teil und ersteigerte für 16.250 Euro eine Maske der Hopi. Bereits bei einer früheren Auktion hatte er ein Objekt erstanden und es dem Stamm später zurückgegeben.

"Nachdem man sie vor zwei Jahrhunderten niedergemetzelt hat, nachdem man sie vor einem Jahrhundert in Reservate gebracht hat, nimmt man ihnen jetzt das, was den Kern ihrer Kultur ausmacht", ärgerte sich Servan-Schreiber. "Irgendwann muss das doch aufhören." Die Gegenstände hätten einen zu großen Wert für die Stämme, als dass sie zu Verkaufsobjekten degradiert werden dürften.

Die farbenfrohen Masken, die von den Hopi "Katsinam" genannt werden, stellen Geister dar und werden bei religiösen Zeremonien und Tänzen getragen. Schon die Abbildung der Kultobjekte in einem Auktionskatalog ist für die Indianer aber eine Beleidigung ihrer Tradition.

In den USA ist der Verkauf heiliger indianischer Kultobjekte seit 1990 verboten. Die Hopi-Indianer leben im US-Bundesstaat Arizona, ihre Zahl wird auf bis zu 18.000 geschätzt.

ala/Reuters /AFP

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