Hubschrauberunglück in Glasgow "Der Absturz ist ein Rätsel"

Die Zahl der Todesopfer steigt auf acht, der schottische Regierungschef Alex Salmond spricht von einem schwarzen Tag für Glasgow. Nach dem Absturz eines Polizeihubschraubers in einen Pub wird intensiv über die Ursache des Unglücks spekuliert.
Hubschrauberunglück in Glasgow: "Der Absturz ist ein Rätsel"

Hubschrauberunglück in Glasgow: "Der Absturz ist ein Rätsel"

Foto: Scott Heppell/ AP/dpa

Iain Simpson saß am Freitagabend in seiner Wohnung am Computer und hatte Kopfhörer auf, als er plötzlich einen gewaltigen Knall hörte. "Ich wusste, da musste was Schreckliches passiert sein", sagte der junge Mann der BBC. Er eilte zum Fenster und sah im Dach des Pubs gegenüber einen Hubschrauber stecken. "Ich konnte die Aufschrift 'Police' erkennen", sagte Simpson. "Der Pub war in eine große Staubwolke gehüllt, aus der Tür strömten Menschen".

Mehr als hundert Gäste hielten sich zur Zeit des Unglücks im "Clutha Vault" in der Glasgower Innenstadt auf, als sich der Polizeihubschrauber mit drei Insassen an Bord gegen 22.25 Uhr durch die Decke bohrte. Der Pub am Ufer des Flusses Clyde sei ein sehr beliebter Treffpunkt, sagte Simpson. "Er ist immer voll". An diesem Abend spielte die Live-Band Esperanza, die Leute freuten sich auf den Nationalfeiertag St. Andrew's Day am Wochenende.

Einer der Ersten am Unfallort war Jim Murphy. Der Labour-Abgeordnete war von einer Kneipe in der Nähe herbeigeeilt und postierte sich sogleich am Eingang. "Es hing so viel Staub in der Luft, man konnte kaum etwas sehen", sagte er. Eins aber sah er: "Viele Menschen hatten Kopfverletzungen." Die Rettungswagen waren noch nicht eingetroffen, und den Augenzeugen bot sich ein unwirklicher Anblick. "Der Hubschrauber steckte im Dach", sagte der Politiker. "Es war still. Keine Schreie, kein Lärm, keine Panik."

Este Hilfe im Holiday Inn

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Hubschrauberabsturz in Glasgow: Rätselraten über die Ursache

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Passanten bildeten umgehend eine Kette, um die Verletzten möglichst schnell zu bergen. Sie waren mit Staub und Blut bedeckt, im Nu war auch Murphys weißes Hemd blutverschmiert. "Du denkst: Das Ding ist noch nicht explodiert", sagte er. "Es gibt kein Feuer. Du fragst dich: Wird er explodieren? Du musst so viele Leute wie möglich rausbringen, bevor er explodiert." "Es war surreal", sagte ein anderer Augenzeuge. Er sah den Aufprall, als er in sein Büro im Gebäude nebenan ging. "So was würde man in einer Million Jahren nicht erwarten". Opfer und Helfer hätten unter Schock gestanden, aber sehr ruhig und besonnen gehandelt. Die Verletzten wurden zum Holiday Inn Express in der Nähe geleitet, wo sie Erste Hilfe bekamen. Auch der Einsatz der Rettungskräfte wurde gelobt. Sie seien extrem schnell vor Ort gewesen, sagten Passanten.

Am späten Samstagnachmittag teilte die Polizei mit, acht Menschen seien ums Leben gekommen - die drei Besatzungsmitglieder des Hubschraubers und fünf Kneipenbesucher, 32 Menschen seien verletzt. Noch immer sind jedoch Menschen in den Trümmern eingeschlossen. Vor den Absperrbändern der Polizei warten Leute, die nicht wissen, wo ihre Angehörigen sind und ob sie noch leben. "Ich glaube, mein Vater war gestern da drin", sagte John McGarrigle, 38. "Ich habe jedes Krankenhaus angerufen, und es gibt kein Zeichen von ihm."

Spekulationen über die Unglücksursache

Der Chef der schottischen Regionalregierung Alex Salmond sprach von einem "schwarzen Tag für Glasgow und für Schottland". Der schottische Erzbischof hielt am Mittag in der St. Andrew's Cathedral einen Gottesdienst für die Opfer ab. Beim Fußballspiel der Glasgow Rangers sollte eine Schweigeminute eingelegt werden.

Die aus dem Dach ragenden Hubschrauberteile wurden am Samstag mit einer blauen Plane bedeckt, um den Blick auf den Unglücksort zu verbergen, während die Feuerwehr nach weiteren Überlebenden suchte. "Es ist keine leichte Aufgabe", sagte der schottische Polizeichef Stephen House.

Über die Unfallursache wird heftig spekuliert. Bei dem Hubschrauber handelt es sich um einen Eurocopter EC135 T2. "Es ist ein Rätsel, warum er abstürzte", sagte Luftfahrtexperte Chris Yates der BBC. Er sei erst sieben Jahre alt gewesen. Das Modell werde in ganz Großbritannien als Polizeihubschrauber eingesetzt und habe eine gute Sicherheitsbilanz. Der Hubschrauber werde nun entfernt, um die Absturzursache zu untersuchen. Das könne einige Wochen dauern. Es handele sich um einen Hubschrauber mit zwei Motoren, sagte Luftfahrtexperte Sean Maffett. Es sei unwahrscheinlich, dass beide gleichzeitig ausfallen. Die Lage des Hubschraubers deute darauf hin, dass die Rotoren sich nicht mehr gedreht hätten. "Aber jeder, der sagt, er habe eine Erklärung, spekuliert nur."