Hurrikan "Irma" Auswärtiges Amt warnt Florida-Touristen

In der Karibik hinterließ "Irma" eine Schneise der Verwüstung. Nun dreht der Sturm Richtung Florida. Tausende fliehen aus dem Bundesstaat Richtung Norden.
Stau Richtung Norden

Stau Richtung Norden

Foto: Mike Stocker/South Florida Sun-Sentinel/ AP

Der in der Karibik wütende Hurrikan "Irma" hält Kurs auf den Südosten der USA. Das Hurrikan-Zentrum in Miami gab offizielle Hurrikan-Warnungen aus, die Gebiete im US-Bundesstaat Florida sowie auf Haiti, den Bahamas, Kuba und dem britischen Überseegebiet der Turks- und Caicosinseln betreffen.

Das Auswärtige Amt forderte Touristen in den voraussichtlich von Hurrikan "Irma" betroffenen Gebieten in den USA auf, die Gegend zu verlassen. Bewohner und Urlauber in Monroe County, in weiten Teilen des Miami-Dade-County und in Teilen des Broward- und Collier-County müssten sich in Sicherheit bringen, teilte das Amt mit. Zu den betroffenen Gebieten gehöre auch ganz Miami Beach.

Zahlreiche Menschen folgten laut Medienberichten den Aufforderungen, bedrohte Gebiete zu verlassen. Bis zu eine Million Menschen waren betroffen. Auf Fernsehbildern war dichter Verkehr auf Straßen Richtung Norden zu sehen. Auch das Luxusdomizil von US-Präsident Donald Trump, Mar-a-Lago, muss geräumt werden.

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Wirbelsturm: "Irma" wütet

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Für die Evakuierung aus Florida stehen laut Auswärtigem Amt an 25 Punkten kostenfreie Shuttle-Busse bereit, die genutzt werden sollten. Der Flughafen Miami soll von Freitag an geschlossen werden, der in Orlando bleibe voraussichtlich bis Samstag geöffnet. Zu den bedrohten Gebieten gehören in Florida unter anderem die Inselkette Florida Keys sowie Lake Okeechobee nordwestlich von Fort Lauderdale und die Florida Bay zwischen dem südlichen Ende des Festlands und den Florida Keys.

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Auf ihrem Weg durch die Karibik hatte "Irma" bereits große Schäden angerichtet. Mindestens 13 Menschen kamen ums Leben. "Es ist, als wäre jemand mit einem Rasenmäher vom Himmel über die Insel gegangen", sagte Marilou Rohan auf der Karibikinsel Sint Maarten dem niederländischen Rundfunk NOS. Im französischen Teil der Insel und auf der französischen Insel Saint-Barthélemy werden weiter Menschen vermisst. "Es gibt eine gewisse Anzahl, die als vermisst gelten", sagte Frankreichs Überseeministerin Annick Girardin dem Sender BFMTV.

Plünderungen auf Sint Maarten

Sint Maarten sei zu 95 Prozent zerstört, sagte der Präsident des französischen Teils, Daniel Gibbs. Die Insel Barbuda sei zu 95 Prozent zerstört und "kaum mehr bewohnbar", sagte der Premierminister des Zwei-Insel-Staats Antigua und Barbuda, Gaston Browne. Er bezeichnete die Insel als Trümmerhaufen.

Ministerin Girardin klagte über Plünderungen auf den verwüsteten Karibikinseln. Sie habe diese mit eigenen Augen beobachtet, sagte sie nach einem Überflug über die Inseln Sint Maarten und Saint-Barthélemy. Auch andere Augenzeugen hatten zuvor davon berichtet. Girardin kündigte die Entsendung von 400 Polizisten in die französischen Gebiete an. Die Gesundheitsversorgung und die Versorgung der Menschen mit Wasser und Lebensmitteln sei die "größte Dringlichkeit", sagte sie. Justizministerin Nicole Belloubet sagte dem Sender RTL, es sei ein Staatsanwalt nach Saint-Martin entsandt worden.

Video: Was "Irma" so gefährlich macht

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Sint Maarten war laut niederländischem Ministerpräsident Mark Rutte wegen starker Schäden am Flughafen und am Hafen von der Außenwelt abgeschnitten. Die niederländische Luftwaffe bereite eine Luftbrücke für Hilfsgüter vor, ebenso wie die französische Regierung. Großbritannien schickte zwei Kriegsschiffe in die Gegend, um den Opfern zu helfen.

Auch der Nordosten Haitis wurde von sintflutartigen Regenfällen heimgesucht. Windböen deckten Dächer ab, in der Stadt Ouanaminthe an der Grenze zur Dominikanischen Republik standen die Häuser bis zu 30 Zentimeter unter Wasser, wie der Zivilschutz mitteilte. Zwei Menschen wurden verletzt, als eine entwurzelte Kokospalme auf ihr Haus in der Nähe der Hafenstadt Cap-Haïtien stürzte.

"Irma" war ein Hurrikan der höchsten Kategorie 5 mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 250 Kilometern pro Stunde. Das Nationale Hurrikan-Zentrum (NHC) der USA stufte den Wirbelsturm inzwischen auf die zweithöchste Stufe vier herab - nannte ihn aber weiterhin "extrem gefährlich".

Im US-Außengebiet Puerto Rico waren wegen "Irma" mehr als die Hälfte der drei Millionen Einwohner ohne Strom. Wegen Überschwemmungen im Zentrum und im Norden der Insel mobilisierte der Gouverneur von Puerto Rico, Ricardo Rossello, die Nationalgarde. Er ließ Notunterkünfte für bis zu 62.000 Menschen einrichten.

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apr/dpa/AFP/Reuters