Hochzeitsfotos unzensiert Das merkwürdige Verhalten partybereiter Briten zur Heiratszeit

Im Gegensatz zu traditionellen, meist inszenierten Hochzeitsfotos verfolgt Ian Weldon einen anderen Ansatz: Er will den wahren Charakter des großen Tages einfangen - mit eindrucksvollen Ergebnissen.

Ian Weldon

Der Anlass ist einzigartig und hochemotional. Doch Hochzeitsfotos wirken oft durchchoreografiert, formell und klischeehaft. Nicht so bei Ian Weldon: Der britische Fotograf will in seinen Bildern den wahren Charakter eines Hochzeitstages festhalten - mit Humor, Wärme und Zuneigung.

"Ich bin kein Hochzeitsfotograf", sagt Weldon über sich. "So sehr ich es auch mag, stundenlang Leute in Reihen aufzustellen, sie herumzukommandieren und Fotos von jeder Kombination aus Familienmitgliedern und Gästen zu machen, habe ich doch wichtigere Dinge zu tun." Und das gelte, ehrlich gesagt, auch für seine Kunden, die Brautpaare.

Weldon beschreibt seinen Ansatz als fotografische Demokratie, in der kein Foto wichtiger ist als jedes andere. Anstatt Familienfotos zu arrangieren, auf eine Trittleiter zu klettern und eine Liste der gewünschten Bilder abzuarbeiten, fängt er ein, was das Brautpaar und die Gäste der Hochzeit verpasst haben könnten: die unzensierte häusliche Kulisse der Vorbereitungen, mit Bierdosen und Bügeln in letzter Minute; teure Blumen, die in Pappkartons transportiert werden; gerissene Hosen; das verzweifelte Greifen nach einem Kanapee; das Warten; den tanzenden Vater.

Fotostrecke

13  Bilder
Echte Hochzeitsfotos: Betrunkene, Kleiderkatastrophen, Heißhunger

Weldons Bilder fielen irgendwann dem britischen Fotografiestar Martin Parr auf. Dieser bot ihm eine Ausstellung und die Veröffentlichung eines Buches an. Vom 26. Juni bis 10. August sind einige Werke Weldons deshalb in der Galerie der Martin Parr Foundation in Bristol zu sehen. Zudem erscheint in Kooperation mit dem Verlag RRB Photobooks der Bildband "I Am Not A Wedding Photographer" ("Ich bin kein Hochzeitsfotograf").

Parr sagt: "Hier ist ein Fotograf, der Hochzeiten so fotografiert, wie sie wirklich sind: komische Familienanlässe, bei denen zu viel getrunken wird und wilde Dinge passieren."

wit

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
danielc. 23.06.2019
1.
Immer wenn ein Artikel den gleichen Inhalt wie der Kommentar der Fotostrecke hat, stelle ich fest, das Speicherplatz billiger ist als Papier. Aber abgesehen davon entsprechen diese Bilder meinem Geschmack von Hochzeitfotos. Die Hochglanzbilder wirken mir oft zu geschönt. Mir drängt sich der Eindruck auf, dass die Hochzeit das Eigentliche ist und die Ehe die Nebensache.
prostetnik 23.06.2019
2. Eine Freude, das zu betrachten
...schade um die Briten! Vielleicht kommen sie ja irgendwann wieder einmal zur Vernunft - habe immer große Sympathie empfunden
Newspeak 23.06.2019
3. ....
Die besten Hochzeiten als Gast sind die, auf der das Brautpaar auf all die Inszenierungen, die andere von ihm erwarten, verzichtet, und einfach die gemeinsame Feier geniessen kann.
Bala Clava 23.06.2019
4. Never tell the obvious
Zitat von danielc.Immer wenn ein Artikel den gleichen Inhalt wie der Kommentar der Fotostrecke hat, stelle ich fest, das Speicherplatz billiger ist als Papier. Aber abgesehen davon entsprechen diese Bilder meinem Geschmack von Hochzeitfotos. Die Hochglanzbilder wirken mir oft zu geschönt. Mir drängt sich der Eindruck auf, dass die Hochzeit das Eigentliche ist und die Ehe die Nebensache.
Das nennt man BU (Bildunterschrift) - und sollte man nie den Praktikanten überlassen. Die schreiben immer nur das, was man ohnehin schon sieht. Dabei war der (gedruckte) Spiegel mal berühmt und stilbildend für seine BUs. Zwei Halbsätze mit Doppelpunkt getrennt/verbunden - und nie mit Lakonie und Sarkasmus geizen.
Hexavalentes Chrom 23.06.2019
5. Ach!
Zitat von Bala ClavaDas nennt man BU (Bildunterschrift) - und sollte man nie den Praktikanten überlassen. Die schreiben immer nur das, was man ohnehin schon sieht. Dabei war der (gedruckte) Spiegel mal berühmt und stilbildend für seine BUs. Zwei Halbsätze mit Doppelpunkt getrennt/verbunden - und nie mit Lakonie und Sarkasmus geizen.
Praktikanten alter Schule unterstanden der Supervision. Heute ersetzt das Unwissen der Praktikanten altes Wissen. Das ist billiger und moderner, weil irgendwie jung, geil und Internet. Sie haben schon recht: Wer weiß heute noch mit einem Kolon umzugehen oder dessen Hälfte im Asyl des Ephemeren. Ach! Nichts sollte Praktikanten überlassen werden ohne Aufsicht!
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