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"Ich denke nicht jeden Tag an Olympia"

An den Olympischen Spielen hängt viel: Sponsorenverträge, Ticketverkäufe und natürlich die Medaillenhoffnungen der Athleten. Und trotzdem musste Tokio 2020 wegen Corona abgesagt werden. Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler erzählt, wie er das Beste aus der neuen Situation macht.
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Foto: Thomas Röhler

Für viele Athleten wäre es wohl eines der wichtigsten Events ihrer Karriere geworden. Doch dann kam Corona und damit die Verschiebung der Olympischen Spiele auf das kommende Jahr. Der Traum vom Medaillengewinn in diesem Sommer war geplatzt. Die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) bringt für die Sportler eine Fülle von Veränderungen: Der Trainingsplan muss neu erstellt werden, die Teilnahme an Wettkämpfen im Vorfeld überdacht, der mentale Fokus neu gesetzt werden. Auch ihre beruflichen Pläne mussten viele Athleten ändern. Eines jedoch haben sie alle durch die neue Lage gewonnen: Zeit. Thomas Röhler, Olympiasieger im Speerwurf, nutzt diese zusätzliche Zeit nicht nur für das eigene Training. Er unterstützt auch den sportlichen Nachwuchs in Deutschland, der in der Debatte um die Fortführung des Profisports in der Krise zunehmend aus dem politischen Fokus geraten ist.

Röhler selbst hat seine Karriere jung gestartet. 2010 kam er als 19-jähriger Leichtathlet ins Nationalteam und fand schnell eine Perspektive im Leistungssport. Er entdeckte seine Stärke in der Disziplin Speerwurf und gewann 2012 die deutsche Meisterschaft bei den Männern. Vier Jahre später folgte der bisherige Höhepunkt seiner Karriere: Bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016 holte er mit einem Wurf über 90,30 Meter olympisches Gold.

2020 gibt es nun für Thomas Röhler keine olympische Medaille zu gewinnen. Dennoch befürwortet der Sportler die Entscheidung des IOC und nimmt sie mittlerweile gelassen. Für ihn und seine Teamkollegen berge die Verschiebung der Spiele auch eine Chance. "Das Wettkampfangebot ist dieses Jahr durch Corona sehr eingeschränkt. Daher haben wir diesen Sommer die Möglichkeit, höhere Intensitäten zu trainieren und uns bestmöglich auf die Spiele im nächsten Jahr vorzubereiten", sagt der 28-jährige Thüringer. Die Freiheit im Training habe auch seinen Kopf frei gemacht. "Ich denke nicht jeden Tag an Olympia", erklärt er.

Den Alltag des Spitzensportlers hat die Pandemie völlig verändert. Während des Lockdowns trainierte er fast sechs Wochen im eigenen Haus und Garten. Als die ersten Lockerungen kamen, ging es mit Unterstützung des Olympiastützpunktes Thüringen auf die gewohnten Sportflächen zurück. Langsam, und das aus gutem Grund, meint Röhler. "Wir waren sehr vorsichtig bei der Wiederaufnahme des Trainings, weil die Gesundheit Priorität haben muss. Uns Leistungssportlern muss außerdem bewusst sein, dass wir eine Vorbildfunktion für den Hobbysportler da draußen haben. Mit der schrittweisen Rückkehr wollten wir zeigen: Auch wir stehen ein Stück weit still und packen die Situation von zu Hause aus an."

Seine Verantwortung als Olympiasieger nimmt Thomas Röhler auch in Bezug auf die Nachwuchsförderung in Deutschland sehr ernst. Als jung gefördertes Talent hat er selbst erfahren, wie wichtig die Hilfe durch Familie, Gemeinschaft, aber auch durch staatliche und nicht staatliche Unterstützer ist.

Während der Restriktionen bemühte er sich deshalb um Sondernutzungsgenehmigungen von Trainingsstätten für den Nachwuchs und arbeitete an neuen Konzepten für die Weiterfinanzierung von Sportvereinen. "Vereine sind die Grundlage dafür, dass wir als Bundesrepublik auch weiterhin erfolgreiche Sportler zu Olympischen Spielen schicken können. Sie sind die Basis für Leistung, Erfolg und letztendlich auch Prestige im deutschen Sport", erklärt er sein Engagement.

Die Notwendigkeit eines intakten Vereinslebens ist durch die Geschehnisse der vergangenen Monate in Röhlers Augen noch deutlicher geworden. In seinem eigenen Verein, dem Leichtathletik Club Jena, standen viele berufstätige Eltern vor organisatorischen Problemen, weil ihre Kinder nicht wie gewohnt von deren Ausbildungsleitern betreut werden konnten. Mit seinen Aktionen rund um die Vereinshilfe möchte der Olympiasieger daher nicht nur eine Botschaft an die Politik senden. "Wichtig ist uns ganz einfach, dass die Eltern da draußen, die Kids im Verein und all die jugendlichen Talente sehen, dass man an sie denkt. Wir wollen ihnen zeigen, dass die Vereine alles geben und dass ihre sportlichen Vorbilder sie nicht vergessen."

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