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Tropensturm "Idai" in Mosambik "Massive Katastrophe"

Hunderttausende Menschen sind vom verheerenden Sturm "Idai" In Mosambik betroffen: Hunderte starben, Tausende harren jetzt auf Dächern und Bäumen aus. Ein Helfer sagt: "Wir retten so viele, wie wir können, doch sind das nicht alle."

Nach dem schweren Tropensturm "Idai" sind im Zentrum Mosambiks Helfern zufolge Flüsse so dramatisch über die Ufer getreten, dass "kilometerlange Binnenmeere" entstanden sind. Bei Flügen über dem Katastrophengebiet zeige sich ein erschreckendes Bild, erklärte das Welternährungsprogramm (WFP) der Uno. Die größte Herausforderung sei es jetzt, trotz der Überschwemmungen die Hilfsbedürftigen zu erreichen.

Unicef-Sprecher Christophe Boulierac sagte bei einer Pressekonferenz: "Mehrere Tausend Menschen kämpfen derzeit um ihr Leben, sie sitzen auf Dächern, in Bäumen und anderen höhergelegenen Gebieten." Darunter seien Familien und zahlreiche Kinder.

Die "massive Katastrophe" betreffe möglicherweise Millionen Menschen in Mosambik und den Nachbarländern Simbabwe und Malawi, sagte der Leiter des Uno-Nothilfebüros  (Ocha), Jens Laerke. "Wir brauchen jede logistische Unterstützung, die wir bekommen können." Ein Sprecher des Roten Kreuzes erklärte, Helfer vor Ort sprächen von Orten, die bis zu sechs Meter unter Wasser stünden. Die Organisation warnte, rund 400.000 Menschen könnten zeitweise obdachlos sein.

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Der Zyklon "Idai" mit der Stärke vier von fünf war in der Nacht zum Freitag mit Windböen von bis zu 160 Kilometern pro Stunde vom Indischen Ozean her nahe der mosambikanischen Großstadt Beira auf Land getroffen. Es folgten Sturmfluten und massive Überschwemmungen.

Mosambiks Präsident Filipe Nyusi hatte am Montag gesagt, es könnte mindestens tausend Todesopfer geben. Am Dienstag erklärte er, in Mosambik seien bisher mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen. Die Regierung in Simbabwe sprach von rund hundert Toten. In beiden Ländern werden Hunderte weitere Opfer befürchtet. Meteorologen warnten, dass es in der Region noch bis Donnerstag stark regnen sollte.

Eine Familie in Chimanimani (Simbabwe) sucht ihren Sohn, der unter Schlamm begraben wurde

Eine Familie in Chimanimani (Simbabwe) sucht ihren Sohn, der unter Schlamm begraben wurde

Foto: Tsvangirayi Mukwazhi/ dpa

Ian Scher von der südafrikanischen Organisation Rescue SA ist an der Seite des südafrikanischen und mosambikanischen Militärs an dem Rettungseinsatz beteiligt. Auch er berichtete, dass noch immer zahlreiche Menschen auf Bäumen oder Dächern ausharren. Seit Freitagnacht hat Schers Organisation nach eigenen Angaben 34 Menschen gerettet.

"Wir retten so viele, wie wir können, doch sind das nicht alle", sagte er. "Wir müssen schwierige Entscheidungen treffen. Manchmal können wir nur zwei von fünf retten. Manchmal werfen wir nur Essen ab und retten jemand anderes, der in größerer Gefahr ist." Allein auf einer mitten in den Fluten entstandenen "Insel" hätten sich 350 Menschen gerettet und warteten nun dringend auf Hilfe.

Trümmer in Chiminimani

Trümmer in Chiminimani

Foto: ZINYANGE AUNTONY/ AFP

Die Helfer stünden derzeit vor allem vor zwei Problemen, berichtete der Chef von Rescue SA weiter: "Wir haben die Leute in den Bäumen, die gegen Schlangen, Insekten und Raubtiere kämpfen müssen - und wir haben die Menschen, die auf Hausdächern oder Inseln gestrandet sind und nichts zu essen haben".

"Ich glaube, dass die Welt das Ausmaß des Problems wahrgenommen hat"

Das Welternährungsprogramm kündigte an, in den kommenden Tagen Nahrungsmittel für bis zu 600.000 Menschen in die Katastrophengebiete zu liefern. "Ich glaube, dass die Welt das Ausmaß des Problems wahrgenommen hat", sagte WFP-Sprecher Herve Verhoosel. Die Uno sprach von einem der schwersten Stürme im Süden Afrikas seit Jahrzehnten.

Mosambik wird immer wieder von schweren Wirbelstürmen getroffen. Der Zyklon "Favio" etwa hatte 2007 rund 130.000 Häuser beschädigt und Zehntausende Menschen zur Flucht gezwungen. Im Jahr 2000 waren infolge des Zyklons "Eline" knapp eine halbe Million Menschen obdachlos, rund 700 starben.

Mosambik gehört einem Uno-Index zufolge zu den zehn ärmsten Ländern der Welt. Die Regierung dürfte mit der Bewältigung der sich nun abzeichnenden humanitären Katastrophe überfordert sein. Zahlreiche Hilfsorganisationen planen daher, ihre Einsätze vor Ort auszubauen, und haben zu Spenden aufgerufen.

aar/dpa/AFP