Kontaktanzeige einer indischen Mutter "Suche EHEMANN für meinen SOHN"

Harish Iyer soll endlich heiraten, so wünscht es sich die Mutter des 36-Jährigen. Die Inderin schaltete eine Anzeige, um nach einem geeigneten Ehemann zu suchen - trotz des geltenden Sexverbots für gleichgeschlechtliche Paare. Doch jetzt wird der Trubel zu viel.

Annonce in der Zeitung "Mid Day": Die erste homosexuelle Kontaktanzeige
AFP

Annonce in der Zeitung "Mid Day": Die erste homosexuelle Kontaktanzeige


Padma Iyer hat recht klare Vorstellungen: Er sollte nicht jünger als 25 und nicht älter als 40 Jahre alt sein. Gut situiert wäre schön. Tiere sollte er mögen. Und beim Essen darauf achten, dass es vegetarisch ist. So sieht er aus, der perfekte Ehemann, den die Inderin für ihren 36-jährigen Sohn Harish sucht.

Iyer schaltete in Mumbai eine Kontaktanzeige. Nach Angaben der "Times of India" handelt es sich dabei um die erste homosexuelle Annonce in Indien. Die Zeitung wie auch andere Blätter hatten es abgelehnt, Iyers Gesuch zu drucken. Nur die Boulevardzeitung "Mid-Day" veröffentlichte es.

Gleichgeschlechtlicher Sex ist in Indien verboten: Laut einem 155 Jahre alten Gesetz, das noch von den britischen Kolonialherren stammt, wird "Geschlechtsverkehr gegen die natürliche Ordnung" mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft. Der Großteil der Inder hat konservative Einstellungen zu sexuellen Themen.

Doch gerade die junge Mittelklasse im Land öffnet sich - und spricht der suchenden Mutter und ihrem Sohn nun Mut zu. "Mein Freund Harish Iyer hat eine Rockstar-Mom", schreibt etwa ein Twitter-Nutzer. Auch die "Times of India" meint nun: "coole Mutter". Harish Iyer macht sich dem Bericht zufolge seit Jahren unter anderem für die Rechte von Homosexuellen stark. Die Regierung solle endlich das veraltete, repressive Gesetz loswerden, das die persönliche Freiheit einschränke, heißt es im Artikel.

"Ich werde alt", sagte Padma Iyer, 58, der Zeitung "Mid Day". "Bevor ich diese Welt verlasse, soll mein Sohn einen Partner finden. Einen männlichen." Solle es tatsächlich zu einer Hochzeit kommen, will Harish dem Bericht zufolge ein veganes Fest feiern. Aber das hänge natürlich auch von den Wünschen seines Zukünftigen ab.

Die Anzeige seiner Mutter hat für viel Aufsehen gesorgt, in Indien, aber auch im Ausland. Doch das Interesse wird inzwischen offenbar zu viel. Auf Twitter schrieb Harish Iyer an die Medien gewandt: "Ihr sollt meine Mutter nicht belästigen. Sie kann mit dem Stress nicht umgehen." Er selbst sei jedoch ab 19.30 Uhr zu erreichen.

aar/dpa

insgesamt 7 Beiträge
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jakam 21.05.2015
1.
"Geschlechtsverkehr gegen die natürliche Ordnung" - dann gibt es keine Problem und/oder Verurteilten, da die sexuelle Präferenz eine genetische Prädisposition ist und somit zum natürlichen Spektrum dazu gehört. Oder gibt es in Indien keine moderne Wissenschaft?
e-ding 21.05.2015
2. ....
Wirklich? Das Gefühl habe ich nicht. Suspekt sind weder klassische Familienbilder, noch gleichgeschlechtliche Präferenzen. Sie treiben da einen Keil, der keiner sein muss.
voiceecho 21.05.2015
3. Mutige Mutter!
Respekt vor der Mutter, solche Menschen, die so einen Tabubruch wagen, verändern die Welt! Die Welt braucht solche mutigen Menschen, um ein besserer Platz zu werden!
joza 21.05.2015
4.
Ich selbst musste erst weit über Bild und Überschrift hinauslesen, um überhaupt den Knackpunkt zu erfassen. Grund war ehrlicherweise wohl eher Müdigkeit, aber im Nachhinein betrachtet ginge das wohl in Richtung des Normalfalles in einer Welt, die diesbezüglich wirklich frei von Bedenken ist. Jede Berichterstattung, die auch nur im Ansatz eine Hervorhebung vornimmt, wirkt dieser freien Sicht evtl. entgegen.
Newspeak 21.05.2015
5. ...
Wenn ich es richtig verstehe, geht die Anzeige sogar noch weiter und relativiert auch die Kastenzugehörigkeit. Diese Mutter ist wirklich bewundernswert.
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