Investment-Chaos Sarah Ferguson am Rande des Ruins

Eine der schillerndsten Figuren des englischen Königshauses könnte sehr tief stürzen: Sarah Ferguson erlitt riesige Verluste durch das chaotische Management einer Firma, bei der sie sich mit ihren Geschäftspartnern zerstritten hatte. Geht die Herzogin von York jetzt bankrott?

Sarah Ferguson, Herzogin von York: Finanziell im Abseits
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Sarah Ferguson, Herzogin von York: Finanziell im Abseits


Die Geschichte hat das Zeug zum Finanz-Thriller: Naiver Blaublütler wird von hartherzigen Investoren in den Ruin getrieben. Doch war es wirklich so? Dass es ausgerechnet Sarah Ferguson, die geschiedene Herzogin von York, traf, macht die ganze Sache zu einem Gazettenroman. Fergie, das enfant terrible der englischen Königsfamilie, wird womöglich für den ersten Konkursfall in der Geschichte der Royals sorgen, berichtet die Londoner "Times".

Begonnen hatte alles vielversprechend: Nach ihrer Scheidung von Prince Andrew im Jahr 1996 hatte Ferguson als Buchautorin und Weight-Watchers-Ikone ordentlich Geld verdient. 2006 gründete sie mit einer Reihe Investoren und Beratern die Firma Hartwoodmoor. Das in New York ansässige Unternehmen, an dem Ferguson 51 Prozent hielt, sollte die prominente Adelige weltweit als Marke etablieren. Von Diät-Artikeln über Kleidung und Accessoires bis zu Schmuckkollektionen sollte die Produktpalette reichen. Hierfür gingen auch alle Urheberrechte der Prominenten an Hartmoor.

Jetzt, vier Jahre später, ist das Unternehmen endgültig gescheitert, wobei sich der Bruch zwischen Ferguson und ihren Investoren laut "Times" bereits Ende 2007 abgezeichnet haben soll. Im Mai 2008 wurden alle geschäftlichen Aktivitäten dann offiziell eingestellt.

Fergusons ehemalige Geschäftspartner haben sich von ihr distanziert. Zu ihnen zählte, neben dem irischen Zeitungsmagnaten Tony O'Reilly und Geir Frantzen, dem Besitzer des Tiefkühlimperiums Findus, auch Mike Roberts. Der ehemalige Chef von McDonald's leitete gemeinsam mit Michael Donahue, ebenfalls ein früherer McDonald's-Mann, die Geschäfte.

Marke und Misere

Und die liefen so schlecht, dass die Herzogin atemberaubend schnell Verluste anhäufte. Mehr als fünf Millionen Dollar (rund 3,9 Millionen Euro) soll sie innerhalb der ersten 18 Monate nach Hartmoor-Gründung verloren haben, meldet die "Times". Die Auflösung der Geschäftsverbindung und vor allem der Rückkauf ihrer Urheberrechte kostete Ferguson noch einmal eine Million Dollar, so viel berechneten ihr die Anwälte der renommierten Kanzlei Dewey & LeBoeuf.

Aus Fergusons Sicht haben sich unfaire Geschäftemacher an ihr bereichert. Sie sei nur eine Angestellte gewesen und habe ihr intellektuelles Eigentum naiv veräußert, zitiert die "Times" sie: "Man hat keine Kontrolle mehr über das eigene Leben."

"Fergies" Ko-Investoren fanden ihre berühmte Kollegin schlicht unqualifiziert. "Sie war einfach nicht in der Lage, die nötige Arbeit in die Sache reinzustecken", beschwerte sich ein Teilhaber. "Wir haben sie oft monatelang nicht gesehen. Trotz unserer Anfragen wurde wenig kommuniziert."

Nicht im Gespräch, dafür aber im Gerede ist Fergie nun allemal, auch weil sich die Queen persönlich eingeschaltet hat. "Deeply concerned", zutiefst besorgt sei man, berichtete der "Sunday Telegraph".

Geständnis für Millionen

Zu Recht: Die ehemalige Schwiegertochter von Elizabeth II. war erst im Juni einem als Geschäftsmann getarnten Boulevardjournalisten auf den Leim gegangen, der ihr Geld für eine Kontaktanbahnung zum Königshaus geboten hatte. Ferguson verlangte für ihre Dienste 500.000 Pfund. Die 40.000 Pfund Anzahlung in bar nahm die Herzogin in einer geborgten Aktentasche mit. Dumm nur, dass dies mit versteckter Kamera gefilmt wurde.

Wenig später erklärte Ferguson der amerikanischen Talk-Queen Oprah Winfrey in deren Sendung, sie sei während der Transaktion mit dem Reporter in einem Hotel angetrunken gewesen.

Prince Andrew, Fergusons Ex-Mann, soll bereits einen Rettungsplan erstellt haben. 1,5 Millionen Pfund Privatschulden seiner Ex-Frau hat der Prinz bereits getilgt. Rund zwei Millionen Pfund Geschäftschulden aus dem Hartmoor-Debakel seien aber noch offen, meldet die "Times".

Soll Ferguson also Bankrott erklären? Angeblich ist Andrew mittlerweile einer Konkursidee nicht mehr abgeneigt. "Seine Berater versuchen die Herzogin zu überzeugen, den Schritt zu tun", heißt es in der "Times".

dan



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