Irischer Priester im Boxring "Fang an zu beten, das Jüngste Gericht ist nah"

Pierre Pepper ist katholischer Priester. Um für seine Kirche zu werben, geht er seltsame Pfade: Im Boxring legte er sich für einen guten Zweck mit seinem Gegner Jared Madden an. Und jagte ihm schon im Vorfeld profimäßig Angst ein.

AFP

Banagher - Also das Posen, heiliger Himmel, das haben die Jungs von der katholischen Kirche drauf: Im Werbevideo für ein Box-Event der Extraklasse, dem "St. Patricks Weekend Punch Up", reihen sich fünf irische Priester hinter Pierre "Jalapeño" Pepper auf.

Der Mann mit den roten Boxhandschuhen sieht gefährlich aus. Zwar trägt er ein ponchoartiges Hemd, das an Panflöten-Spieler in Fußgängerzonen erinnert. Aber er sagt garstige Dinge wie: "Am 14. März, du und ich im Ring, da wirst du dich nicht mehr verpissen können, da bist du fällig, brauchst hinterher ne Menge Make-up, um den Schaden zu übertünchen, den ich anrichten werde."

Also wirklich, der Mann ist Geistlicher. Aber mit einer durchaus irdischen Vorliebe für Faustkämpfe. Adressat seiner selbstironisch vorgetragenen Drohungen, die von den umstehenden Priestern mit einem unterdrückten Kichern quittiert werden, ist Jared Madden, sein Gegner in dem angekündigten "White Collar Fight".

Ursprünglich versteht man unter dieser Form des Freizeitboxens so etwas wie Boxen für gestresste Bürohengste. Der katholische Priester - in der Regel im schwarzen Gewand mit weißem Plastik-Kollar unterwegs - gibt dem Begriff eine ganz neue Konnotation.

Pepper macht seinem Künstlernamen alle Ehre: Die "Jalapeño" ist eine mittelgroße, ziemlich scharfe Paprika. Und scharf geht er auch seinen Gegner an: "Also Madden, ich weiß ja, dass du die Bibel nicht besonders gut kennst", fährt Pepper fort, "deshalb hab ich mal ein schönes Zitat für dich: 'Der Herr sagt, die Rache ist mein'." Das Ende des Kampfes, es sei schon jetzt absehbar: "An diesem Abend wird man nicht mehr viel über dich reden. Von mir wirst du nur noch einen Satz hören: 'Rest in peace, Madden, du Häufchen Elend'." Es sei jetzt an der Zeit, zu beten, denn: "Das Jüngste Gericht ist nah."

Das vorwitzige Video verbreitete sich schnell über die sozialen Netzwerke und brachte dem christlichen Boxer und seiner Unterstützertruppe, den "back room men", jede Menge Sympathien ein. Sogar im Fernsehen trat Pepper auf. Der Nachrichtenagentur AFP sagte Pepper: "Das Ganze hat ein Eigenleben entwickelt. Von den Kindern, die ich in der Schule besuche, bis zu den Alten und jenen, die mich anrufen, alle stehen hinter mir." Auf die Frage, ob er Box-Erfahrung habe, sagte Pepper: "Ja, aber nicht im Ring." Deshalb habe er für den Fight ordentlich trainiert.

Angetreten war Priester Pepper nicht zum Selbstzweck: Natürlich wurden die Einkünfte der Box-Veranstaltung für einen guten Zweck gespendet.

Als es dann am Samstagabend in einer Kneipe der zentralirischen Ortschaft Banagher an den Ufern des Flusses Shannon zur Sache ging, waren Dutzende Fans gekommen um zuzuschauen. Drei Runden à zwei Minuten wurden geboxt - und Pepper ging als Sieger hervor. Das sei gar nicht selbstverständlich, sagte der Kämpfer hinterher: "Das Problem ist: Gott liebt jeden auf die gleiche Weise, deshalb konnte er nicht auf meiner Seite sein."

ala/oka/AFP



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