Islamischer Online-Sexshop Website wegen Riesenansturm geschlossen

Ein Internet-Sexshop, der sich mit den religiösen Regeln des Islam verträgt? Ein praktizierender Muslim aus Amsterdam hat ihn eröffnet - und gleich wieder geschlossen. Der Ansturm war einfach zu groß.

Erotik mit angemessener Haltung - jetzt im Internet für Muslime
SPIEGEL TV

Erotik mit angemessener Haltung - jetzt im Internet für Muslime


Den Haag - Das Interesse in der islamischen Welt ist offenbar enorm: Schon nach wenigen Tagen ist der erste muslimische Internet-Sexshop vorerst wieder offline. Aufgrund des großen Ansturms sei der Online-Versand nicht mehr erreichbar, heißt es auf der in den Niederlanden registrierten Website. Zehntausende Besucher hatten in den ersten Tagen die Scharia-konformen Gleitgele, Aphrodisiaka und Massageöle angeklickt. Der Inhaber, ein gläubiger Muslim aus Amsterdam, will mit dem Angebot zu einem harmonischen Eheleben beitragen.

"Unser Provider konnte die erforderliche Bandbreite nicht zur Verfügung stellen", steht nun auf der Startseite von www.elasira.nl. "Wir ziehen jetzt um und werden in wenigen Tagen wieder online sein." Der 29-jährige Abdelaziz Aouragh hatte den Versand Ende März im Netz eröffnet. Mit El Asira will der praktizierende Muslim eine Alternative zu "anderen Seiten anbieten, die sich auf Porno und anstößige Erotik konzentrieren" - Praktiken, die im Islam verboten seien. Schon nach vier Tagen zählte Aouragh 70.000 Besucher auf seiner Website.

Gläubige Muslime lockt das Angebot mit dezenter Optik und einer harmlosen Straßenszene im Hintergrund - statt nackter Brüste und greller Farben. El Asira, das arabische Wort für Gesellschaft, bietet die Wahl zwischen zwei züchtigen Katalogen: einem für Männer und einem für Frauen. Cremes und Öle tragen das "Halal"-Siegel, sind also ohne Alkohol und Gelatine hergestellt und demnach religiös unbedenklich.

Dildos, Vibratoren und alle Arten von Pornografie sucht man dagegen vergeblich in dem sorgfältig ausgewählten Angebot. Solche Dinge seien "haram", verstießen also gegen die Regeln der Scharia, sagt Aouragh, der sich selbst als orthodoxen Muslim bezeichnet.

"Wir haben einen respektvollen Ansatz gewählt", heißt es in der Rubrik "Über uns" auf der Website, wo auch eingeräumt wird, dass es "Menschen im Islam gibt, die Sexualität als ein Tabu betrachten". Muslime sollten ihre Sicht auf Sexualität und Erotik auf eine "positive Art und Weise teilen", heißt es weiter.

Im Sinne des Propheten

Der gebürtige Amsterdamer Aouragh, dessen Familie ursprünglich aus Marokko stammt, bat islamische Gelehrte um Rat, um mit seinem Angebot nicht gegen die Regeln der Religion zu verstoßen. "Ich habe viel darüber gelernt, wie der Islam zur Sexualität steht", sagt Aouragh und bekennt, früher selbst Erotik als islamisches Tabu verstanden zu haben. "Dann habe ich erfahren, dass der Prophet den Männern die Anordnung gab, ihre Frauen sexuell zu befriedigen." Der niederländische Imam Abdul Jabbar versichert, Muslime dürften ihr Sexleben durchaus mit Hilfsmitteln verbessern. "Sex ist ein wichtiger Teil der Ehe."

Dennoch hätten sich Muslime mit Problemen im Eheleben bislang mit traditionellen Kräutern aus dem Nahen Osten zufriedengeben müssen, sagt Aouragh. "Die meisten anderen Produkte tragen die Bilder nackter Menschen oder schmutzige Wörter auf der Verpackung. Es war sehr schwierig für mich, etwas Passendes für mein Angebot zu finden."

Mit seinem Online-Sexshop will Aouragh nicht nur muslimischen Ehepaaren helfen. Auch das Ansehen seiner Religion in Europa soll davon profitieren. "Jeder spricht negativ über den Islam", sagt der Jungunternehmer. "Ich will dem etwas entgegensetzen."

Von Mariette le Roux, AFP



© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.