Anhaltende Hitze Italien sitzt auf dem Trockenen

Temperaturen bis zu 40 Grad, extrem wenig Regen: Italien leidet unter akutem Wassermangel. Die Regierung reagiert nun mit Notstandsdekreten - und kuriosen Sparmaßnahmen.
Der Po mit niedrigem Wasserstand

Der Po mit niedrigem Wasserstand

Foto: ROPI

Der Himmel ist blau, die Sonne scheint den ganzen Tag, das Meer ist warm und ruhig: Zwischen Südtirol und Sizilien herrscht derzeit ein Bilderbuchsommer für Touristen. Viele Italiener dagegen blicken verzweifelt gen Himmel - jeden Tag, an dem es nicht regnet, ein wenig ängstlicher. Denn Italien trocknet aus. Manche Teile des Landes sehen aus wie nach einer Dürrekatastrophe.

Für die Provinzen Parma und Piacenza hat die Regierung in Rom jetzt den Notstand ausgerufen. Seit neun Monaten ist es dort trocken, der Wasserverbrauch soll streng reguliert werden. Weitere Gebiete sollen in den nächsten Tagen folgen, darunter Sardinien, die Toskana, Kampanien und sogar die Metropole Rom. Dort gab es in diesem Jahr bislang nur ein Drittel des üblichen Niederschlags. Überall, auch auf Urlaubsinseln wie Elba, Capri und Ischia wird das Wasser knapp.

In der südlichen Toskana hat es seit März nur ein paar Tropfen geregnet, in Teilen Kampaniens seit anderthalb Jahren gar nicht. In Norditalien gab es in diesem Jahr nur halb so viel Niederschlag wie üblich, im Süden fielen zwei Drittel des Regens aus, im Zentrum des Landes sogar 85 Prozent. Die Folgen sind allgegenwärtig: Die Wein- und Olivenernte ist massiv gefährdet, Kartoffeln und Getreide trocknen aus, der Bauernverband meldet Schäden von einer Milliarde Euro.

Süditalien: Kein Regen bis zum Herbst

Was nicht bewässert wird, ist schon weitgehend ruiniert - und fürs Bewässern wird das Wasser knapp. Das Niveau der Flüsse und Seen ist auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren gefallen. Der Wasserstand in den Stauseen sinkt rapide. Und der Sommer fängt gerade erst an.

Für die kommende Woche verheißen die Meteorologen für die Nordhälfte des Landes zwar ein atlantisches Sturmtief. Aber das soll nur kurzzeitig und lokal sehr begrenzt den erhofften Regen bringen. Und bis in den Süden schaffen es die Atlantikwolken sowieso nicht. Dort wird die Sonne weiter brennen, mit Temperaturen bis zu 40 Grad im Schatten. Für Apulien und Sizilien lautet eine Langzeitprognose: kein Regen bis zum Herbst.

Im Fernsehen und in den Bars diskutieren die Italiener: Erleben wir gerade lediglich einen Wetterausreißer? Schließlich gab es seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1800 schon einmal ein so heißes Halbjahr wie dieses - aber eben nur eines. Oder ist das Extremwetter vielleicht ein Symptom des Klimawandels?

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Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ dpa

Was die Bewältigung der Krise zusätzlich erschwert, ist das Missmanagement in der Wasserversorgung. Denn Italien ist auch für vorübergehende Dürrezeiten nicht gewappnet: Schon in normalen Sommern gibt es vielerorts für Stunden oder Tage kein Wasser. Zudem gehen in vielen Gebieten der viertgrößten Volkswirtschaft in der EU auf dem Weg vom Depot zum Verbraucher bis zu 50 Prozent des Wassers verloren - weil die Leitungsnetze alt, brüchig und löchrig sind. Die Regierung hat gerade erst wieder 600 Millionen Euro für die Instandsetzung versprochen.

Bis der erhoffte Regen das Land erlöst, soll mithilfe der Notstandsdekrete und ähnlicher Verordnungen der Provinzen und Kommunen das noch vorhandene Wasser zumindest rationiert werden. So ist zum Beispiel das Autowaschen, das Befüllen des Swimmingpools oder das Reinigen der Terrassen mit Leitungswasser ebenso verboten wie das Blumengießen im Garten. Mancherorts ist zwischen 8 und 21 Uhr jeder Wasserverbrauch untersagt, der nicht haushaltsnotwendig ist. Selbst Spülmaschinen dürfen nur randvoll, Waschmaschinen mit maximal 30 Grad betrieben werden.

Alles ganz nett - doch wer soll das kontrollieren?

Auf die Einsicht der Bürger sollte die Regierung jedenfalls nicht hoffen - zumal die Behörden in der Hauptstadt eine allgegenwärtige Form der Wasserverschwendung nach wie vor dulden: Während sich der Hauptwasserspeicher, der Bracciano-See bei Rom, rapide leert und auch römische Leitungen mehr als 40 Prozent des Trinkwassers verlieren, fließt aus den rund 2500 Brünnlein der Stadt unentwegt das Wasser. Meistens ungenutzt und oftmals rund um die Uhr.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Textes wurde Italien als drittgrößte Volkwirtschaft bezeichnet. Die Passage ist korrigiert: Das Land ist die viertgrößte Volkswirtschaft in der EU.

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