Mit Röhrenfalle Italien fängt Problembär in den Abruzzen ein

Er brach bereits in eine Konditorei ein – und bediente sich an den Delikatessen: Juan Carrito heißt Italiens jüngster Problembär. Dass das Leckermaul nun eingefangen wurde, wird von manchen Bärenfreunden kritisiert.
Braunbär (Symbolbild)

Braunbär (Symbolbild)

Foto: Günter Passage / IMAGO

Juan Carrito ist etwas Besonderes. Von seiner in Mittelitalien heimischen Unterart, den marsischen Braunbären, soll es nach Angaben von Tierschützern nur noch ein paar Dutzend Tiere geben. Vielleicht liegt es ja daran, dass es besondere Tiere auch zu für sie besonderem Futter zieht: Der Braunbär drang im Herbst in eine Konditorei ein, beschädigte den Laden und bediente sich in der Auslage.

In dem wenig scheuen Tier sahen die Behörden jedoch weniger ein Leckermaul, sondern vor allem eine Gefahr für die Menschen. Dass der kräftige, mehr als 100 Kilogramm schwere Bär zu einem Problem geworden sei, hatte laut »Tiroler Tageszeitung « etwa der Bürgermeister von Roccaraso, Francesco Di Donato, argumentiert.

Bär in Schutzgebiet gebracht

Tatsächlich suchte Juan Carrito immer wieder den Kontakt zu Menschen. Nach seinem Einbruch in die Bäckerei war er etwa laut britischem »Guardian « schon einmal eingefangen und in einem Nationalpark ausgesetzt worden. Doch Juan Carrito tauchte demnach nur eine Woche später wieder im Skigebiet von Roccaraso auf, wo er einen Hund verschreckt haben soll. Überhaupt schien es ihm der Ort Roccaraso angetan zu haben, auch aus Brunnen soll er hier bereits getrunken haben.

Zuletzt wurde es den Behörden zu bunt. Mit einer Röhrenfalle fingen Einsatzkräfte den Bären laut »Guardian« am Wochenende abermals ein und brachten ihn in das Bärenreservat Palena in der Provinz Chieti. Dort soll der Bär sich wieder an die Natur gewöhnen und sich nicht länger von menschengemachter Nahrung von Müll bis Mürbeplätzchen ernähren – um ihn dann erneut auszuwildern.

Die Fangaktion stieß bei einigen Bewohnern des Orts Roccaraso jedoch auf Ablehnung. Sie sehen die Freiheit des Bären in Gefahr und haben eine Petition gegen die Gefangenschaft in dem Reservat gestartet. »Juan Carrito hat nie jemandem etwas zuleide getan«, sagte laut »Guardian« Luigi Liberatore aus Roccaraso.

In Italien kommt es immer wieder zu Konflikten mit Braunbären. Gerade junge Tiere begeben sich in den Wintermonaten auf der Suche nach Nahrung häufiger auch in von Menschen bewohnte Gegenden. Aus Italien war einst auch »Problembär Bruno« über die Alpen nach Deutschland ausgewandert, ehe er im Sommer 2006 in Bayern erlegt wurde. 2008 wurde Brunos Bruder JJ3 erschossen.

apr
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