Italien Komapatientin Englaro darf sterben

Jahrelang hatte ihr Vater vor Gericht darum gekämpft, die künstliche Ernährung einstellen zu dürfen. Nach 17 Jahren im Wachkoma darf die 38-jährige Eluana Englaro nun sterben. Der öffentliche und kirchliche Protest gegen die Sterbehilfe allerdings dauert an.

Rom - In der Nacht zum Dienstag wurde Eluana Englaro aus einer Klinik im lombardischen Lecco in ein Altersheim in Udine transportiert, wie italienische Medien am Dienstag berichteten. Dort soll sie im Beisein ihres Vaters Sterbehilfe erhalten.

Der behandelnde Neurologe Carlo Alberto Defanti bedauerte laut "Corriere della Sera", den Transport nicht begleiten zu können. Auf das bevorstehende Procedere der Sterbehilfe angesprochen erklärte er, man werde die Sonde zunächst nicht entfernen und die künstliche Ernährung erst nach einer dreitägigen Beobachtungsphase absetzen.

Vor der Abfahrt des Krankenwagens kam es zu heftigen Protesten von Gegnern der Sterbehilfe, die unter anderem eine Nachtwache organisiert hatten. "Ich finde diesen Abtransport mitten in der Nacht entsetzlich, als ob es etwas zu verstecken gäbe", sagte die Vorsitzende der Elternvertretung Katholische Schulen, Maria Grazia Colombo, dem "Corriere della Sera".

"Ich weiß, dass Eluana nicht sterben will, und weil sie nicht mehr protestieren kann, protestiere ich", erklärte ein Vertreter der "Bewegung für das Leben", Antonella Vian. Einige Demonstranten sollen gerufen haben: "Wach auf, Eluana!" Andere schrien: "Stoppt die Hand des Mörders!"

Der Vater der Patientin, Giuseppe Englaro, hatte jahrelang vergeblich darum gekämpft, die künstliche Ernährung seiner Tochter einstellen zu dürfen. Vor allem der Vatikan hatte sich immer wieder dagegen ausgesprochen. Der Vorsitzende des päpstlichen Rates für Gesundheitsfragen des Vatikans, Javier Lozano Barragan, bekräftigte in der Dienstagsausgabe der Zeitung "Repubblica" den Widerstand und sprach von einem geplanten "scheußlichen Mord".

Eluana war 1992 nach einem Unfall ins Koma gefallen. Im vergangenen November hatte das oberste italienische Berufungsgericht in letzter Instanz eine Anordnung des Mailänder Berufungsgerichts bestätigt, wonach die künstliche Ernährung der Italienerin eingestellt werden könne.

Zwar erklärte sich die Leitung eines Krankenhauses bereit, die Komapatientin in den Tod zu führen. Dies scheiterte jedoch am italienischen Gesundheitsminister Maurizio Sacconi, der der Klinik mit finanziellen Konsequenzen drohte, sollte sie dem Sterbehilfegesuch stattgeben.

In Italien ist sowohl die aktive als auch die passive Sterbehilfe verboten. Verstärkt ist deshalb wieder die Einführung einer Patientenverfügung im Gespräch. Vor allem Papst Benedikt XVI. hatte immer wieder vor jeder Form von Euthanasie gewarnt.

ala/dpa/AFP
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