Wohnhäuser und Nationalpark bedroht Menschen in Süditalien müssen vor Waldbränden fliehen

Die Waldbrände am Mittelmeer bedrohen nun auch in Italien Wohnhäuser, mit Flugzeugen kämpfen Retter dagegen an. Die Feuerwehr will einen bedeutenden Nationalpark schützen – doch Brandstifter machen weiter.
Einsatz gegen die Flammen auf Sizilien: 46.500 Waldbrandeinsätze seit Mitte Juni – 20.000 mehr als im Vorjahr

Einsatz gegen die Flammen auf Sizilien: 46.500 Waldbrandeinsätze seit Mitte Juni – 20.000 mehr als im Vorjahr

Foto: Salvatore Cavalli / AP

Im Mittelmeerraum leidet neben Griechenland und der Türkei auch Italien stärker unter Waldbränden. Aktuell haben in der süditalienischen Gemeinde Mesoraca die Behörden die Einwohner evakuiert. Die Feuer brannten dicht an Wohnhäusern der kleinen Gemeinde, wie auf einem Video der Feuerwehr zu sehen ist.

Dicker Rauch zog über dem Ort auf. Ein Löschflugzeug warf Wasser über den Bränden ab. Mesoraca liegt in der Region Kalabrien zwischen der Hauptstadt Catanzaro und Crotone. Wie viele Menschen in Sicherheit gebracht wurden, teilte die Feuerwehr zunächst nicht mit.

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Insgesamt meldete die Feuerwehr mehr als 100 Einsätze in Kalabrien. Auch auf Sizilien und in Apulien rückten die Helfer Dutzende Male aus, um Waldbrände zu löschen. Seit dem 15. Juni verzeichnete die Feuerwehr nach eigenen Angaben rund 46.500 Waldbrandeinsätze – knapp 20.000 mehr als im selben Vorjahreszeitraum. Aus dem Hubschrauber filmten die Einsatzkräfte völlig verqualmte und verkohlte Landstriche in den Apenninen in Kalabrien und dem Madonie-Gebirge auf Sizilien.

Schätze der Artenvielfalt in Gefahr

In der vom kalabrischen Mesoraca etwas mehr als 70 Kilometer südwestlich gelegenen Gemeinde Tiriolo rückten die Flammen nach Feuerwehr-Angaben auf das Stadtzentrum zu. In Kalabrien bedrohen die Waldbrände zudem Teile des Nationalparks Aspromonte am Ende der italienischen Stiefelspitze. Alle verfügbaren Einsatzkräfte seien vor Ort, um die Flammen zu bekämpfen.

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Unter anderem in Zomaro im Nationalpark wurden weitere Feuer gemeldet. Die Flammen seien bis auf einen Kilometer vor einen der wichtigsten Schätze der Artenvielfalt im Park vorgerückt, teilte der Präsident des Parco Nazionale Aspromonte, Leo Autelitano, am Dienstagnachmittag mit. Die anderen Feuer in dem Park breiteten sich weiter aus oder flammten wieder auf. »Wir brauchen dringend Flugzeuge an allen Fronten, sonst wird der ganze Park in einer beispiellosen Katastrophe verbrannt sein«, sagte Autelitano.

»Immer noch den Angriffen von Brandstiftern ausgesetzt«

Der Park ist wegen seiner Landschaft und Lage unter den Global Geoparks der Unesco gelistet. Auf einem Video war zu sehen, wie dichter Rauch an einem bewaldeten Hang aufstieg und sich Flammen durch die Vegetation fraßen. Die Feuerwehr meldete, in der Gegend um San Luca im Westen des Parks mit zwei Löschflugzeugen im Einsatz zu sein. Dort bargen die Rettungskräfte Ende der vergangenen Woche zwei Tote nach einem Brand auf einem Bauernhof.

Einige Feuer, die derzeit in Italien wüten, wurden von Brandstiftern gelegt. Erst zu Wochenbeginn wurde auf Sizilien ein mutmaßlicher Täter gefasst. »Leider sind wir immer noch den Angriffen von Brandstiftern ausgesetzt«, sagte nun Kalabriens Regionalpräsident Nino Spirlì . Er forderte, die Strafen dafür entschieden zu verschärfen. Andernfalls werde diese »kriminelle Wut« noch weiter andauern. In vielen Teilen Italiens herrscht zudem extreme Hitze und Trockenheit, die die Flammen weiter anfachen.

Italiens Regierung sucht unterdessen Wege, um die Regionen zukünftig besser auf Naturkatastrophen vorzubereiten. »Natürlich müssen diese Hilfen gefunden werden, wir können die Gegenden nicht einfach so verkommen lassen«, sagte Stefano Patuanelli am Rande seines Besuchs auf Sardinien, das ebenfalls von den Bränden betroffen ist. Die Gegenden müssten gegen Brände oder Überschwemmungen widerstandsfähiger werden.

Vor Ort sagte der 47 Jahre alte Politiker der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung, er habe keine Worte für das, was er gesehen habe. Die Menschen seien von einer beispiellosen Feuerfront betroffen gewesen. In der Provinz Oristano wüteten seit Ende Juli immer wieder Brände und richteten große Schäden in der Landwirtschaft und in Touristengegenden an. Am Mittwoch will Patuanelli das ebenfalls schwer betroffene Sizilien besuchen.

apr/dpa
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