Millionenspaß Russischer Oligarch plant Mega-Party auf Sardinien

Sting soll singen, das Meer leuchten, die Champagnerkorken knallen: Ein ominöser russischer Geschäftsmann will offenbar noch diese Woche auf Sardinien eine extravagante Geburtstagsparty steigen lassen. Doch wer ist der Mann, der 1,5 Millionen Euro für vier Stunden Luxus-Spaß bezahlt?

Corbis

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Russen lieben Italien. Die Kunst, die Literatur, die leckeren "Schpagjeti". Weil sehr reiche Russen sich in ihrer Freizeit gern in milliardärsinternen Wettstreits um die längste, luxuriöseste, teuerste Yacht des Erdballs ergehen, mögen sie vor allem Sardinien. Der hiesige Anlegeplatz Porto Cervo gehört mit Liegegebühren um die 2500 Euro pro Tag zu den teuersten Häfen der Welt - da sind öffentlichkeitsscheue Oligarchen besonders gut vor dem Mob geschützt.

Dieses Vorteils mag sich der russische Superreiche, dessen Identität noch nicht bestätigt worden ist, bewusst gewesen sein, der gerade eine Party auf Sardinien plant. Für ein paar Freunde, am 18. August, am Strand von Capriccioli, dort wo einst das Lokal Billionaire Rubacuori (Milliardär Herzensdieb) von Formel-1-Manager Flavio Briatore stand. Etwa 200 Gäste seien zu der Geburtstagsparty geladen, berichtete die Lokalzeitung "Unione Sarda". Wer genau sich dort feiern lasse, wurde geflissentlich verschwiegen.

Von 20 Uhr bis Mitternacht soll gerockt werden - dafür hat der unbekannte Gastgeber sich ordentlich ins Zeug gelegt: Von der Gemeinde Arzachena mietete er den begehrten Strandabschnitt - für gerade mal 30.000 Euro. Peanuts angesichts der Gage für Sänger Sting, der sich seinen Auftritt angeblich mit 400.000 Euro vergüten lässt. Dabei muss er noch nicht einmal eine strapaziöse Anfahrt in Kauf nehmen - der Künstler soll sich bereits in Sardinien aufhalten und habe für Ferragosto, den Feiertag am 15. August, gleich noch ein zweites Privatengagement in petto, hieß es. Stings Management äußerte sich bisher nicht zu den Mutmaßungen um die profitable Musikeinlage.

Insgesamt soll das Event mit 1,5 Millionen Euro zu Buche schlagen. Dafür gibt es das volle Oligarchen-Freizeit-Programm: Traumstand mit extrafeinem Sand, kristallklares Meer, Springbrunnen, Langusten, Kaviar, Champagner und was die Begüterten sonst noch so brauchen, um gut drauf zu sein. Veranstalter ist Imaginez, eine auf solche Ereignisse spezialisierte Firma in Cannes - und die hat für Sicherheit gesorgt: Insgesamt 120 Bodyguards sollen die Reichen und Mächtigen schützen. Telefonisch war Imaginez für eine Bestätigung der Berichte zunächst nicht erreichbar.

Gespannt beobachten die Sarden schon jetzt die Ankunft der ersten Gäste, die mit ihren Luxusyachten in Porto Cervo vor Anker gingen. Viele Einheimische verfolgen das dekadente Treiben gleichwohl mit Argwohn. Man befolge lediglich die Anweisungen von Italiens Ministerpräsident Mario Monti in Zeiten der Krise, scherzte der Bürgermeister von Arzachena, Alberto Ragnedda: "Er fordert die Gemeinden auf, ihr Vermögen gewinnbringend zu nutzen." Um genervten Nachbarn und Touristen angesichts des Prominentenansturms schon im Vorfeld den Wind aus den Segeln zu nehmen, hat die Kommune eine Vereinbarung aufgesetzt, laut der sämtliche Umweltschutzauflagen unter Strafandrohung strikt respektiert werden müssen.

Der italienische Sportmanager Flavio Briatore hatte am Strand von Capriccioli einst seinen Club Billionaire Rubacuori installiert - und richtig Ärger mit wütenden VIP-Anwohnern bekommen. Die Einweihungsparty endete in einer Prügelei. Briatore soll gerade mal 90.000 Euro Pacht für die ganze Saison gezahlt haben. Der Russe jedoch habe keine Sekunde lang um den um ein vielfaches höheren Preis gefeilscht, hieß es. Als ob das nötig wäre - sind doch die Oligarchen aus dem überteuerten Moskau ganz andere Preise gewöhnt.

Wer ist der ominöse Oligarch?

Einige italienische Zeitungen, darunter der seriöse Mailänder "Corriere della Sera", berichten, bei dem Geburtstagskind handele es sich um den russischen Magnaten David Kaplan. Wenig ist bekannt über den 44-jährigen Unternehmer. Jahrelang soll er in Litauen gelebt und dort die Bank Snoras geleitet haben, schreibt das Internetportal Finansmag.ru. Heute gehört er zwar nicht zum engsten Kreis der großen Oligarchen wie Oleg Deripaska, Roman Abramowitsch oder Alischer Usmanow. Er soll aber über gute Verbindungen zu Regierungskreisen in Moskau verfügen.

Kaplan ist Verwaltungsratsvorsitzender der russischen Firma Intex, die unter anderem den Zuschlag für den Bau des Kasaner Fußballstadions für 45.000 Besucher bekam. Intex gehört zur Unternehmensgruppe Summa Group des Dagestaner Geschäftsmanns Sijawudin Magomedow, die in den Bereichen Bau, Logistik, Gasförderung und Telekommunikation tätig ist. Mitte der 2000er Jahre zog die Summa Group einen dicken Fisch an Land: Sie durfte das renommierte Moskauer Bolschoi-Theater sanieren - ein Prestige-Projekt, das nur mit dem Segen der Mächtigen im Kreml vergeben werden konnte. Auftragsvolumen: knapp eine Milliarde Euro.

Dem "Corriere della Sera" zufolge besitzt Kaplan eine Villa in Monte Tundu, unweit des Veranstaltungsorts im Nordosten der Insel. Ganz wie der italienische Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der in der Nachbarschaft einst freizügige Partys in seiner "Villa Certosa" feierte, soll auch Kaplan ein Fan schöner Frauen sein. Zu den Gerüchten um seine aufwendigen Geburtstagsvorbereitungen äußerte er sich nicht.

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