Französisch-italienische Grenzregion Zwei Tote bei schweren Unwettern

Regen und Sturm haben in den Regionen Piemont und Côte d'Azur schwere Schäden verursacht. Entwarnung gibt es bei vier Deutschen, die als vermisst galten.
Hohe Wellen brechen an der Küste bei Nizza

Hohe Wellen brechen an der Küste bei Nizza

Foto: Serge Haouzi / dpa

Überflutete Dörfer, weggerissene Häuser, gesperrte Straßen: Schwere Unwettern haben im französisch-italienischen Grenzgebiet Chaos verursacht. Auf der italienischen Seite kamen zwei Menschen ums Leben: Ein freiwilliger Feuerwehrmann aus der Gemeinde Arnad im Aostatal starb bei einer Rettungsaktion durch einen umgestürzten Baum, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtet. Im Piemont geriet ein Mann in der Nacht im Auto in die Wassermassen des Flusses Sesia - er wurde weggespült.

Die Unwetter ereigneten sich im Hinterland der französischen Côte d'Azur und in der italienischen Region Piemont. Viele Straßen der Region mit tief eingeschnittenen Gebirgstälern waren nicht mehr passierbar. Dörfer waren von der Außenwelt abgeschnitten. Tausende Haushalte waren ohne Strom. Am Flughafen Nizza laufe der Flugbetrieb aber wieder normal, teilte der Airport via Twitter mit.

Vermisste Deutsche inzwischen gefunden - ein Mann weiterhin vermisst

Bisher galten 22 Menschen als vermisst, worüber auch SPIEGEL.de berichtet hatte. Wie die Nachrichtenagentur AFP eine Sprecherin des italienischen Zivilschutzes zitiert, sind nun 21 von ihnen gefunden worden. Die Vermissten hätten sich in der Nähe des Tenda-Passes auf der französischen Seite der Grenze aufgehalten. Unter ihnen seien auch die vier vermissten Deutschen - Großeltern mit ihren beiden Enkelkindern. Sie würden nun mit Hubschraubern ins italienische Limone gebracht.

Damit wurde in Italien noch ein Mann vermisst, dessen Fahrzeug von Wassermassen fortgerissen wurde.

Frankreichs Premierminister Jean Castex besuchte am selben Tag das Krisengebiet. Castex sicherte der Bevölkerung Unterstützung zu; an diesem Mittwoch werde das Kabinett den Katastrophenzustand für die betroffenen Gemeinden ausrufen.

Nizzas Bürgermeister Christian Estrosi sagte, ein Unglück dieses Ausmaßes habe er in der Region noch nie erlebt. Der konservative Politiker kündigte laut Medien an, dass die Armee in der Region eingesetzt werden solle. Etwa 100 Häuser seien in der Region zerstört oder beschädigt worden, so Estrosi.

Unwetter in der Region keine Seltenheit

Unwetter mit schweren Folgen sind in der Region keine Seltenheit. Im Herbst vergangenen Jahres kamen 14 Menschen ums Leben. Die dicht bebaute Côte d'Azur wurde genau vor fünf Jahren von schweren Unwettern getroffen, 20 Menschen starben damals. Nizza und die Côte d'Azur sind insbesondere in den Sommermonaten bei Urlaubern beliebt, auch aus Deutschland. Die Coronakrise beeinträchtigt jedoch seit dem Frühjahr den Tourismus, der für die Region eine wichtige Einnahmequelle ist.

bah/AFP/dpa
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