Schiffsunglück in China Hunderte Opfer werden vermisst

Auf dem größten Fluss Chinas ist ein Schiff mit etwa 460 Menschen gesunken. Helfer konnten erst wenige Menschen retten - und kämpfen mit widrigen Umständen.

REUTERS

Einsatzkräfte in China versuchen, 440 Insassen eines gekenterten Passagierschiffs zu befreien. Bisher konnte lediglich rund ein Dutzend der 458 Menschen an Bord gerettet werden, wie staatliche Medien berichteten. Weitere Überlebende harrten aber offenbar im Rumpf der kieloben liegenden "Stern des Ostens" aus.

Taucher versuchten, zu ihnen vorzudringen. Aus dem Rumpf drangen Klopfzeichen. Ein Mann und eine 65-Jährige konnten Medienberichten zufolge lebend aus dem Wrack gerettet werden. Starker Wind und Regenfälle behinderten die Rettungsarbeiten. Sollten sich die schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten, wäre der Untergang die größte Schiffskatastrophe in China seit fast 70 Jahren.

Polizei nimmt Kapitän in Gewahrsam

Zu den wenigen Geretteten zählten laut Nachrichtenagentur Xinhua auch der Kapitän und der Chefingenieur, die zur Befragung in Polizeigewahrsam genommen wurden. Ihren Angaben zufolge sei das Schiff am Montagabend in einen plötzlich aufgekommenen Wirbelsturm geraten. Binnen zwei Minuten sei das Schiff gesunken, meldete ein staatlicher Radiosender. Ein Notsignal sei nicht abgegeben worden. Sieben Menschen seien ans Ufer geschwommen und hätten die Behörden alarmiert.

Ein Überlebender erzählte Xinhua, er habe sich durch ein Fenster gezwängt, als das Schiff kenterte. Erst im Morgengrauen habe er an einem Ast geklammert das Ufer erreicht. An Bord befanden sich laut der Zeitung "People's Daily" 406 chinesische Touristen, fünf Reiseleiter und 47 Besatzungsmitglieder. Die meisten Passagiere sollen zwischen 50 und 80 Jahre alt sein. Erste Ermittlungen ergaben Xinhua zufolge, dass das Schiff nicht überladen war. Auch hätten sich ausreichend Rettungswesten an Bord befunden.

Der Jangtse ist der längste Fluss Chinas. An der Unglücksstelle soll er etwa 15 Meter tief sein. Die "Stern des Ostens" hat Platz für mehr als 500 Menschen und war auf dem Weg von Nanjing Richtung Südwesten in die Millionenmetropole Chongqing.

Unglücksfälle in diesem Ausmaß sind in der Volksrepublik ungewöhnlich. Im Januar sank ein Schlepper auf dem Jangtse, 22 der 25 Insassen kamen ums Leben. Das bislang schlimmste Schiffssunglück gab es 1948. Damals explodierte ein Dampfer, mehr als tausend Menschen starben.

sms/dpa/Reuters



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