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Überalterung in Japan »Fest der nackten Männer« nach 1000-jähriger Geschichte eingestellt

Beim Somin-sai-Festival versammelten sich dieses Jahr zum letzten Mal Horden von fast nackten Japanern, um einen Hanfsack mit Glücksbringern zu ergattern. Es gibt zu wenig Nachwuchs für das skurrile Volksfest.
Diesen Anblick wird es in den kommenden Jahren nicht mehr geben

Diesen Anblick wird es in den kommenden Jahren nicht mehr geben

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Richard Atrero de Guzman / NurPhoto / Getty Images

Der Bevölkerungsrückgang in Japan macht vor nichts halt: Nun fällt ihm das Somin-sai-Festival zum Opfer. Bei diesem wilden Fest liefern sich Horden von Männern, die alle nichts weiter anhaben als einen Tanga-förmigen Lendenschurz und dünne Socken, nachts bei winterlichen Temperaturen ein heftiges Gerangel.

Sie wollen einen Hanfsack mit Glücksbringern ergattern im Glauben, dass dies vor Unheil bewahrt. Das Spektakel im Kokusekiji-Tempel in der nordöstlichen Präfektur Iwate hat eine 1000-jährige Geschichte – doch diese endete nun.

Das Heiligtum habe beschlossen, das Fest einzustellen, weil die Teilnehmer in die Jahre gekommen seien und es einen Mangel an Nachfolgern gebe, die die Tradition fortführen könnten, berichtete die japanische Zeitung »Asahi Shimbun«. Damit fällt eines der skurrilsten Volksfeste Japans der rasanten Überalterung zum Opfer.

Und so versammelten sich in diesem Jahr ein letztes Mal fast nackte Männer in eisiger Kälte in dem Tempel. Sie reinigten sich zunächst in einem Fluss und gingen dann zu einer Halle des Heiligtums, wo sie für eine gute Ernte und andere Segnungen beteten, bevor sie dann um einen Hanfsack rangelten, der kleine Glücksbringer enthielt, wie die Zeitung berichtete.

Noch gibt es andere Nacktfeste

Das Somin-sai-Festival war eines der drei wichtigsten »Hadaka Matsuri«, Feste der nackten Männer, in dem Inselreich. Dazu gehört auch das Saidaiji Eyo im Tempel Saidaiji Kannonin in der 700 Kilometer von Tokio entfernten Präfektur Okayama. Auch dort rangeln nachts bei winterlichen Temperaturen 10.000 Männer in Lendenschurz und dünnen Socken, um zwei Holzstäbe zu ergattern, die ihrem Glauben nach ein Jahr lang Glück bringen sollen.

Im vergangenen Jahr war in Japan die Zahl der Hundertjährigen auf ein Rekordniveau gestiegen: 92.139 Menschen im Alter von 100 oder mehr Jahren zählte das Land im Jahr 2023. Seit nunmehr 53 Jahren steigt die Zahl jedes Jahr. Angesichts niedriger Geburtenraten und kaum vorhandener Einwanderung altert das ostasiatische Land so schnell wie keine andere Industrienation.

svs/dpa