Thronbesteigung Naruhitos Kaiser über Nacht

Japan hat einen neuen Tenno: Zu seiner Amtseinführung hat Japans neuer Kaiser Naruhito Krummjuwelen und ein Schwert überreicht bekommen. In der kurzen Zeremonie hielt er auch die erste Ansprache an sein Volk.

JIJI PRESS/ POOL/ EPA-EFE/ REX

Eine neue Ära bricht im Land der aufgehenden Sonne an: Japans neuer Kaiser Naruhito hat den Chrysanthementhron bestiegen. Bei einer kurzen feierlichen Zeremonie im Palast verkündete der 59-Jährige, wie er sein Amt in Zukunft ausführen möchte.

Er werde im Einklang mit der Verfassung seine Verantwortung als Symbol des Staates und der Einheit des Volkes erfüllen. Er werde immer an der Seite seines Volkes stehen. "Ich bete aufrichtig für das Glück der Menschen und die weitere Entwicklung der Nation wie auch des Friedens der Welt", sagte Naruhito an der Seite seiner Frau, Kaiserin Masako.

Der 59-Jährige trat die Nachfolge seines Vaters Akihito an, der nach 30-jähriger Regentschaft um Mitternacht formal abgedankt hatte. Er und seine Frau Michiko wünschten sich, dass die neue Ära "Reiwa" ("schöne Harmonie") unter ihrem Sohn Naruhito "stabil und fruchtbar" werde, sagte Akihito in seiner letzten Botschaft.

Üblicherweise bleibt der Tenno, so wird der Kaiser in Japan genannt, bis zu seinem Tod im Amt. Akihito bat jedoch bereits 2016 vor allem aus gesundheitlichen Gründen darum, zurücktreten zu dürfen. Das Parlament erlaubte ihm das im Juni 2017 per Sondergesetz. Akihito ist damit der erste japanische Kaiser seit ungefähr 200 Jahren, der den Thron freiwillig für seinen Nachfolger frei macht.(Lesen Sie hier mehr über die Abdankung und die Amtszeit Akihitos.)

Nun ist Naruhito das Symbol des Staates. Auf diese Rolle ist ein japanischer Monarch laut der pazifistischen Nachkriegsverfassung beschränkt. Zu politischen Fragen darf sich der Kaiser nicht äußern.

Schwert und Krummjuwelen für den neuen Kaiser

Bei einer ersten Einführungszeremonie für Kaiser Naruhito wurden dem neuen Monarchen von Beamten des Haushofamts zwei der Throninsignien überreicht: ein Schwert sowie Krummjuwelen, die das Kaiserhaus von der Sonnengöttin Amaterasu Omikami erhalten hat. Den Mythen nach sind die japanischen Kaiser unmittelbare Nachfahren von Amaterasu Omikami.

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Japan: Kaiser Naruhito besteigt den Thron

Parallel dazu teilte ein sogenannter Hauptritualist im Namen des Kaisers dem Spiegel - der dritten Throninsignie als Vertretung der Gottheit - mit, dass der Kaiser die Insignien entgegennimmt. Anschließend hielt Naruhito bei einer weiteren Zeremonie seine erste Ansprache vor Vertretern des Staates und seiner Kaiserfamilie.

Beide Zeremonien dauerten jeweils lediglich rund zehn Minuten. Japans Nachkriegsverfassung schreibt - nach amerikanischem Vorbild - eine strikte Trennung von Staat und Religion vor. Kritiker beklagen denn auch, dass die meisten Zeremonien zum Kaiserwechsel trotz ihres religiösen Inhalts von der Regierung als staatlich eingestuft werden.

US-Präsident Trump als erster ausländischer Staatsgast

Als erster ausländischer Staatsgast wird US-Präsident Donald Trump Ende dieses Monats den neuen Kaiser treffen. Die USA mit ihrem atomaren Schutzschild sind Japans wichtigster Sicherheitspartner.

Die eigentliche Thronbesteigungszeremonie "Sokuirei Seiden no gi" findet am 22. Oktober statt, zu der auch zahlreiche Würdenträger aus dem In- und Ausland geladen werden. Anschließend werden der neue Kaiser und seine Frau, Kaiserin Masako, bei einer feierlichen Parade in einer offenen Limousine durch Tokio fahren. Es folgen zudem Banketts mit mehr als 2000 geladenen Gästen. Eine dritte Zeremonie, das sogenannte Daijosai, folgt dann am 14. und 15. November. Danach ist Naruhito dann endgültig in die Reihe der Kaiser aufgenommen.

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Kaiser Akihito dankt ab: Ein Leben für den Frieden

Naruhito will sich seinen Vater, der mit vielen alten Traditionen am Hofe brach und dem Volk so nah war wie kein anderer Kaiser vor ihm, zum Vorbild nehmen. Zugleich dürfte er für frischen Wind sorgen. Seine Regentschaft dürfte nach Meinung von Palastbeobachtern anders als die seines Vaters nicht mehr so stark unter dem Eindruck des Zweiten Weltkrieges stehen, von dem Akihito geprägt war. Während seiner 30-jährigen Ärawar Akihito ein überzeugter Verfechter der pazifistischen Nachkriegsverfassung und galt als Gewissen der Nation.

Lesen Sie auch die Analyse des langjährigen SPIEGEL-Korrespondenten Wieland Wagner: "Warum Japans Kaiser sein Amt opfert".

sen/dpa



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spmc-12355639674612 01.05.2019
1. Krummjuwelen und ein Schwert
"Bei einer ersten Einführungszeremonie für Kaiser Naruhito wurden dem neuen Monarchen von Beamten des Haushofamtes zwei der Throninsignien überreicht: ein Schwert sowie Krummjuwelen, die das Kaiserhaus von der Sonnengöttin Amaterasu Omikami erhalten hat." Jetzt hätten wir geneigte Leser uns dafür interessiert, was "Krummjuwelen" sind, wie das Schwert aussieht, was es mit dem ominösen Spiegel auf sich hat und woher das alles wohl ursprünglich stammt. An die Sonnengöttin, von der das Kaiserhaus die Insignien erhalten habe (hier wäre im Artikel eher der Konjunktiv angebracht gewesen), glaubt in der westlichen Welt wahrscheinlich kaum noch jemand. Interessant ist auf jeden Fall, dass der Herrschaftsanspruch auch in Japan auf demselben Gottesgnadentum beruht, auf den sich unsere eigenen Herrscher jahrhundertelang als Legitimierung ihrer Herrschaft beriefen.
rewerb 01.05.2019
2. Ich bin so froh
dass wir in Deutschland keinen solchen Mummenschanz mehr dulden. Warum sich aufgeklärte Bevölkerungen (auch in Europa) damit abfinden, dass manche Personen nur aufgrund ihrer Abstammung vom Staat getragene Privilegien erhalten, wird mir immer ein Rätsel bleiben.
hartmannulrich 01.05.2019
3. Was sind "Krummjuwelen"?
"Krummjuwelen und ein Schwert"? ein Krummschwert kann ich mir vorstellen, Kronjuwelen auch. Aber was sind Krummjuwelen?
spontifexmaximus 01.05.2019
4. @rewerb
Ich gönnen Ihnen Ihre Freude, letztendlich geht es Sie aber nichts an, womit sich aufgeklärte Bevölkerungen anderer Nationen abfinden. Gehen Sie mal nach England und versuchen die Bevölkerung dahingehend zu missionieren, die Abschaffung der Monarchie zu fordern. Sie werden Ihr blaues Wunder erleben.
auweia 01.05.2019
5. Gratulation
Ich frage mich ebenfalls, was "Krumm"-Juwelen sind. Übersehene Autokorrektur des Schreibprogramms? Hinsichtlich des von einem Vorposter so bezeichneten "Mummenschanzes" habe ich eine deutlich andere Position. ich könnte mir durchaus eine konstitutionelle Monarchie für Deutschland vorstellen. Ein Bundespräsident ist wenig generationenverbindend und doch eher langweilig. Etwas mehr "Pomp & Circumstance", bitte.
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