Japan Kaiser Naruhito verkündet seine Regentschaft

Er ist der 126. Kaiser Japans: Naruhito hat den Beginn seiner Amtszeit ausgerufen. Die Zeremonie dauerte 30 Minuten und folgt einer alten Tradition.

Issei Kato/REUTERS

Japans neuer Kaiser Naruhito hat im Beisein von rund 2000 Würdenträgern aus aller Welt seine Inthronisation verkündet. Er versichere, im Einklang mit der Verfassung seine Verantwortung als Symbol des Staates zu erfüllen, sagte der 59 Jahre alte Monarch.

Die Zeremonie "Sokuirei-Seiden-no-gi" (Zeremonie zur Inthronisation des Kaisers) erfolgt gemäß eines uralten Brauches. Naruhito trug eine braun-orange Robe.

Beamte des Haushofamtes legten zwei der kaiserlichen Throninsignien neben dem Thron des Kaisers ab: ein Schwert sowie die sogenannten Krummjuwelen, die das Kaiserhaus der Sage nach von der Sonnengöttin Amaterasu Omikami erhalten hat. Den Mythen zufolge sind Japans Kaiser unmittelbare Nachfahren der Sonnengöttin Amaterasu.

Danach verlas Naruhito von dem sechseinhalb Meter hohen Thron seine Rede. Am Ende rief Japans Regierungschef Shinzo Abe drei Mal "Banzai!" (Lang lebe der Kaiser).

Die Anwesenden stimmten ein. Würdenträger aus mehr als 170 Länder verfolgten die Zeremonie von Räumen und Gängen des Palastes aus auf Bildschirmen. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der britische Kronprinz Charles waren in den Palast in Tokio geladen.

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Zuvor war Naruhito in die heiligen Schreine seines Palastes gepilgert. Bei strömendem Regen suchte er am Dienstagmorgen in einer hellen Robe gekleidet die Schreine "Kashikodokoro", den "Koreiden" und den "Shinden" auf. Bei dieser religiösen Zeremonie teilt der Monarch den Gottheiten mit, dass er am Nachmittag Würdenträgern seine Regentschaft verkünden werde.

Eine ursprünglich im Anschluss geplante Parade des Kaiserpaares in einem offenen Wagen durch die Hauptstadt wurde aus Rücksicht auf die Opfer einer kürzlichen Taifun-Katastrophe auf den 10. November verschoben. In dem Monat folgt noch eine letzte, religiöse Zeremonie, bei der Naruhito seiner Sonnengöttin für den neuen Reis dankt und ihr Reis und Sake anbietet. Danach ist Naruhito endgültig in die Reihe der Kaiser aufgenommen.

Naruhitos Vater Akihito hatte das Amt im April 2019 nach gut 30 Jahren aufgegeben. Üblicherweise bleibt der Tenno, so wird der Kaiser in Japan genannt, bis zu seinem Tod im Amt. Akihito bat jedoch bereits 2016 aus gesundheitlichen Gründen darum, zurücktreten zu dürfen. Das Parlament erlaubte ihm das per Sondergesetz.

jpz/dpa/AFP



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Lopid 22.10.2019
1. Regentschaft
In der Schlagzeile und im Text wird ein falscher Begriff verwendet. Regentschaft ist die stellvertretende Herrschaft in einer Monarchie. Z.B. wenn der Monarch noch minderjährig ist und jemand in der Zwischenzeit die Kontrolle als praktische Kontrolle übernimmt. Nach meinem Verständnis ist aber Kaiser Naruhito nun vollwertiger Kaiser nachdem sein Vater abgedankt ist.
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