Männliche Hostessen in Japan "Die Männer sind wie glitzernde Dinge"

Reiche Japanerinnen beklagen ihre sexlosen Ehen - Zuneigung besorgen sie sich bei männlichen Hostessen. Ein Milliardengeschäft.

AFP

In den Schlafzimmern im Land der aufgehenden Sonne herrscht tote Hose. Zumindest, wenn man einer neuen Studie der Japan Family Planning Association folgt, einer Nichtregierungsorganisation für Familienplanung. Dort gaben laut "Guardian" 47,2 Prozent der verheirateten Männer und Frauen an, ihre Ehe sei "sexlos".

Doch ganz ohne Zuneigung leben wollen und müssen manche Japanerinnen dann doch nicht. Medienberichten zufolge geben immer mehr japanische Frauen zum Teil hohe Summen für einen Abend mit männlichen Hostessen aus - Süßholzgeraspel, Flirten und auch Sex inklusive.

"Mein Herz soll flattern", sagte Aki Nitta der Agentur AFP in einem der vielen Klubs im Tokioter Rotlichtviertel Kabukicho. "Japanische Männer sind nicht sehr aufmerksam und zeigen ihre Gefühle nicht, aber die Hosts behandeln dich wie eine Prinzessin. Ich will verwöhnt werden, und es ist mir egal, wie viel das kostet."

Gebleichtes Haar und Diamantenuhr

Die 27-jährige Geschäftsfrau aus Nagoya gibt pro Monat nach eigenen Angaben beinahe 10.000 Euro aus für Stunden mit einem androgynen jungen Mann mit gebleichtem Haar. In manchen Fällen sollen Summen bis zu 100.000 Euro die Nacht den Besitzer wechseln - für ein wenig Gefälligkeit zurechtgemachter Burschen.

Sex kann, muss aber kein Bestandteil der Vereinbarung sein. Für die 27-jährige Megumi Suzuki gehört er anscheinend aber zum Gesamtpaket. Sie ist Stammgast im Top Dandy Klub. "Ich komme hierher, um Dampf abzulassen", sagt sie. "Die Männer sind wie glitzernde Dinge. Ich könnte jeden Tag hierherkommen und würde ihrer nie müde."

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Japan: Die Schmeichler von Kabukicho

Frustriert vom traditionellen Werben der Geschlechter geben manche Frauen lieber Geld für Dates mit Erfolgsgarantie aus. "Ich bezahle für Zeit, nicht so sehr für Männer", sagt Nitta. "Zeit ist wichtiger für mich, ich will ohne Bedauern leben."

Milliardengeschäft der einsamen Herzen

Die Frauen, die sich wie Nitta Romantik kaufen, sind zwischen Mitte Zwanzig bis in ihre Sechziger. Sie überschütten ihre Liebhaber mit teuren Geschenken: Diamantenuhren, Luxusautos - manchmal sogar Wohnungen.

"Als ich 20 war, hat mir eine Kundin einen Porsche gekauft", sagt der ehemalige Host Sho Takami. Heute ist der 43-Jährige Besitzer einer Kette von Klubs und kommt mit Chauffeur in einem Rolls Royce zur Arbeit.

Die Arbeit sei ein 24-Stunden-Job, sagt Takami. Nach einer durchzechten Nacht stehe oft schon mittags ein Treffen mit der nächsten Kundin an. "Es ist wichtig, dass die Kundin glaubt, dass es eine Chance auf Liebe gibt", sagt Takami. "Schließlich holst du sie so in den Klub und bringst sie zum Geldausgeben." Der Erfolgsdruck auf die Hosts ist groß: Wie die "South China Morning Post" berichtet, zeigen viele Klubs vor ihren Türen riesige Fotos der erfolgreichsten Unterhalter - gestaffelt nach Einnahmen.

Die männlichen Geishas

Etwa 800 sogenannter Host-Klubs gibt es in Japan. Rund 260 von ihnen sind in Tokio ansässig, vor allem im Neondschungel des Rotlichtviertels Kabukicho. Sie tragen Namen wie Romeo, Gatsby oder Avalon.

Das Phänomen des männlichen Unterhalters in seiner modernen Form existiert seit Beginn der Siebzigerjahre. Oftmals werden die "Hosts" auch mit männlichen Geishas verglichen - eine jahrhundertealten Tradition der Unterhaltung.

Laut Takami wurde ein Abend mit einem männlichen Host früher als vulgär empfunden, heute sei die Unterhaltungsform jedoch akzeptiert. "Wir sind hier, um den gesellschaftlichen Fortschritt der Frauen zu unterstützen", sagt er.

cnn/AFP

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