Berühmter Park in Tokio Ticketverkäufer gewährt Zehntausenden Besuchern gratis Einlass - aus Angst

Statt Tickets zu verkaufen, winkte der Mitarbeiter einer Gartenanlage in Tokio mehr als 150.000 Menschen kostenlos am Kassenhäuschen vorbei. Der finanzielle Schaden ist enorm. Der Verantwortliche zeigt sich reuig.
Shinjuku-Gyoen-Garten in Tokio

Shinjuku-Gyoen-Garten in Tokio

Foto: Koji Sasahara/ AP

Umgerechnet 1,60 Euro kostet der Eintritt in den berühmten Shinjuku-Gyoen-Garten im Zentrum von Tokio - eine überschaubare Summe, eigentlich. Wenn allerdings rund 160.000 Menschen das Eintrittsgeld nicht berappen, läppert sich einiges zusammen. Knapp 200.000 Euro, um genau zu sein. Und genau das ist passiert.

Verantwortlich für diese gigantische Einbuße ist ein Ticketverkäufer des Parks. Der über 70-jährige Mann habe jahrelang Zehntausende Menschen einfach durchgewunken statt ihnen Tickets zu verkaufen, berichtet unter anderem die BBC  unter Berufung auf lokale Medien.

Zwei Jahre lang, von 2014 bis 2016, soll das so gelaufen sein - und das alles aus einem durchaus ungewöhnlichen Grund: Der Japaner am Ticketschalter beherrscht kein Englisch - und auch keine andere Sprache außer Japanisch. Um unangenehmen Situationen mit ausländischen Touristen aus dem Weg zu gehen, habe er sie einfach so eingelassen.

Aufgefallen war das merkwürdige Verhalten des Mann den Berichten zufolge erstmals bereits Ende 2016, erst jetzt wurde jedoch der enorme finanzielle Schaden bekannt. Die Ursache liegt offenbar in einer unangenehmen Begegnung mit einem Urlauber vor einigen Jahren, wie der Verkäufer dem Sender SoraNews24 sagte: "Ich spreche keine andere Sprache und bekam Angst, als mich ein Ausländer vor einiger Zeit anbrüllte."

Das für den Park zuständige Umweltministerium zog dem Mann zur Strafe zehn Prozent seines monatlichen Lohns ab, er hat inzwischen zudem gekündigt - und laut BBC offenbar ein schlechtes Gewissen: Er soll angeboten haben, die Hälfte seiner Ruhestandsprämie als Wiedergutmachung abzutreten.

Im Video: Made in Tokio - Kunst, Mode und Musik in der Megacity

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