Jesuitenorden Ex-Bundesministerin Fischer untersucht Missbrauchsfälle

Zur Aufklärung des Missbrauchsskandals hat der Jesuitenorden die frühere Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer eingeschaltet. Einige Betroffene seien unzufrieden mit der bisherigen Beauftragten, hieß es. Nun will Fischer ein zweites Gutachten erstellen.

Ex-Gesundheitsministerin Fischer: "Ich werde ein zweites Gutachten erstellen"
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Ex-Gesundheitsministerin Fischer: "Ich werde ein zweites Gutachten erstellen"


Berlin - Mit dem Canisius-Kolleg in Berlin hat alles begonnen: Der Rektor des von Jesuiten geführten Elitegymnasiums, Pater Klaus Mertes, wendete sich Anfang des Jahres per Brief an potentielle Missbrauchsopfer aus den siebziger und achtziger Jahren. Seitdem haben sich Dutzende frühere Schüler gemeldet. Bis März waren der vom Jesuitenorden beauftragten Anwältin Ursula Raue rund 160 Verdachtsfälle in Einrichtungen des Ordens bekannt.

Nun hat der Jesuitenorden die Grünen-Politikerin und ehemalige Bundesgesundheitsministerin in die Aufklärung des Missbrauchsskandalseingeschaltet. "Ich werde auf Bitten von Betroffenen und des Ordens in den kommenden Wochen ein zweites Gutachten erstellen", sagte Andrea Fischer der "Berliner Morgenpost" vom Freitag.

Nach Kritik von Opfern an Raue sei Fischer gebeten worden, eine "zweite Meinung" zu erarbeiten, hatte Rektor Mertes zuvor gesagt. Die Einschaltung Fischers sei mit Raue abgestimmt und eine vertrauensbildende Maßnahme gegenüber den Betroffenen, die der bisherigen Missbrauchsbeauftragten nicht vertrauten. Fischers Bericht werde im Juni erwartet.

Um schnell Ergebnisse vorlegen zu können, beschränkt sich das neue Gutachten dem Blatt zufolge auf die Taten der beiden Berliner Patres Wolfgang S. und Peter R. Die beiden Geistlichen sollen unter anderem am Berliner Canisius-Kolleg in den siebziger und achtziger Jahren Schüler missbraucht haben.

Betroffene der Jesuitenschulen in Berlin, Hamburg, St. Blasien und Bonn wollen sich einem Bericht des "Tagesspiegels" zufolge am 29. Mai mit dem Provinzial der Jesuiten und früher verantwortlichen Jesuiten austauschen. Anlass sei der Unmut über die fehlenden Fortschritte bei der Aufklärung und die ungenügende Kommunikation zwischen dem Orden und der Missbrauchsbeauftragten. An dem Treffen soll auch Fischer teilnehmen.

siu/ddp/dpa

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