Auswanderer Deutsch in Mexiko

In den vergangen Jahrhunderten verließen viele Deutsche ihre Heimat und zogen in ferne Länder. Fotograf Jörg Müller hat ihre Nachfahren auf fünf Kontinenten aufgespürt.

Jörg Müller/ Agentur Focus

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Eine Gruppe junger Männer in Lederhosen, Wadenwärmern und schwarzen Hüten führen gemeinsam mit Frauen in Dirndln in einem blau-weiß gestreiften Festzelt einen Tanz auf. Die Szenerie erinnert an das Münchner Oktoberfest - und befindet sich doch über 10.000 Kilometer entfernt davon, in der brasilianischen Kleinstadt Pomerode.

Hier haben sich im 19. Jahrhundert pommersche Siedler niedergelassen. Ihre Nachfahren halten die deutsche Kultur immer noch lebendig: indem sie die Sprache sprechen, deutsche Feste feiern, in Schützenvereinen aktiv sind, Nussknacker bauen oder Bier brauen.

Hungersnöte, wirtschaftliche Notsituationen, religiöse Verfolgung oder Kriege - in den vergangenen Jahrhunderten haben viele Deutsche ihre Heimat verlassen und in anderen Ländern Zuflucht gesucht. Der Fotograf Jörg Müller porträtiert deren Nachfahren auf fünf Kontinenten - neben Brasilien auch in Rumänien, Mexiko und Südafrika.

Er zeigt, wie ihr Alltag dort aussieht, welche Rolle die deutsche Kultur im Alltag der Menschen spielt, wie sie deutsche Traditionen pflegen, deutsche Gottesdienste abhalten und in der Schule die Sprache ihrer Vorfahren lernen. Aber auch, welches andere Leben sich viele in der Ferne aufgebaut haben.

Als Müller im Auftrag von National Geographic ein deutsches Dorf in Kirgistan besuchte, war er sehr davon bewegt, wie dort die Nachfahren deutscher Auswanderer trotz der schwierigen Lebensverhältnisse und der weiten Entfernung zu ihrer ursprünglichen Heimat noch ihre deutsche Kultur leben. Bestärkt von vielen positiven Leserrückmeldungen beschloss er, weltweit weitere Orte zu recherchieren. Er stieß auf Litkowka in Russland, Oberwischau in Rumänien, Pomerode in Brasilien, die Mennoniten-Kolonie Manitoba in Mexiko und die Region um Wartburg in Südafrika.

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15  Bilder
Posaunenchöre, Nussknacker und Wurst: Deutsche Kultur im Ausland

Manche der Dörfer und Städte sind relativ bekannt und waren einfach zu entdecken. Von anderen erfuhr Müller nur über persönliche Tipps. Es gebe zwar viele solcher Orte, er suchte jedoch solche, die eine Zukunft und eine positive Strahlkraft haben.

Müller erzählt, er sei durchweg herzlich von den Menschen empfangen worden. Alle ließen sich gern fotografieren, weil sie hofften, dass ihr Ort prominenter werde. Der Fotograf nahm an der Apfelernte einer mennonitischen Gemeinde teil, lernte das weihnachtliche Herodes-Spiel in Oberwischau kennen und wurde zu traditionellen russischen Abendessen eingeladen.

In jedem der Orte verbrachte er insgesamt vier Wochen. Meist war die Verständigung einfach, da zumindest einige der Einwohner Deutsch sprechen. Nicht überall und für alle hat Deutschland jedoch noch eine große Bedeutung, nicht alle haben ein rein positives Bild der Heimat ihrer Vorfahren.

Viele Nachfahren der einstigen Auswanderer haben sich in der Ferne ein neues, gutes Leben aufgebaut. In Wartburg in Südafrika wurden die Nachkommen einstiger Missionare und Arbeiter aus der Lüneburger Heide mit dem Anbau von Zuckerrohr wohlhabend. Auch heute noch ist es die wichtigste Einnahmequelle der deutschen Farmer. Sie feiern noch heute häufig Gottesdienste in deutscher Sprache, die Familien legen großen Wert darauf, dass ihre Kinder Deutsch lernen. In einem Posaunenchor mitzuspielen, gehört zu den bevorzugten Freizeitbeschäftigungen.

Mitten in der mexikanischen Halbwüste, im Bundesstaat Chihuahua, leben Mennoniten, die vor fünf Jahrhunderten aus Deutschland auswanderten. Sie leben dort von ihren Apfelplantagen, betreiben Milchwirtschaft, Vieh- und Pferdezucht. Die Kinder lernen in der Schule Deutsch, einige Familien schicken ihre Kinder zum Schüleraustausch oder zum Studium nach Deutschland.

Mit seinen Bildern will Fotograf Müller an die Auswanderungsbewegungen von früher erinnern, aber auch eine Brücke zur aktuellen Zuwanderungsdebatte schlagen. Er will zeigen - auch Menschen aus Deutschland waren einmal darauf angewiesen, in der Fremde eine neue Heimat zu suchen.

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