Jubel-Arien Kardinal Meisner vergleicht Benedikt mit Jesus

Der Papst-Hype nimmt skurrile Formen an: Kölns Kardinal Meisner verstieg sich zu der Spekulation, wenn Jesus 80 Jahre alt geworden wäre, hätte er ausgesehen wie Benedikt XVI.

Hamburg/Köln - Über die von ihm festgestellte Ähnlichkeit zwischen Benedikt XVI., der morgen 80 wird, und Jesus Christus sagte Kardinal Joachim Meisner: "Ich habe ihm in meiner persönlichen Gratulation geschrieben: Heiliger Vater, wenn Jesus 80 Jahre alt geworden wäre, dann würde er aussehen wie Du. Denn Du lebst in 80-jähriger inniger Gemeinschaft mit dem Herrn." Meisner zitierte aus seinem Gratulationsschreiben in der ARD-Talksendung "Beckmann". Dies teilte die Redaktion der Talk-Show am Sonntag in Hamburg mit; die Sendung wird am Montagabend ausgestrahlt.

Solche jahrzehntelangen Gemeinschaften prägten sich aus bis in das Gesicht hinein, sagte Meisner weiter im Gespräch mit Moderator Reinhold Beckmann. "Man sagt ja auch bei Eheleuten, die sich gut verstehen und jahrelang in Treue zusammenhalten: Die sehen sich ähnlich wie Geschwister", so Meisner.

In seinen Begegnungen habe er Benedikt XVI. stets als eine Persönlichkeit kennen gelernt, "in der man wirklich mit Gott und Christus in Berührung kommt". Meisner: "Ich gehe vom Papst immer ein bisschen besser weg, als ich hingekommen bin."

Meisner zelebrierte heute ein Pontifikalamt in der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale, in der mehrere hundert Gläubige und Gäste aus Anlass des 80. Geburtstags von Papst Benedikt XVI. zusammenkamen. An dem Gottesdienst nahmen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie die Botschafter aus Belgien, Österreich, Guatemala, Mazedonien, Peru, den Philippinen und Togo teil.

In dem Festgottesdienst sagte Meisner, Benedikt XVI. sei der "Mozart unter den Theologen". Seine Theologie sei nicht nur wahr und gut, sondern auch schön. "Seine Worte klingen den Menschen wie Musik in den Ohren und Herzen", fügte Meisner hinzu. Deshalb würden die Pilgerströme zu seinen Audienzen von Monat zu Monat größer.

Zu der Messe hatten der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Erwin Josef Ender, und der Berliner Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky eingeladen. Bei dem Berliner Gottesdienst wurde auch die Messe "Tu es Petrus" von Wolfgang Seifen uraufgeführt. Das Werk ist dem Papst gewidmet. Die Hauptfeierlichkeiten zum Papst-Geburtstag finden in Rom statt.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) bezeichnete in einem Gratulationsschreiben Papst Benedikt XVI. als "eine der wenigen unbestrittenen Autoritäten unserer Zeit". Die Regelmäßigkeit, mit der er in öffentlichen Diskussionen über Grundsatzfragen moderner Gesellschaften als eine schwer zu überhörende und schon gar nicht zu übergehende Instanz zitiert werde, bestätige seinen Rang wie seine persönliche Reputation. "Die weltweite Aufmerksamkeit, die seine Regensburger Vorlesung insbesondere im islamischen Kulturkreis gefunden hat, ist dafür ein auffälliger Beleg."

Der Papst stelle jedem Opportunismus "den zentralen Anspruch der Kirche gegenüber, den Glauben in unsere Zeit zu tragen, nicht den Zeitgeist in den Glauben", erklärte Lammert zudem in Berlin.

"Einfach sind seine Argumente selten, bequem nie." Der Papst fühle sich der europäischen Zivilisation verbunden. Die Bemerkungen von Benedikt XVI. zum Verhältnis von Politik und Moral sowie zu den moralischen Grundlagen eines freiheitlichen Staates nannte Lammert "konservativ im besten Sinne des Wortes".

asc/dpa/ddp

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