Junggesellen in Ägypten Syrerin zum Heiraten gesucht

Tausende Syrerinnen haben sich nach Kairo abgesetzt. Ägyptens Junggesellen sind begeistert. Sie halten die syrischen Frauen für schöner, unkomplizierter und vor allem anspruchsloser als die einheimischen. Doch bei den Syrerinnen stoßen die Männer auf wenig Gegenliebe.

SPIEGEL ONLINE

Aus Kairo berichtet


Mohammed Jahi wäre am liebsten schon verheiratet. Der 31-jährige Ägypter stand schon mehrmals kurz davor, doch dann wurden seine Zukünftige und er sich wieder nicht über die Mitgift einig.

"Familien aus der Mittelklasse erwarten um die 50.000 ägyptische Pfund als Mitgift", sagt er. Das sind rund 5500 Euro. Je nach Familie seien auch mal 7000 oder 8000 Euro fällig. Das ginge für den jungen Arzt noch. "Aber dann erwarten sie auch noch, dass man eine Wohnung besitzt. Wenn man nur eine mietet, kann man es vergessen." Die Frauen pokern hoch. Es geht um ihre finanzielle Absicherung, gerade in den schwierigen Zeiten, die Ägypten gerade durchmacht.

Jahi kann sich eine Wohnung nicht leisten. Da gingen die Preise ab 22.000 Euro los, erzählt er, in einem Land, in dem das Durchschnittseinkommen pro Familie bei unter 200 Euro im Monat liegt. "Und dazu kommen dann noch die Möbel", klagt er.

Die hohen Kosten fürs Heiraten sind schon länger ein Problem in Ägypten. Doch die dramatische Wirtschaftskrise seit der Revolution 2011 hat die Lage weiter verschärft. Viele müssen schauen, wie sie über die Runden kommen. Da bleibt nichts übrig zum Sparen für eine Hochzeit.

Einige ägyptische Junggesellen setzen ihre Hoffnungen nun auf die Syrerinnen, die wegen des Krieges in ihrem Land nach Ägypten kommen auf der Suche nach Sicherheit. Die Männer gehen davon aus, dass die syrischen Frauen anspruchsloser sind. Kriegsflüchtlinge - da müsste die eine oder andere doch auch mit einer Mietwohnung zufrieden sein statt ein Eigenheim mit drei bis vier Zimmern zu fordern. So zumindest stellen sie es sich vor.

Die Syrerinnen gelten als schöner - und billiger

"Für uns Ägypter ist das eine Chance", sagt Jahi. "Die Syrerinnen sind schöner als die Ägypterinnen, kochen besser und haben mehr Respekt vor ihrem Ehemann." Der freundliche junge Mann sieht dies nicht als Problem. Er sagt, er wolle die Situation der jungen Frauen nicht ausnutzen. Er würde einer Syrerin eine ebenso hohe Mitgift zahlen wie einer Ägypterin. Nur würde das junge Paar das gemeinsame Leben eben in einer Mietwohnung beginnen statt im Eigenheim.

Frauen, die aus Krisengebieten fliehen müssen, sind besonders gefährdet. Sie werden häufig Opfer von sexueller Gewalt, Ausbeutung und Zwangsheiraten. In Jordanien wurden bereits Einzelfälle dokumentiert, in denen syrische Familien ihre Töchter mit Golfarabern vermählen ließen, weil sie sich so eine bessere Zukunft für sie versprachen.

Ähnlich dramatisch ist die Lage der Syrer in Ägypten noch nicht. Sie sind keine Flüchtlinge, die alles verloren haben. Ägypten ist kein Nachbarland Syriens. Die Menschen mussten sich ein Flugticket dorthin kaufen. Es sind meist ganze Familien, die dort eintreffen. Sie sehen das Land als vorübergehendes Exil auf der Suche nach Sicherheit für sich und ihre Angehörigen.

Mit ihrem Ersparten und kleinen Jobs halten sich die Syrer in Ägypten über Wasser - noch. Unterstützung bekommen sie durch Spenden von Moscheen und islamischen Vereinen. Keine Statistik erfasst, wie viele Syrer sich nach Ägypten abgesetzt haben seit dem Ausbruch der Gewalt in ihrem Land. Die ägyptische Regierung schätzt, dass es bereits rund 140.000 sind.

Hundert Ägypter pro Woche fragten nach syrischen Frauen

In Kairo kursieren Gerüchte darüber, dass die Moscheen, die sich um die Syrer kümmern, angeblich Hochzeiten mit Ägyptern vermitteln, gewissermaßen als Win-win-Situation: Die Männer finden eine Frau, die Frauen eine sichere Zukunft. Vor allem die Al-Hosari-Moschee wird dabei als Verkuppler-Zentrum genannt. Doch die Gerüchte erweisen sich schnell als haltlos.

Vor der Al-Hosari-Moschee hängt ein Plakat der örtlichen Gemeinde: "Wir haben nichts mit Hochzeiten zwischen unseren syrischen Schwestern und Ägyptern zu tun."

Scheich Nasser, Prediger in der Al-Hosari -Moschee, erklärt: "Bevor wir das Plakat aufgehängt hatten, hatten wir hier jede Woche über hundert Ägypter, die nach Syrerinnen fragten." Die meisten seien ärmere Leute gewesen. "Die sehen die Syrien-Krise für sich als Chance, endlich heiraten zu können", sagt der islamische Gelehrte.

Mit dem Plakat seien es jetzt nur noch ein Dutzend Anfragen pro Woche. Auch habe die Moschee eine Kampagne in den ägyptischen Medien gestartet, um die Ägypter darüber aufzuklären, dass die Syrerinnen nicht an Hochzeiten interessiert seien und die Moscheen keine Ehen vermitteln.

"Je schlechter die Situation in Syrien, desto besser für uns"

Fast jeder vor dem Gebetshaus ist Syrer und kam in den letzten Monaten nach Ägypten. In einem Stand vor der Moschee verkauft Mustafa aus Homs mit acht syrischen Angestellten selbstgemachtes Eis in selbstgebackenen Waffeln. Das Geschäft läuft gut. Daneben verteilt Mohammed aus Damaskus Flyer für ein Restaurant, das Ende der Woche öffnen soll - "echte syrische Küche".

"Wir wollen keine Ägypter heiraten", sagen zwei junge Syrerinnen, die nicht namentlich genannt werden wollen. Das seien Rüpel. "Wenn wir heiraten, dann Syrer", sagen die beiden. Dutzende junge Syrerinnen kommen vor der Moschee vorbei. Keine einzige ist auf der Suche nach einem ägyptischen Mann.

Scheich Nasser weiß bisher von keinem einzigen Fall, in dem eine der syrischen Neuankömmlinge einen Ägypter heiratete. Er hält wenig von solchen Ehen. "Da sind die Probleme programmiert", sagt er. Schließlich wollten die Frauen so bald wie möglich zurück in ihr Land.

Mohammed Jahi, der Arzt auf Brautsuche, hat bisher auch kein Glück gehabt mit den Syrerinnen. Er hat bei religiösen Organisationen angefragt, die den Syrern helfen, ob sie ihn nicht verkuppeln könnten. Doch die sagten ihm, dass die Frauen kein Interesse hätten. Aufgeben will Jahi jedoch nicht.

"Je schlechter die Situation in Syrien, desto besser für uns", sagt Jahi. Er glaubt, dass seine Chancen nur steigen können. "Noch hoffen die Syrerinnen, dass sie in ihr Land zurückkehren können. Wenn sie diese Hoffnung verlieren, dann müssen sie sich hier einen Mann suchen."

insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
sir 07.06.2013
1. Begriffsunschärfe
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINETausende Syrerinnen haben sich nach Kairo abgesetzt. Ägyptens Junggesellen sind begeistert. Sie halten die syrischen Frauen für schöner, unkomplizierter und vor allem anspruchsloser als die einheimischen. Doch bei den Syrerinnen stoßen die Männer auf wenig Gegenliebe. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/junggesellen-in-aegypten-wollen-syrerinnen-heiraten-a-903010.html
Eine Mitgift ist, wie der Name schon sagt, eine Mitgabe. Ein Ehemann kann seiner zukünftigen Gattin also keine Mitgift zahlen, sondern seine oder ihre Eltern dem Kind oder zukünftigen Partner. Der Autor meint wohl entweder eine Widerlage oder eine Morgengabe, je nach Zeitpunkt der Übergabe.
spiegel-vorhalter 07.06.2013
2.
"...und haben mehr Respekt vor ihrem Ehemann." dürfte ein wichtiger Grund sein.
Indigo76 07.06.2013
3.
Zitat von sirEine Mitgift ist, wie der Name schon sagt, eine Mitgabe. Ein Ehemann kann seiner zukünftigen Gattin also keine Mitgift zahlen, sondern seine oder ihre Eltern dem Kind oder zukünftigen Partner. Der Autor meint wohl entweder eine Widerlage oder eine Morgengabe, je nach Zeitpunkt der Übergabe.
Warum benutzen sie Begriffe aus dem Mittelalter, die heute fast niemand mehr kennt und erst recht nicht benutzt? Ich habe da einen Begriff, der ebenso zutreffend ist, den aber jeder kennt: Kaufpreis Was im Artikel so nett als Kuppelei dargestellt wird, ist nichts anderes als das Ausnutzen persönlicher Not zur Herstellung eines Abhängigkeitsverhältnisses. Auch dafür existiert ein sehr treffender und allen bekannter Begriff: Sklaverei.
gr89 07.06.2013
4.
"In Jordanien wurden bereits Einzelfälle dokumentiert, in denen syrische Familien ihre Töchter mit Golfarabern vermählen ließen, weil sie sich so eine bessere Zukunft für sie versprachen. " Dann zahlt sich die Investition der Golfdiktaturen in den Bürgerkrieg ja bereits aus, zumindest für die dortige Männerwelt.
Guy-Fawkes 07.06.2013
5. Mitgift vs Sozialhilfe
Zitat von Indigo76Warum benutzen sie Begriffe aus dem Mittelalter, die heute fast niemand mehr kennt und erst recht nicht benutzt? Ich habe da einen Begriff, der ebenso zutreffend ist, den aber jeder kennt: Kaufpreis Was im Artikel so nett als Kuppelei dargestellt wird, ist nichts anderes als das Ausnutzen persönlicher Not zur Herstellung eines Abhängigkeitsverhältnisses. Auch dafür existiert ein sehr treffender und allen bekannter Begriff: Sklaverei.
Das Missverständnis kommt dadurch zustande, daß Sie sich kein Leben ausserhalb des Sozialstaates vorstellen können. Die Zahlung an die Frau ist kein Kaufpreis sondern die Verhinderung der finanziellen Abhängigkeit der Frau im Falle der Scheidung. Hierzulande ist es etwas anders: Der Sozialstaat schafft Anreize für Scheidungen indem insbesondere den Frauen der Unterschicht suggeriert wird: Du brauchst nur auszuziehen, wir zahlen alles, für immer. Je mehr Kinder Du mitnimmst, desto größer die Wohnung, die Du bekommst.
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