Käßmann im SPIEGEL "Ich habe meine Promillezahl zuerst aus der Zeitung erfahren"

Bleiben oder gehen? Ex-Bischöfin Margot Käßmann spricht erstmals ausführlich über die aufgewühlte Zeit nach ihrer Alkoholfahrt. Im großen SPIEGEL-Gespräch berichtet sie über die Trauer nach dem Rücktritt vom EKD-Vorsitz - und erinnert sich daran, wie sie später das Lachen wieder lernte.
Käßmann (bei Predigt im Mai): "Das Erste ist eine Schocksituation, die zu bewältigen ist"

Käßmann (bei Predigt im Mai): "Das Erste ist eine Schocksituation, die zu bewältigen ist"

Foto: Jens Schulze/ dpa

Hamburg - "Da kann Ihnen niemand helfen." Die Entscheidung, ihr Amt niederzulegen, habe sie letztlich allein gefällt, so Käßmann im SPIEGEL: Allerdings habe sie sich zuvor mit ihrer jüngsten Tochter Esther beraten. Vier Tage nach dem eigentlichen Vorfall und einen Tag, nachdem er publik geworden war, hätten die beiden morgens um 6 Uhr gemeinsam in der Küche gestanden. Käßmann habe ihrer Tochter mitgeteilt, dass sie daran zweifle, ihr Amt je wieder mit derselben Autorität ausüben zu können, und sie deswegen erwäge zurückzutreten. Ihre Tochter habe geantwortet: "'Für mich ist das okay. Ich habe nur noch ein Jahr bis zum Abi.'"

Käßmann kritisiert im SPIEGEL, dass ihr Verkehrsdelikt in dieser Form überhaupt öffentlich geworden ist. Ein solcher Vorgang unterliege dem Datenschutz, und eine Person dürfe ohnehin nicht im Zusammenhang mit einer Promillezahl genannt werden. "Ich habe meine Promillezahl zuerst aus der Zeitung erfahren", so Käßmann.

Die Zeit nach ihrem Rücktritt habe sie erlebt wie einen "Trauerprozess". "Das Erste ist eine Schocksituation, die zu bewältigen ist. Danach fangen die Trauer und das Abschiednehmen an." Ein bisschen habe sie sich danach gefühlt wie in einem Monopoly-Spiel: "'Gehe zurück auf Los!'"

Mittlerweile kann Käßmann, die am 24. Februar von ihren Ämtern als EKD-Ratsvorsitzende und Landesbischöfin zurückgetreten war, die Geschichte jedoch auch ein bisschen mit Humor nehmen: Einen Fotografen, der ihr jeden Morgen auflauerte, habe sie eines Tages gebeten, doch gleich auch ihren Hund Gassi zu führen. Der habe daraufhin geantwortet: "Ja, Frau Käßmann, ich bin zwar ein Paparazzo, aber ein ganz lieber." Da habe sie erstmals über die Angelegenheit ein wenig lachen können.

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