Kalifornien West Hollywood beschließt Pelz-Verbot

Als vermutlich erste Stadt in den Vereinigten Staaten hat West Hollywood beschlossen, den Verkauf von Pelzkleidung zu verbieten. Industrie und Handelskammer sind verärgert, Tierschützer feiern die Entscheidung als historisch.

Model mit Pelz auf der Mailänder Modewoche
REUTERS

Model mit Pelz auf der Mailänder Modewoche


West Hollywood - Film-Diven im Hermelin? Wohlhabende Mütter im Persianer auf dem Spielplatz? Geht es nach den Verantwortlichen in der kleinen Gemeinde West Hollywood, sollen solche Bilder der Vergangenheit angehören. Am Dienstag wurde hier der Handel mit Pelzwaren schlicht verboten. Man habe eine entsprechende Verordnung auf den Weg gebracht, sagte Gemeinderätin Michelle Rex.

Der nur fünf Mitglieder umfassende Stadtrat hatte sich - nach einer stundenlangen Debatte - mit drei zu einer Stimme für ein solches Verbot ausgesprochen. Es gab eine Enthaltung.

Das Gesetz betrifft den Verkauf von Kleidung, die aus Haut oder Pelz von Tieren mit Haaren oder Fell hergestellt wurde. Explizit erwähnt werden Pelze wie Fuchs, Nerz, Kaninchen, Bär, Seehund oder Chinchilla. Ausgenommen sind Textilien aus Schafwolle sowie Möbel und Lederwaren. Auch Vintage-Klamotte mit Pelz sei von der Maßnahme ausgenommen, hieß es. Das Gesetz soll 2013 in Kraft treten. Mögliche Strafen bei Verstößen wurden noch nicht festgelegt.

Die örtliche Handelskammer sowie die Pelzindustrie hatten sich gegen die Maßnahme ausgesprochen. Ausgerechnet deren Interessenvertretung, der "Fur Information Council of America", ist in West Hollywood beheimatet. "Ich bin verärgert. Das ist Politik der schlimmsten Sorte", beschwerte sich der Geschäftsführer der Organisation, Keith Kaplan. Immerhin führten die Hälfte der etwa 200 Bekleidungsgeschäfte in der Stadt auch Pelzwaren, der Umsatz betrage geschätzte zwei Millionen Dollar im Jahr.

"Wir haben Geschichte geschrieben", freute sich hingegen Ed Buck, ein Aktivist der Gruppe "Pelzfreies West Hollywood". "Wir sind die erste Stadt in der Welt oder zumindest in unserem Land, die den Schritt gewagt hat, Pelze zu verbannen."

West Hollywood hat bereits in der Vergangenheit besonders tierfreundliche Gesetze erlassen. Haustiere werden dort offiziell als "Gefährten" anerkannt, ihre Halter werden als "Hüter" bezeichnet.

ala/dapd



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