Kinder wurden Familien entrissen und misshandelt Papst Franziskus bittet Kanadas Ureinwohner um Vergebung

Rund 150.000 Kinder von Ureinwohnern wurden seit 1874 von ihren Familien getrennt. In kirchlichen Internaten kamen viele ums Leben. Der Papst ist nun als Büßer nach Edmonton gereist.
Papst Franziskus: »Projekte der kulturellen Zerstörung«

Papst Franziskus: »Projekte der kulturellen Zerstörung«

Foto: IMAGO/Vatican Media Press Office Hando / IMAGO/ZUMA Wire

Papst Franziskus hat bei seinem Besuch in Kanada die Ureinwohner des Landes um Entschuldigung für das ihnen durch Kirchenvertreter zugefügte Unrecht gebeten.

Er bitte um Vergebung für »das Böse, das so viele Christen indigenen Menschen angetan haben«, sagte der Papst bei einem Besuch in Maskwacis, einem kleinen Ort nahe der westkanadischen Stadt Edmonton in der Provinz Alberta. Das katholische Kirchenoberhaupt bedauerte die Mitwirkung der Kirche an der »kulturellen Zerstörung« der indigenen Gesellschaften.

Er äußerte Bestürzung über die Art und Weise, »in der viele Mitglieder der Kirche und von religiösen Gemeinschaften, nicht zuletzt durch Gleichgültigkeit, an Projekten der kulturellen Zerstörung und erzwungenen Assimilierung mitwirkten«. Er empfinde Schmerz und Reue, sagte der 85-Jährige.

Papst Franziskus verlässt mit Indigenen den Ort Maskwacis: Bitte um Vergebung

Papst Franziskus verlässt mit Indigenen den Ort Maskwacis: Bitte um Vergebung

Foto: Gregorio Borgia / dpa

150.000 Kinder ihren Familien entrissen

Der Papst traf in Maskwacis, rund hundert Kilometer südlich von Edmonton, Vertreter der indigenen Bevölkerung, die sich seit Langem auf den Besuch des katholischen Kirchenoberhauptes vorbereitet hatten. Dabei waren Vertreter der First Nations, Inuit und Métis anwesend. In Maskwacis befand sich von 1895 bis 1975 das Internat von Ermineskin, eines der größten Internate des Landes.

In Kanada waren seit 1874 rund 150.000 Kinder von Ureinwohnern ihren Familien entrissen und in von der Kirche geführte Internate gesteckt worden, um sie so zur Anpassung an die weiße Mehrheitsgesellschaft zu zwingen . Viele von ihnen wurden dort misshandelt oder sexuell missbraucht, Tausende starben an Krankheiten oder Unterernährung.

Die Fälle erlangten international großes Aufsehen, als Experten vor etwas mehr als einem Jahr in der Nähe eines Internats anonyme Gräber von toten Kindern entdeckten .

Indigene besuchten Papst

Papst Franziskus hatte vor seinem Abflug nach Kanada angekündigt, als Büßer zu kommen. Auf dem Flug nach Edmonton sagte er, man müsse auf dieser Reise »aufmerksam« sein. Auf dem Weg vom Flughafen waren vereinzelt Menschen am Straßenrand, die auf den vorbeifahrenden Papst warteten. An einer Brücke hing aber auch ein Banner mit der Aufschrift »No to apology« (»Nein zu einer Entschuldigung«).

Vertreter der indigenen Gruppen hatten Papst Franziskus Ende März im Vatikan besucht, wo der Pontifex bereits für die Taten der Kirche um Entschuldigung gebeten hatte.

ptz/AFP/dpa
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