Kanadas Westen Tausende müssen wegen Überschwemmungen ihre Häuser verlassen

Viele ließen fast ihren kompletten Besitz zurück: Eine Sturzflut aus Wasser und Eis hat den Nordwesten Kanadas schwer getroffen. Aus der Stadt Hay River wurden rund 4000 Menschen in Sicherheit gebracht.
Überflutete Straße im nördlichen Kanada am 4. Mai (Symbolbild)

Überflutete Straße im nördlichen Kanada am 4. Mai (Symbolbild)

Foto: David Lipnowski / ZUMA Press / IMAGO

Hay River liegt am Great Slave Lake im Nordwesten Kanadas. Hier fließen zahlreiche Arme des Hay River in den See. Nachdem Eis diese jedoch verstopft hatte und starke Niederschläge die Flüsse zusätzlich anschwellen ließen, haben nun Flutwellen die Stadt erfasst.

Alle 4000 Einwohner wurden zur Evakuierung aufgefordert und in Sicherheit gebracht, das Hochwasser erreichte das Stadtzentrum. Ein Stammesführer der im Überflutungsgebiet ansässigen indigenen Katl'odeeche First Nation ordnete ebenfalls an, die gesamte Gemeinschaft in Richtung der Stadt Enterprise zu evakuieren.

Die Stadt Yellowknife eröffnete ein Zentrum für Menschen, die Hay River verließen. In Fort Providence half eine Tankstelle den Menschen durch die Nacht. Andere wollten offenbar in Teile der Provinz Alberta.

Einwohner mit Booten gerettet

Viele Menschen hatten nur wenig Zeit, um sich in Sicherheit zu bringen – und mussten ihre Häuser und fast ihren kompletten Besitz zurücklassen, wie die Regierungschefin der Nordwest-Territorien, Caroline Cochrane, und der Minister für kommunale Angelegenheiten, Shane Thompson, erklärten. Die einzige Straße zum örtlichen Flughafen ist unpassierbar.

Auch andere Teile im Westen Kanadas haben derzeit mit den schlimmsten Überschwemmungen seit Jahrzehnten zu kämpfen. In Hay River war am Mittwoch ein Teil des aufgestauten Eises weggebrochen und schickte einen neuen Wasserschwall in Richtung der Stadt, wie unter anderem der Sender CBC News berichtete . Das Zentrum stand innerhalb von Minuten mehr als einen Meter unter Wasser, einige Einwohner wurden mit Booten aus ihren Häusern gerettet.

Bereits am Wochenende hatten die Fluten die indigene Siedlung Paddle Prairie Mtis getroffen. Am Sonntag sei der Notstand ausgerufen worden, sagte Justin Gaudet von der Gemeinde. Der Pegel von sechs nahe gelegenen Flüssen habe ein Niveau erreicht, das zuletzt vor mehr als 50 Jahren beobachtet worden sei.

Ein Ende der angespannten Lage ist nicht in Sicht. Hydrologe Shawne Kokelj hatte diese Woche gesagt, dass die Schneeschmelze weiterhin viele der kleineren Bäche anschwellen lassen könne.

apr/AP