Münchner Erzbischof Kardinal Marx spricht sich für homosexuelle Priester aus

Homosexualität im Priesteramt ist nach wie vor ein Tabu. Erzbischof Reinhard Marx hat sich jetzt gegen diese Auffassung positioniert: Er gehe davon aus, dass alle Priester keusch lebten.
Kardinal Reinhard Marx: Homosexualität ist »keine Einschränkung«, Priester zu werden

Kardinal Reinhard Marx: Homosexualität ist »keine Einschränkung«, Priester zu werden

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Für Kardinal Reinhard Marx steht Homosexualität nicht im Widerspruch mit der Ausführung eines Priesteramts. Niemand sei gezwungen, seine sexuelle Neigung öffentlich zu machen, sagte der 68-Jährige. »Aber wenn er es tut, dann ist das zu respektieren, und dann ist das keine Einschränkung seiner Möglichkeit, etwa ein Priester zu werden«, sagte der Erzbischof von München und Freising. »Das ist meine Position, und dafür muss man eintreten.«

Eine Weihe als Bischof könne unabhängig der sexuellen Orientierung durchführt werden, so Marx. »Ob jemand homosexuell orientiert ist oder heterosexuell orientiert, ich gehe davon aus, dass er dann eine keusche Lebensweise führt.«

Kardinal Marx räumte ein, dass Pastoralmitarbeiterinnen und -mitarbeiter ihre gleichgeschlechtlichen Partnerschaften nur schwierig ausleben können – versprach aber Veränderung. »Wir müssen Wege gehen und gehen sie auch im Erzbistum.« Wenn die Kirche gleichgeschlechtliche Partnerschaften bei Gläubigen als verbindliche Beziehung anerkenne, müsse das »irgendwie für alle gelten« – also auch für kirchliche Angestellte.

Vor wenigen Tagen hatten sich 125 Mitarbeiter der katholischen Kirche geoutet. In der Aktion berichteten auch homosexuelle Kirchenmitarbeiter: Aus Angst vor Kündigung hätten sie weit weg von ihren Arbeitsplätzen gewohnt, ihre Beziehung versteckt – und sogar in der Rente noch heimlich geheiratet.

Die katholische Kirche hadert nach wie vor mit dem Thema Homosexualität. Im vergangenen Jahr hatte der Vatikan die Segnung gleichgeschlechtlicher Beziehungen verboten. Danach protestierten 200 Theologieprofessoren gegen das Verbot. Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck sprach sich in einem Brief an alle Pfarreien im Bistum Essen für eine »ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität« durch die katholische Kirche aus.

sah/dpa