Kassel Tote 87-Jährige lag eineinhalb Jahre in Wohnung

Etwa 18 Monate hat die Leiche einer Rentnerin unbemerkt in deren Wohnung gelegen. Weder der Geruch noch die sich stapelnde Post weckten den Verdacht der Nachbarn.


Wegen eines Wasserschadens öffnete ein Schlüsseldienst Ende November eine Wohnung in Lohfelden bei Kassel. Im Schlafzimmer wurde kurz darauf eine skelettierte Frauenleiche entdeckt.

Erste Ermittlungen legen nahe, dass die Frau im Sommer 2014 in dem Bett gestorben ist. Die endgültige Identifizierung der Toten wird sich laut Polizei aber bis ins neue Jahr ziehen. Die Ermittler halten es allerdings für wahrscheinlich, dass es sich bei der Leiche um die 87-jährige Mieterin der Wohnung in dem Mehrfamilienhaus handelt. Hinweise auf ein Verbrechen gibt es laut Staatsanwaltschaft nicht.

Dass der Tod etwa eineinhalb Jahre unbemerkt blieb, sei ein "tragischer und extremer Fall", sagte ein Polizeisprecher. "Solche Fälle gibt es hin und wieder, aber 15 bis 18 Monate sind schon eine sehr lange Zeit."

Der Fund war erst am Dienstagabend bekannt geworden. Im Haus hatte niemand etwas bemerkt. Der Polizeisprecher sagte, der Geruch hätte eigentlich wochenlang im Haus bemerkbar sein müssen. Es habe sich anscheinend aber niemand daran gestört. Die Post der Frau sei auf einem Sims im Treppenhaus "schön säuberlich" gestapelt worden: "Sie hat zwar nicht viel Post bekommen, aber der Stapel war etwa 20 Zentimeter hoch." Auch dies hätte auffallen müssen.

Einem Bericht der "HNA" zufolge wurde die Miete per Dauerauftrag vom Konto der Frau abgebucht und durch die Renteneingänge gedeckt.

ala/dpa



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