100. Katholikentag in Leipzig "Wohin sind wir eigentlich gekommen?"

Ein Glaubensfest "zum Anfassen" und eine Papstbotschaft auf Deutsch: In Leipzig hat der 100. Katholikentag begonnen. Auch ein Ex-Bundespräsident kam zur Eröffnungsfeier - und attackierte Pegida.
Marktplatz in Leipzig

Marktplatz in Leipzig

Foto: Hendrik Schmidt/ dpa

Gleich zu Beginn des 100. Katholikentags in Leipzig gab es eine Premiere: Erstmals sendete ein Papst zu diesem Anlass eine Videobotschaft auf Deutsch. Sie wurde auf dem Marktplatz auf einer Videowand gezeigt. Franziskus rief zu einem friedlichen Miteinander, Solidarität mit Alten, Kranken und Flüchtlingen sowie zu größerem Umweltbewusstsein auf.

Tausende Gläubige kamen zur Eröffnungsfeier, bei der auch Bundespräsident Joachim Gauck sprach. Der ehemalige evangelische Pfarrer würdigte das Wirken der Kirchen in Deutschland. Gesellschaft und Staat seien dankbar für den selbstlosen Einsatz vieler katholischer und evangelischer Christen für das Gemeinwesen, sagte er. "In der Aufnahme und Hilfe für die Flüchtlinge ist das in den vergangenen Monaten wieder einmal sehr deutlich geworden." Gauck betonte auch die Bedeutung der Religionsfreiheit. Als Grundrecht unterliege sie besonderem staatlichen Schutz.

Osten Deutschlands eine der am meisten kirchenfernen Regionen

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, kündigte einen "Katholikentag zum Anfassen" an. Unter dem Motto "Seht, da ist der Mensch" seien "Begegnungsmöglichkeiten zwischen Gläubigen, Nichtgläubigen, religiös Unberührten, Skeptikern und Atheisten" geplant.

Er erinnerte daran, dass der Osten Deutschlands eine der am meisten säkularisierten - also kirchenfernen - Regionen Europas sei. Um so wichtiger sei es für Katholiken, "werbend, freundlich und gewinnend" aufzutreten. Vom Katholikentag solle ein Zeichen der Offenheit und Toleranz ausgehen. "Leipzig wird ein besonderer Katholikentag werden", meinte Sternberg, der nochmals die Entscheidung verteidigte, keine AfD-Politiker zu den Diskussionsveranstaltungen einzuladen.

In Leipzig leben nur wenige Christen: Lediglich 4,3 Prozent der rund 570.000 Einwohner der sächsischen Stadt sind katholisch, etwa 10 Prozent evangelisch.

Wulff attackiert Pegida

Auch Ex-Bundespräsident Christian Wulff erschien zur Eröffnungsfeier. Er attackierte in seiner Rede die fremden- und islamfeindliche Pegida-Bewegung und deren Ableger. "Wohin sind wir eigentlich gekommen?", fragte er. "Es gibt wirklich Menschen in diesem Lande, die für sich der Meinung sind, das christliche Abendland zu verteidigen, aber die Bibel überhaupt nicht kennen. Und es gibt Menschen, die montags die freiheitlich-demokratische Grundordnung verteidigen, aber niemals da hineingeschaut haben können." Montag ist der Aufmarschtag von Pegida in Dresden.

Die Initiative Wir sind Kirche erwartet vom Katholikentag Impulse für innerkirchliche Reformen. So müssten Frauen mehr Einflussmöglichkeiten bekommen bis hin zum Diakonat der Frau, sagte Sprecher Christian Weisner.

Bis Sonntag stehen rund 1000 Veranstaltungen auf dem Programm, darunter Gottesdienste, Diskussionsrunden zu gesellschaftlichen Themen, Workshops und Konzerte. Verkauft wurden mehr als 32.000 Dauerkarten, zusätzlich rechnet das ZdK als Veranstalter mit tausenden Tagesbesuchern.

Katholikentage finden in der Regel alle zwei Jahre in einer anderen Stadt statt - im Wechsel mit dem deutschen evangelischen Kirchentag. Die Katholische Kirche zählt in Deutschland 23,9 Millionen Mitglieder (Ende 2014), das entspricht etwa 30 Prozent der Bevölkerung. Der evangelischen Kirche gehören 22,6 Millionen Menschen an.

kry/dpa
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