Katholikentag Missbrauchsopfer beklagen "Gesprächsblockade"

Die Opfer sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche fordern eine wirksame Aufarbeitung der Skandale. Beim Katholikentag in Regensburg wird deutlich: Es gibt zwar Fortschritte, aber auch den Wunsch nach weiterer Veränderung.
Bischof Ackermann: "Wir sind weitergekommen seit 2010 - sowohl was Aufklärung als auch was Prävention betrifft"

Bischof Ackermann: "Wir sind weitergekommen seit 2010 - sowohl was Aufklärung als auch was Prävention betrifft"

Foto: Armin Weigel/ dpa

Regensburg - Opfer sexuellen Missbrauchs haben der katholischen Kirche mangelnde Gesprächsbereitschaft vorgeworfen. Nötig sei ein Dialog auch der Bischöfe mit den Betroffenen, sagte Matthias Katsch von der Initiative "Eckiger Tisch" bei einer Podiumsdiskussion auf dem Katholikentag in Regensburg.

Vor vier Jahren war der tausendfache sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in der katholischen Kirche bekanntgeworden. Trotz Fortschritten etwa bei der Prävention neige die Institution Kirche weiter dazu, "erst einmal zu schauen: Was bedeutet das für uns?", kritisierte Katsch. "Erst im zweiten oder dritten Schritt wird auf das Opfer geschaut."

Die Bischöfe und Ordensoberen in Deutschland müssten "endlich aktiv" auf die Betroffenen zugehen und die andauernde "Gesprächsblockade" beenden, heißt es in einer Erklärung der Initiative. Die Bischöfe sollten sich ein Beispiel an Papst Franziskus nehmen, der sexuellen Missbrauch jüngst als "schwarze Messe" gebrandmarkt und Opfer eingeladen hatte.

Triers Bischof Stephan Ackermann verwies auf Fortschritte bei der Aufarbeitung des Skandals. "Wir sind weitergekommen seit 2010 - sowohl was Aufklärung als auch was Prävention betrifft", sagte der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz.

Der Jesuitenpater Klaus Mertes sagte, immerhin sei heute die "Sprachlosigkeit" überwunden, das sei schon ein Fortschritt. Mertes hatte 2010 Missbrauchsfälle am Berliner Canisius-Kolleg publik gemacht und damit eine Welle von Enthüllungen in ganz Deutschland ausgelöst, die die katholische Kirche in eine tiefe Krise stürzten.

Der Wunsch nach Veränderungen in der Kirche sei auf dem Katholikentag bereits vielfach deutlich geworden, sagte der Sprecher der reformkatholischen Bewegung "Wir sind Kirche", Christian Weisner. "Das muss aber noch sichtbarer werden." Die von Papst Franziskus verbreitete Aufbruchstimmung sei noch nicht überall angekommen. Der Katholikentag dauert noch bis Sonntag, es werden bis zu 80.000 Besucher erwartet.

wit/dpa
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