Ex-Papst Benedikt XVI. kritisiert "ungeistliche Bürokratie" in der deutschen Kirche

Zu viele Mitarbeiter, ausufernde Bürokratie, wenig Dynamik: Benedikt XVI. hat die katholische Kirche in Deutschland hart angegangen. Mit Blick auf die eigene Amtszeit gab er sich aber auch selbstkritisch.

Papst Benedikt (im Februar 2013)
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Papst Benedikt (im Februar 2013)


Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat die katholische Kirche in Deutschland kritisiert. Wegen der hohen Zahl bezahlter Kirchenmitarbeiter gebe es zu viel "ungeistliche Bürokratie" und zu wenig "Dynamik des Glaubens", sagte der frühere Papst dem Journalisten Peter Seewald im Interviewband "Letzte Gespräche".

"In Deutschland haben wir diesen etablierten und hochbezahlten Katholizismus, vielfach mit angestellten Katholiken, die dann der Kirche in einer Gewerkschaftsmentalität gegenübertreten", sagte der 89-jährige Geistliche demnach. Außerdem bescheinigt er der Kirche laut "Süddeutscher Zeitung" in seinem Heimatland eine "Theoretisierung des Glaubens" und "Mangel an einer lebendigen Dynamik".

"Entscheidung für den Zölibat fiel ihm nicht leicht"

Demnach bestätigte der 2013 aus Altersgründen zurückgetretene Papst auch Gerüchte über eine homosexuelle Seilschaft im Vatikan. Eine solche habe es während seines Pontifikats gegeben, und er habe sie zerschlagen lassen. "Ob sich wieder was bildet, weiß ich nicht", fügte Benedikt hinzu.

Zu den Skandalen um pädophile Priester und korrupte Machenschaften im Vatikan sagte Benedikt, es sei ihm nicht gelungen, die Kirche so vom Schmutz zu reinigen, wie er es sich gewünscht habe. Immerhin habe er jedoch Hunderte pädophile Priester entlassen.

Buchautor Seewald hatte sich am Mittwoch bereits über die frühen Jahre des Ex-Papstes geäußert. Der junge Joseph Ratzinger sei unglücklich verliebt gewesen, und seine Verliebtheit habe ihm zu schaffen gemacht. "Er ist wirklich ein sehr smarter Typ gewesen, ein hübscher junger Mann, ein Schöngeist, der Gedichte schreibt und Hermann Hesse liest", so Seewald: "Die Entscheidung für den Zölibat ist ihm nicht leichtgefallen."

mxw/dpa



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klyton68 08.09.2016
1. ..., die dann der Kirche mit einer Gewerkschaftsmentalität gegenüberstehen
Meine Damen und Herren Angestellten der Katholischen Kirche, ein bischen mehr Demut und Zurückhaltung bitte. Sie befinden sich in einem straff geführten hierarchischen Unternehmen. Verzicht ist eine Tugend. Und auch an der Dynamik sollte gearbeit werden. Obwohl sich mir das nicht erschließt bei einem Marketing, welches auf einem Dogma fußt und über 2000 Jahre alt ist. Aber das müssen die Mitglieder ja selbst wissen. Soll jeder nach seiner Facon selig werden.
hsc71@gmx.de 08.09.2016
2. Er lebt noch...
Dafür das er emeritiert ist gibt er in der letzten Zeit aber ziemlich viele Interviews. Warum es in Deutschland so viele hochbezahlte Katholiken gibt liegt doch auf der Hand. Die r.k. Kirche ist in Deutschland ein Multi Milliarden Unternehmen und da gibt's es natürlich auch entsprechend bezahlte Manager und Verwaltungsangestellte. Die Kirchliche Zusatzversorgungskasse / Betriebsrente hat z.B. ein Volumen von mehreren Milliarden Euro und muss Gewinne erwirtschaften um Betriebsrenten auszahlen zu können.
antagonii 08.09.2016
3.
Ein unerwartetes Licht am dunklen Horizont. Danke für die Festigkeit im Glauben im Namen aller.
kilminster 08.09.2016
4.
Wenn die Kirche als Arbeitgeber nicht so menschenrechtsverletzende Ideen hätte wie z. B: geschiedenen Ärzten in Kliniken (also Mitarbeitern, die zu 0,00% in der Verkündigung tätig sind) zu kündigen, dann müsste man sich diesem Arbeitgeber gegenüber auch nicht wie ein Gewerkschafter verhalten. Und wenn Herr Ratzinger, der unter seinem Vorgänger als Chef der Glaubenskongregation noch aktiv an der Vertuschung des Kindesmissbrauches und an der Schonung der Täter mitgewirkt hat, sich über die unzulängliche Behandlung dieser Themaitik unter seinem Pontifikat beklagt, dann entbehrt das jedweder Glaubwürdigkeit Gut, dass der Mann abgetreten ist. Der neue Papst ist um Größenordnungen glaubwürdiger und bei ihm ist noch nicht jede Hoffnung auf Verbesserung abhanden gekommen wie in der ersten Sekunde nach dem Amtsantritt von Benedikt XVI.
antagonii 08.09.2016
5.
besonders die Gerechten mussten schon immer unter dem Satan leiden. Doch wer standhaft bleibt und geduldig wie ein lamm die Quälereien der Dämonen erträgt wird durch ein sehendes auge und offene ohren belohnt. beachtet nicht die lügner, denn sie verraten sich früher oder später wenn ihr stark seid und nicht zweifelt.lg
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