Katholische Kirche Bischöfe öffnen Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene

Die deutschen Bischöfe haben Stellung bezogen zu Papst Franziskus' Familienpolitik. Demnach können geschiedene Katholiken in Deutschland trotz erneuter Heirat zur Kommunion zugelassen werden - ab und zu.

Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz bei der Herbstvollversammlung 2016
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Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz bei der Herbstvollversammlung 2016


Die Deutsche Bischofskonferenz zieht Konsequenzen aus dem päpstlichen Schreiben über Familie und Liebe, das im April 2016 erschienen ist. In "Amoris Laetitia" hatte Franziskus seinen Geistlichen mehr seelsorgerische Freiheit im Umgang mit geschiedenen und wiederverheirateten Gläubigen eingeräumt.

"Was die Geschiedenen in neuer Verbindung betrifft, ist es wichtig, sie spüren zu lassen, dass sie Teil der Kirche sind, dass sie 'keineswegs exkommuniziert' sind und nicht so behandelt werden, weil sie immer Teil der kirchlichen Communio sind", heißt es in dem 260 Seiten langen Schreiben. Gleichwohl werden keine konkreten Schritte angemahnt.

Dementsprechend unpräzise klingen die Empfehlungen, die nun in einem siebenseitigen Schreiben der Deutschen Bischofskonferenz formuliert werden. Papst Franziskus habe die Bedeutung der Gewissensentscheidung unterstrichen, teilten die Bischöfe mit. Daher sei in Einzelfällen eine Entscheidung für den Empfang der Eucharistie zu respektieren. Der Prozess der Entscheidungsfindung solle von einem Seelsorger begleitet werden.

Keine Regel, kein Automatismus

Andererseits könne es aber keine generelle Freigabe geben, betonten die Bischöfe: "Nicht alle Gläubigen, deren Ehe zerbrochen ist und die zivil geschieden und wiederverheiratet sind, können ohne Unterscheidung die Sakramente empfangen." Für die Frage nach dem Empfang der Sakramente sehe man weiter "keine allgemeine Regel und keinen Automatismus".

Bisher dürfen Geschiedene nach einer neuen Heirat nicht zur Kommunion gehen, weil sie laut katholischer Lehre in schwerer Sünde leben. Fast ein Jahr lang hatten die deutschen Bischöfe um ein gemeinsames Hirtenwort gerungen, um das Schreiben des Papstes in allen Bistümern einheitlich umzusetzen.

Konservative Bischöfe warnten, eine Freigabe der Sakramente stelle die Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe infrage. Die deutschen Kardinäle Joachim Meisner und Walter Brandmüller stellten sich daher gegen den vom Papst eingeschlagenen Kurs. Zusammen mit zwei weiteren Kardinälen aus Italien und den USA forderten sie Franziskus im vergangenen Herbst zu einer Klärung angeblich mehrdeutiger Passagen auf.

Annullieren statt liberalisieren

Die Bischofskonferenz setzt nun auf Formales und empfiehlt, zunächst eine mögliche Annullierung der ersten Ehe zu prüfen. Diese ist möglich, wenn eine Ehe unter falschen Voraussetzungen geschlossen wurde. Sie kündigte außerdem an, die Angebote zur Ehevorbereitung verbessern zu wollen. Auch die Seelsorge für Eheleute müsse verstärkt werden.

Der Generalsekretär der Weltbischofssynode hatte sich Mitte Januar zufrieden gezeigt mit der Rezeption des päpstlichen Schreibens zu Ehe und Familie. Das Dokument entwickele sich zu einem hervorragenden Instrument für die seelsorgerische Erneuerung, die sich die Synodenteilnehmer und der Papst gewünscht hätten, sagte Kardinal Lorenzo Baldisseri der vatikanischen Zeitung "Osservatore Romano".

Diverse Bischofskonferenzen hätten bereits konkrete Richtlinien zur Anwendung des Schreibens erlassen. Diese beträfen insbesondere auch den Umgang mit Personen, deren Lebensweise nicht der kirchlichen Lehre entspreche.

ala/dpa

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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
ackergold 01.02.2017
1.
Luther zieht in der katholischen Kirche ein. Dass man das noch erlebt.
BettyB. 01.02.2017
2. Nun ja...
Wieder ein guter Grund auszutreten...
own_brain_user 01.02.2017
3. Voooorsicht...
Gorbatschow wollte auch nur ein bisschen reformieren. Das ist für totalitäre Systeme wie die Büchse der Pandora. Meisner und Konsorten wissen das. Aber wenn das Kartenhaus zusammenfällt: Schade wär's nicht. Darauf einen ... !
h.h 01.02.2017
4. Es liegt doch im eigenen Ermessen
Im Prinzip kann doch jeder, der möchte zur Kommunion gehen. Ich würde noch nie gefragt wer ich bin, ob ich Protestant, Katholik, geschieden oder sonst etwas bin. Und der die Kommunion austeilende, kennt mich nicht.
yvowald@freenet.de 02.02.2017
5. Sind Sie überhaupt würdig?
Warum treten wiederverheiratete Geschiedene, die bisher der katholischen Kirche angehört haben, nicht einfach aus dieser Kirche aus? Sie wurden bisher doch rigoros "in die Ecke gestellt" und ignoriert. Warum ließen sich Viele dies überhaupt antun? Jetzt müssen diese Katholikinnen und Katholiken, die in zweiter Ehe leben, einen Bußgang zum nächsten Pfarrer antreten, der darüber befindet, ob diese "Gläubigen" áuch "würdig" sind. Eine Farce!
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