Katholische Kirche Diese Bistümer wollen ihr Vermögen offenlegen

Die katholische Kirche in Deutschland gibt sich transparent: Nach SPIEGEL-Informationen wollen 15 Bistümer demnächst ihre Finanzen veröffentlichen - und damit dem Beispiel Kölns folgen.

Aachener Dom: Katholische Transparenzoffensive
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Aachener Dom: Katholische Transparenzoffensive


Hamburg - Nach der Transparenzoffensive des Erzbistums Köln, das am Mittwoch erstmals sein Milliardenvermögen offenlegte, wollen 15 weitere deutsche Diözesen nachziehen. Das ergab eine SPIEGEL-Umfrage bei den 26 übrigen Erzbistümern und Bistümern.

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Heft 9/2015
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Demnach wollen Aachen, Dresden, Erfurt, Görlitz, Hamburg, Freiburg, Fulda, Magdeburg und Paderborn noch in diesem Jahr Zahlen vorlegen. 2016 wollen dann München und Passau folgen, Eichstätt 2017. In Rottenburg-Stuttgart brauche "die Bewertung der Immobilien noch Zeit", ebenso in Münster. Auch Regensburg kündigte an, die Vermögensverhältnisse zu publizieren - sobald eine Umstellung des Bilanzierungssystems abgeschlossen sei.

Andere Diözesen publizieren ihre Vermögen bereits mehr oder weniger detailliert – darunter Augsburg, Bamberg, Berlin, Essen, Hildesheim, Limburg, Mainz und Trier. In Limburg sollte so nach der Finanzaffäre um den früheren Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst verlorenes Vertrauen zurückgewonnen werden. Papst Franziskus hatte Tebartz-van Elst Ende März 2014 unter anderem wegen der Kostenexplosion beim Bau des neuen Amtssitzes in Limburg abberufen.

Besonders transparent zeigen sich die Diözesen Osnabrück und Speyer: Sie schlüsseln ihren Besitz getrennt nach Bistum, Bischöflichem Stuhl, Domkapitel und Versorgungskassen auf. Für 2013 kam Speyer auf eine Gesamtsumme von rund 445 Millionen Euro, Osnabrück auf etwa 287 Millionen Euro.

Auch Würzburg publizierte bereits Angaben zu Vermögenswerten der Diözese, des Bischöflichen Stuhls und weiterer Rechtsträger. Die Diözese gab jedoch an, dass eine Bezifferung des gesamten kirchlichen Vermögens im Bistum nicht möglich sei, da in dessen über tausendjähriger Geschichte an die 2000 eigenständige Rechtsträger - darunter knapp 900 Kirchenstiftungen - entstanden seien.

Als der SPIEGEL 2010 schon einmal nach den Vermögenswerten fragte, verweigerten 25 von 27 Diözesen die Auskunft.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes fehlten die Angaben der Diözesen Erfurt und Regensburg. Diese wurden ergänzt. Die Angaben der Diözese Würzburg wurden präzisiert.

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insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
nic 21.02.2015
1.
Es wird Zeit, dass die Kirche sich ihre Mitgliedsbeiträge selber holt und nicht der Staat. Trennung von Kirche und Staat ist sonst obsolet und das sollte nicht sein. Und auch der Austritt aus einer Kirche sollte damit leichter werden.
hello07 21.02.2015
2. 12,5 Millionen arme Bürger in Deutschland...
...brauchen dringend finanzielle Unterstützung! Es wird Zeit, dass sich die katholische Kirche um ihre Schäfchen kümmert...!
w.moritz 21.02.2015
3. Die kath.Kirche
sind nicht nur die Bischöfe/Kardinäle die sich dem allgemeinen Zeitgeist des Raffens angeschlossen haben. Anstatt Offenlegung wäre es angebracht wieder etwas für die Seelsorge in den Kirchengemeinden zu tun, etwa die Einstellung neuer Priester um die Verweisung der Gemeinden zu stoppen. So betreut ein Priester mehrere Gemeinden, Gottesdienstbesuche sind nur noch alle paar Wochen möglich, Besuche vom Pfarrer z.B wegen Kindtaufe etc. sind wie ein Arztbesuch nur über das Vorzimmer möglich mit Wartezeit und mit möglichst ausgesuchter Höflichkeit. Kirchen werden verschlossen weil der Priester oder Küster aus finanziellen Gründen eingespart wurden und verweisen oder werden zu Disco´s weil der Klerus sich nur noch um sich selbst kümmert und Millionen scheffelt. So geht die Kirche an den Gläubigen vorbei und erreicht nur noch diejenigen, zumeist Alte die sich in den Gremien platziert haben. Wenn alte Damen/Herren den Ministranten geben, dann fehlen Kinder und Jugendliche und somit der Nachwuchs. Ich hoffe diese unsägliche Treiben der Kirchenfürsten hat mit unserem Papst Franziskus ein baldiges Ende und die Priester etc machen wieder das wofür sie eigentlich da sind. Priester ist kein Beruf, Priester sein ist eine Berufung. W.Moritz, Worms
genugistgenug 21.02.2015
4. Ehrliche Offenlegung oder übliche Schönrechnung?
Das ist unglaubwürdig, denn noch vor ein paar Monaten wusste man nicht mal, wie viel Geld man hatte, bzw. behauptete das gar nicht feststellen zu können - unterschiedliche Rechtsformen, Zuständigkeiten, usw. Hier eine Dokumenatation die zufällig wiederholt wurde als die Meldung aus Köln kam - und dabei kam ein Unetrnehmen Domkloster Cologne B.V. in den Niederlanden vor. Ob das auch aufgeführt wurde? Wieso braucht die Katholische Kirche ein Unternehmen in Holland? ---------------------- Die Story im Ersten: Vergelt's Gott Der verborgene Reichtum der katholischen Kirche Bis hin zu den letzten Fragen weiß die Kirche eine Antwort. Nur eine Frage beantwortet sie bislang nicht: Wie reich ist die katholische Kirche in Deutschland? Papst Franziskus hat Bescheidenheit gelobt, und die deutschen Bischöfe haben nach dem Skandal von Limburg mehr Transparenz angekündigt. Von der Filmgesellschaft bis zur Sprudelfabrik..... http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/swr/08092014-story-im-ersten-vergelts-gott-100.html
isegrim der erste 21.02.2015
5. Die Katholische Kirche ist weit mehr ein wirtschaftlich
geführter Großkonzern als eine Religionsgemeinschaft. Das kann man schon allein daran sehen, dass nur noch etwa 10 Prozent der eingetragenen Mitglieder die Kulthandlungen dieser Organisation besucht. Deshalb sollten die Steuerprivilegien und der staatliche Zwangseinzug der Mitgliedbeiträge schnellstens gestrichen werden, alles andere ist eine Ungleichbehandlung anderer religiöser Gruppen und Atheisten.
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