Versprechen mehrerer Bistümer nach Outing-Aktion »Bekenntnis zur Homosexualität hat keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen«

Mit einem Outing machten mehr als 120 Kirchenmitarbeiter auf die prekäre Lage katholischer LGBTIQ+-Personen aufmerksam. Zumindest einige Bistümer reagieren nun nach der ARD-Doku über die Aktion.
ARD-Doku »Wie Gott uns schuf«: Wie reagieren die konservativen Bistümer im Süden?

ARD-Doku »Wie Gott uns schuf«: Wie reagieren die konservativen Bistümer im Süden?

Foto: rbb

Ein transsexueller angehender Religionslehrer, ein schwuler Priester, eine lesbische Ärztin in einem katholischen Krankenhaus – und mehr als 120 weitere LGBTIQ+ innerhalb der Kirche haben sich unter dem Motto #OutInChurch geoutet. Dieser geballte Gang von so vielen nicht heterosexuellen Katholikinnen und Katholiken in die Öffentlichkeit ist in den Ordinariaten der Bistümer vielerorts wohlwollend aufgefasst worden.

»Ein offenes Bekenntnis zur Homosexualität hat im Bistum Speyer keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen«, versprach etwa der Speyerer Generalvikar Andreas Sturm. Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer sagte dies den Beschäftigten in seinem Bistum ebenfalls zu und unterstützt die bundesweite Initiative, die auf den Hammer Pfarrer Bernd Mönkebüscher und den Hamburger Religionspädagogen Jens Ehebrecht-Zumsande zurückgeht.

DER SPIEGEL

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode äußerte sich ebenfalls anerkennend über die Aktion. Die Zeugnisse der Betroffenen, die am Montag in der ARD-Dokumentation »Wie Gott uns schuf« ausgestrahlt wurden, mahnten »eine längst überfällige Debatte an«.

Zugleich erinnerte Bode jedoch daran, dass die Loyalität kirchlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeitsrechtlich immer noch eng an die Lebensform gebunden sei. »In der Ausgestaltung sind Einzelfallregelungen möglich, diese werden in unserem Bistum sensibel und nach Kräften gesucht. Aber Einzelfall-Lösungen schaffen immer auch Unsicherheiten.« Bode hofft, mithilfe des synodalen Wegs für alle Seiten verlässliche Lösungen zu finden.

Auch der Hamburger Erzbischof Stefan Heße zollte den kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Respekt für das Outing – und stellte die katholische Sexualmoral infrage: »Eine Kirche, in der man sich wegen seiner sexuellen Orientierung verstecken muss, kann nach meinem Dafürhalten nicht im Sinne Jesu sein.«

Der Aachener Bischof Helmut Dieser begrüßte die Aktion gar »im Namen der Bischofskonferenz « als ein Zeichen dafür, »dass ein Klima der Angstfreiheit in unserer Kirche herrschen muss und entstehen muss«. Niemand dürfe wegen seiner sexuellen Orientierung oder seiner geschlechtlichen Identität diskriminiert, abgewertet oder kriminalisiert werden.

Inwieweit auch in den konservativeren Bistümern insbesondere in Bayern Offenheit zu Änderungen am kirchlichen Arbeitsrecht besteht, ist dagegen fraglich. Der Würzburger Bischof Franz Jung wies nach der Aktion laut »Main Post « zufolge etwa darauf hin, dass der Zölibat auch für homosexuelle Priester gelte. Laut Bayerischem Rundfunk  halten sich zudem die Bistümer Regensburg und Passau auch auf Anfrage bisher bedeckt.

Zahlreiche Verbände, darunter das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, haben die Forderungen dagegen unterstützt.

apr