Reformverbot Konflikt zwischen Vatikan und deutschen Katholiken spitzt sich zu

Die Fronten sind verhärtet: Der Vatikan hat Reformbemühungen innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland auf harsche Weise abgekanzelt. Die Reaktion darauf fällt ebenfalls deutlich aus.
Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (2021)

Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (2021)

Foto: Arne Dedert / dpa

Die Reformbemühungen der deutschen Katholiken stellen das Verhältnis zum Papst auf eine harte Belastungsprobe. Nachdem der Vatikan der Kirche in Deutschland am Donnerstag weitgehende Reformen im Alleingang verboten hatte, reagierte die deutsche Seite offen irritiert.

»Es zeugt von keinem guten Stil der Kommunikation innerhalb der Kirche, wenn nicht namentlich gezeichnete Erklärungen veröffentlicht werden«, teilten der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, und die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, in einer gemeinsamen Stellungnahme  als Präsidenten des Synodalen Weges mit.

Der Vatikan hatte am Donnerstag klargestellt, dass der Synodale Weg in Deutschland »nicht befugt« sei, neue Formen der Leitung und eine neue Ausrichtung der katholischen Lehre und Moral zu entwickeln. Der 2019 entstandene Synodale Weg strebt unter anderem eine Erneuerung der katholischen Sexualmoral und eine verbesserte Position von Frauen in der Kirche an.

»Synodale Kirche geht nach unserem Verständnis anders!«

Bätzing und Stetter-Karp versicherten: »Wir werden nicht müde zu betonen, dass die Kirche in Deutschland keinen ›deutschen Sonderweg‹ gehen wird.« Sie sähen es jedoch als ihre Pflicht an, klar zu benennen, wo Änderungen notwendig seien. Der Reformprozess Synodaler Weg sei eine Konsequenz aus dem sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Priester.

Bätzing und Stetter-Karp kritisierten, dass eine direkte Kommunikation mit dem Vatikan über den Synodalen Weg bisher kaum möglich gewesen sei, weil man sich in Rom weigere, Laienvertreter vom ZdK zu einem Gespräch zu empfangen. »Dass diese direkte Kommunikation bislang nicht stattfindet, bedauern wir irritiert. Synodale Kirche geht nach unserem Verständnis anders! Das gilt auch für die Art der heutigen Kommunikation, die bei uns Verwunderung auslöst.«

Die katholische Reformbewegung kritisierte den Vatikan ebenfalls. »›Wir sind Kirche‹ weist mit Entschiedenheit die harsche und nicht gerechtfertigte Kritik aus dem Vatikan am Synodalen Weg in Deutschland zurück«, teilte die Bewegung mit . Die ohne Absender verbreitete Erklärung zeige, wie gefährlich die Kommunikationslücke zwischen dem Vatikan und der katholischen Kirche in Deutschland werden könne.

Warnungen, der Reformprozess Synodaler Weg gefährde die Einheit der Weltkirche, seien wenig überzeugend, da ähnliche Prozesse auch in anderen Ländern vorbereitet würden, argumentierte »Wir sind Kirche«. »Eine wirkliche Gefahr für die Einheit und Zukunft der Kirche kommt nicht aus Deutschland, sondern geht von den Kräften in der Kirche aus, die sich grundsätzlich Reformen verweigern. Diese Kreise haben keine Antwort auf die geistliche und sexualisierte Gewalt, die zu einem dramatischen Glaubwürdigkeitsverlust der Kirche geführt hat, und sind nicht bereit, sich mit den systemischen Ursachen zu befassen.«

Kirchenmänner, die sich zuvor bereits skeptisch zu den angestrebten Reformen geäußert hatten, begrüßten hingegen die Klarstellung des Vatikans. »Ich finde es gut, dass der Heilige Stuhl sich zu dieser Erklärung entschlossen hat«, teilte der Augsburger Bischof Bertram Meier mit . Er hatte in der Vergangenheit selbst unter anderem erklärt, dass es keine Perspektive für die Zulassung von Frauen zum Priesteramt gebe. »Der Heilige Stuhl bremst nicht den Synodalen Weg, aber er versucht, ihn zu kanalisieren und von der Weltkirche anreichern zu lassen«, so Meier.

Der oberste Katholik von Bonn, Stadtdechant Wolfgang Picken, teilte mit: »Es war notwendig, dem Synodalen Weg in Deutschland Grenzen aufzuweisen.« Viele Texte, Plädoyers und Voten des Synodalen Wegs lösten sich in der Tat von der geltenden Lehre der Kirche.

wit/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.