Katholiken Zahl der Kirchenaustritte steigt deutlich an

Der katholischen Kirche laufen die Mitglieder davon: Im vergangenen Jahr traten fast 180.000 Menschen aus, deutlich mehr als noch 2012. Grund dafür dürfte vor allem die Finanzaffäre um den abberufenen Limburger Bischof Tebartz-van Elst sein.

Kardinal Marx (März 2014): "Der hohen Austrittszahl müssen wir begegnen"
DPA

Kardinal Marx (März 2014): "Der hohen Austrittszahl müssen wir begegnen"


Bonn/Limburg - Die Affäre rund um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat offenbar mehrere zehntausend Katholiken in Deutschland zum Kirchenaustritt bewogen. 178.805 Mitglieder traten im vergangenen Jahr aus der katholischen Kirche aus - 2012 waren es noch 118.335. Das geht aus der Statistik hervor, die die Deutsche Bischofskonferenz in Bonn veröffentlichte. Damit wurde fast das Rekordniveau von 2010 erreicht, als nach dem Missbrauchsskandal 181.193 Menschen die katholische Kirche verließen.

Die Limburg-Affäre um das Finanzgebaren von Tebartz-van Elst und die Kostenexplosion am neuen Bischofssitz hatte die katholische Kirche in Deutschland in eine neue Krise gestürzt. Das hat sich besonders im Bistum Limburg selbst bemerkbar gemacht: Im vergangenen Jahr stieg dort die Zahl der Katholiken, die ihrer Kirche den Rücken kehrten, um knapp 80 Prozent auf 7980 Menschen an.

Die aktuellen Zahlen seien schmerzlich, sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Das zweite Halbjahr 2013 - in diesem wurde der Finanzskandal bekannt - habe offensichtlich zu einem Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsverlust geführt. Die Kirche fragt allerdings bei Kirchenaustritten nicht nach den Gründen für die Entscheidung.

Knapp 24,2 Millionen Katholiken in Deutschland

"Der hohen Austrittszahl müssen wir begegnen, indem wir immer wieder versuchen, auf allen Ebenen Vertrauen zu schaffen durch gute und überzeugende Arbeit", sagte Marx. Nicht alle der Ausgetretenen verlören den Kontakt zur Kirche. Viele wollten auf ihre Art Christen bleiben. Mit denen müsse das Gespräch gesucht werden.

Der Kirchenstatistik zufolge gab es im vergangenen Jahr noch knapp 24,2 Millionen Katholiken in Deutschland. Ihr Bevölkerungsanteil sank damit von 30,2 Prozent (2012) auf 29,9 Prozent. Rückläufig war auch die Zahl der von katholischen Priestern gespendeten Sakramente: Es gab demnach noch rund 165.000 Taufen, etwa 3000 weniger als im Jahr davor. Die Zahl der Trauungen sank um rund 3400 auf unter 44.000.

Nur wenig verändert ist mit 6980 die Zahl der Wiederaufnahmen in die katholischen Kirche im Vergleich zum Vorjahr (7193). Das gilt auch für die Eintritte. 2013 waren es 3062, im Jahr davor 3083.

In Limburg legte das Bistum unterdessen erstmals sein Vermögen offen. Die Bilanzsumme des Bistums beträgt rund 909 Millionen Euro (mehr dazu lesen Sie hier)

wit/dpa/AFP

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mipez 18.07.2014
1.
Schon einmal an die naheliegenste Theorie gedacht, dass man sich mit der Auslegung der Kirche nicht mehr identifizieren kann? Bei der Katholischen ist das noch am wenigsten verwunderlich.
Frank Zi. 18.07.2014
2.
Ich habe noch nie etwas von unserem Gemeinde Pfarrer gehört. Erst als ich aus der Kirche ausgetreten bin, also als es der katholischen Kirche ans Geld ging, bekam ich Post und einen Anruf vom Pfarramt mit der Bitte um ein persönliches Gespräch. Da wurde mir klar, woher der Wind weht.
Elrond 18.07.2014
3.
Zitat von Frank Zi.Ich habe noch nie etwas von unserem Gemeinde Pfarrer gehört. Erst als ich aus der Kirche ausgetreten bin, also als es der katholischen Kirche ans Geld ging, bekam ich Post und einen Anruf vom Pfarramt mit der Bitte um ein persönliches Gespräch. Da wurde mir klar, woher der Wind weht.
so stelle ich mir das auch vor, wenn ich nächste Woche meinen Austritt erkläre. Der Titel des Forums hier greift etwas zu kurz. Die Story über Herrn van Elst ist ein Mosaiksteinchen von vielen, warum, die Zahl der Kirchenaustritte nicht abreißt. Das ungelöste Thema des Zölibats, der Umgang mit Homosexuellen in der Kirche, der Umgang mit Züchtigung und sexuellem Vergehen an Heranwachsenden... die kath. Kirche hat in meinen Augen jeglichen Respekt verloren. Sie kann in menen Augen gerne abgewickelt werden.
Kiste 18.07.2014
4.
Ich habe diesen Schritt schon vor langer Zeit vollzogen. Das Schöne daran: das Gehalt steigt wesentlich höher als durch irgendeinen Tarifabschluß.
Adelbert.von.Chamisso 18.07.2014
5.
Zitat von sysopDPADer katholischen Kirche laufen die Mitglieder davon: Im vergangenen Jahr traten fast 180.000 Menschen aus, deutlich mehr als noch 2012. Grund dafür dürfte vor allem die Finanzaffäre um den abberufenen Limburger Bischof Tebartz-van Elst sein. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/katholische-kirche-mehr-austritte-nach-skandal-in-limburg-a-981800.html
Weiter so, bis zur vollständigen Säkularisierung. Erst dann ist der Keim der Aufklärung vollständig aufgegangen und wir können uns eine erwachsene, vernünftige, rational agierende Gesellschaft nennen.
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