Missbrauchstäter in der katholischen Kirche Pädophiler Peter H. aus dem Klerikerstand entlassen

Der Fall Peter H. steht beispielhaft für die Fehler der katholischen Kirche im Umgang mit Missbrauchstätern. Weit mehr als 40 Jahre nach den ersten Vorwürfen ist er nun kein Priester mehr.
Essener Dom: H. unterliegt nun keiner kirchlichen Weisungsbefugnis mehr

Essener Dom: H. unterliegt nun keiner kirchlichen Weisungsbefugnis mehr

Foto: IMAGO

Im Jahr 1979 wurden im Bistum Essen erstmals Vorwürfe des Kindesmissbrauchs gegen Peter H. laut. 2022 ist der wegen Missbrauchsfällen im Bistum Essen und im Erzbistum München-Freising beschuldigte und strafrechtlich verurteilte Priester aus dem Klerikerstand entlassen worden. Das teilte bereits am Montag das Bistum Essen mit , in dem der Mann inzwischen wieder lebt.

Die Laisierung erfolgt damit nun durch das Bistum, das nach den ersten Vorwürfen einen vermeintlich bequemeren Weg wählte, um H. loszuwerden: Anstatt ihn anzuzeigen, wurde er angeblich zur Therapie ins Erzbistum München-Freising versetzt. Das Ordinariat in München sei dabei über die Taten informiert worden, so das Bistum Essen Jahrzehnte später.

Dennoch konnte der wegen sexuellen Missbrauchs rechtskräftig verurteilte Priester wohl erneut im Amt Übergriffe begehen. Nach seiner Versetzung in eine andere Gemeinde in Garching an der Alz soll er erneut Jungen missbraucht haben.

H. war in der Amtszeit von Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., aus Nordrhein-Westfalen nach München-Freising geholt worden. Über die genauen Abläufe der Sitzung und darüber, wer was über H.s Vorgeschichte wusste, hatte es zuletzt Diskussionen gegeben. Benedikt war nach Erscheinen eines umfassenden Missbrauchsgutachtens unter Druck geraten, korrigierte sich und gestand eine Falschaussage ein.

Ratzingers Nachfolger Kardinal Friedrich Wetter wiederum teilte mit, wie er selbst später mit dem Fall H. umgegangen sei, erfülle ihn »mit Scham und Trauer«. Er sei dem Schutz der Kinder und Jugendlichen nicht im notwendigen Maß gerecht geworden. Lesen Sie hier die Zeitleiste des Falls Peter H .

Nachdem H. 2020 von Bayern zurück ins Ruhrbistum beordert worden war, ist er nun dort aus dem Klerikerstand ausgeschieden. Im Rahmen eines laufenden kirchenrechtlichen Verfahrens habe der Vatikan H. die Rechtsbelehrung erteilt, dass er angesichts der Vorwürfe selbst die Entlassung aus dem Priesterstand beantragen könne, teilte das Bistum Essen mit. Weil H. von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht habe, sei nun die Laisierung erfolgt.

Den Angaben zufolge hatte der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck den Priester zurückbeordert, um durch eine engmaschige Führungsaufsicht möglichen weiteren Missbrauchstaten vorzubeugen. Seit 2010 war H. die Ausübung der priesterlichen Dienste untersagt. Vor dem Hintergrund der zahlreichen und schwerwiegenden Fälle, für die H. verantwortlich ist, sei die »für Priester als Höchststrafe geltende Entlassung aus dem Priesterstand nachvollziehbar und angemessen«, hieß es.

Zugleich zeigte sich das Bistum auch bekümmert, nun keinerlei Kontrolle mehr über den pädophilen Priester zu haben. Wenn H. nicht mehr zum Klerus gehöre, werde die bisherige Aufsicht nicht auf Dauer weitergeführt werden können. »Das sehe ich nicht ohne Sorge«, schrieb Bischof Overbeck an den Vatikan. Es gelte nun, einen Übergang zu gestalten, so Simon Friede, Interventionsbeauftragter des Ruhrbistums. Das Bistum ist dazu mit H. im Gespräch, H. unterliege allerdings keiner kirchlichen Weisungsbefugnis mehr.

apr
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