Erneuter Brief der Kardinäle an Franziskus "Verwirrung und Orientierungslosigkeit"

Erneut hat eine Gruppe konservativer Kardinäle einen Brief an Papst Franziskus geschrieben. Darin fordern sie den Pontifex auf, klar Stellung zu seinem Schreiben "Amoris Laetitia" zu beziehen.

Papst Franziskus
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Seit Februar 2014 ist Kardinal Joachim Meisner emeritiert. Aber so richtig von seinem Job lassen kann der ehemalige Erzbischof von Köln offenbar nicht.

Zusammen mit den Kardinälen Carlo Caffarra, Walter Brandmüller und Raymond Leo Burke hatte er im September Papst Franziskus aufgefordert, bestimmte Passagen aus dessen Schreiben zu Liebe und Familie, "Amoris Laetitia" genauer zu erklären. Es gebe Zweifel, genau gesagt fünf.

Unter anderem sei unklar, ob wiederverheiratete Geschiedene nun in Ausnahmefällen an der Kommunion teilnehmen könnten oder nicht. Im November ging die Gruppe mit ihren Zweifeln an die Öffentlichkeit, was für großen Unmut im Vatikan sorgte.

Der ehemalige Erzbischof von Köln, Kardinal Joachim Meisner
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Der ehemalige Erzbischof von Köln, Kardinal Joachim Meisner

Weil der Pontifex seitdem eine Antwort schuldig blieb, haben sich die Kardinäle, allesamt katholische Hardliner, nun erneut zu Wort gemeldet. Die italienische Zeitschrift "L'Espresso" veröffentlichte einen weiteren Brief, in dem die Geistlichen um eine Audienz bitten, um die aus ihrer Sicht mehrdeutigen Passagen zu klären.

Die Pfarrer befänden sich in einer "Situation der Verwirrung und Orientierungslosigkeit", heißt es darin. Katholische Gemeinden seien teilweise in Auflösung begriffen. Die Unsicherheiten führten dazu, dass "das, was in Polen Sünde ist, in Deutschland gut ist".

Die Deutsche Bischofskonferenz etwa hatte Anfang des Jahres entschieden, dass Katholiken in Deutschland nach einer Scheidung und erneuten Heirat nicht mehr grundsätzlich von der Kommunion ausgeschlossen sind. Damit zogen die Bischöfe eine vorsichtige Konsequenz aus dem päpstlichen Schreiben.

Sie seien getrieben von einem tiefen Gefühl der Verantwortung, der Verpflichtung eines Kardinals als Ratgeber des Papstes, hieß es in dem neuerlichen Schreiben. Franziskus soll den am 25. April verfassten Brief am 6. Mai erhalten haben, berichten italienische Medien. Eine Antwort gab es bislang nicht.

Ebenfalls am Dienstag wurde bekannt, dass der vatikanische Wirtschaftsprüfer Libero Milone sein Amt niedergelegt hat. Der 68-Jährige war 2015 damit beauftragt worden, nach zahlreichen Skandalen die Bilanzen des Vatikan zu prüfen und für mehr Transparenz bei dessen Finanzgebaren zu sorgen. Milone soll selbst beim Papst um seine Entlassung gebeten haben. Die Gründe sind nicht bekannt. Man scheide in "in gegenseitigem Einvernehmen", hieß es.

ala/dpa



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