Katholische Kirche Papst Franziskus ernennt neue Kardinäle

Mit der Ernennung von 13 neuen Kardinälen hat Papst Franziskus die Zahl seiner Unterstützer im Kollegium weiter erhöht. Noch nie waren so viele Länder vertreten.

Papst Franziskus bei der Ernennung der neuen Kardinäle
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Papst Franziskus bei der Ernennung der neuen Kardinäle


Am Samstag hat Papst Franziskus 13 katholische Geistliche in den Kardinalsstand erhoben. Zehn von ihnen sind jünger als 80 Jahre und damit im Fall eines Konklaves zur Teilnahme an der Papstwahl berechtigt.

Franziskus hat damit bereits mehr als die Hälfte der wahlberechtigten Kardinäle ausgewählt - es sind überwiegend Geistliche, die seine Positionen in Sachen soziale Gerechtigkeit, Rechte von Migranten und Dialog mit dem Islam teilen. Damit erhöht er durch Personalpolitik die Wahrscheinlichkeit, dass sein Nachfolger im Amt seine Politik weiterführt.

Das künftige Kardinalskollegium wird so international aufgestellt sein wie nie zuvor in der Kirchengeschichte. 68 Länder sind in dem Gremium vertreten - fast die Hälfte der wahlberechtigten Kardinäle kommt aus Entwicklungsländern.

Franziskus hatte schon in der Vergangenheit bewusst Länder bedacht, die noch nie einen Kardinal gestellt hatten, etwa Haiti, Papua-Neuguinea oder die Zentralafrikanische Republik. Damit hat er versucht, ein Gegengewicht zu den mächtigen Kardinälen aus Europa oder den Vereinigten Staaten zu schaffen.

Einige der neuen Kardinäle haben sich unter anderem durch ihr soziales Engagement für das Amt empfohlen:

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Alvaro Leonel Ramazzini Imeri, 72, aus Guatemala kämpft gegen Drogenkriminalität und Gewalt, Ausbeutung und Umweltzerstörung durch Bergbau-Großprojekte und setzt sich für die Rechte der Landarbeiter und Flüchtlinge ein. Er stellte sich gegen multinationale Konzerne, rief Kampagnen gegen Umweltverschmutzung ins Leben und wurde dafür bedroht.

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Der kanadische Kardinal Michael Czerny, 73, hat in El Salvador und Kenia mit Armen gearbeitet und ist derzeit der Migrationsexperte des Vatikans. Er forderte wiederholt eine offenere Flüchtlingspolitik der EU sowie mehr Einsatz gegen Menschenhandel und Ausbeutung weltweit. Im Mai ernannte der Papst ihn zu einem der Sondersekretäre der Amazonas-Synode, die am Sonntag im Vatikan beginnt.

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Kardinal Jean-Claude Hollerich, 61, aus Luxemburg schließlich hat sich gegen Europas Populisten ausgesprochen und erklärt, sie spielten ein "schändliches Spiel", indem sie Angst vor Migranten und Muslimen schürten.

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Der italienische Kardinal Matteo Maria Zuppi, 63, Erzbischof von Bologna, stammt aus der Gemeinschaft Sant'Egidio, die weltweit Arme, Migranten, Obdachlose und Flüchtlinge betreut.

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Kardinal Fridolin Ambongo Besungu, 59, Erzbischof von Kinshasa in der Demokratischen Republik Kongo, hat Katholiken verteidigt, die für Demokratie demonstriert haben. Vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag berichtete er über die Aktivitäten lokaler Warlords.

CLAUDIO PERI/EPA-EFE/REX

Kardinal Sigitas Tamkevicius, 80, aus Litauen verbrachte wegen "antisowjetischer Agitation" viele Jahre in sibirischen Gulags, weil er in der ehemaligen Sowjetunion für Religionsfreiheit eingetreten war. Der spätere Erzbischof von Kaunas leistete Zwangsarbeit und wurde unter anderem in den Sümpfen beim Kanalbau eingesetzt.

Zwei Kardinäle sind in muslimisch geprägten Ländern tätig: der Indonesier Ignatius Suharyo Hardjoatmodjo, Erzbischof von Jakarta, und der Spanier Cristóbal López Romero, Erzbischof der marokkanischen Hauptstadt Rabat. Für ihn sei seine Ernennung eine Ermutigung für die katholischen Gemeinschaften Nordafrikas, sagte Romero laut Vatican News. Der Papst wolle christliche Gemeinschaften sichtbar machen, die fast unsichtbar seien.

Unter den 128 wahlberechtigten Kardinälen hat Italien mit 23 Purpurträgern immer noch ein relatives Übergewicht. Es folgen die USA mit neun Kardinälen und Spanien mit sechs. Deutschland, wo noch etwa 27 Prozent der Bevölkerung der katholischen Kirche angehören, hat drei stimmberechtigte Kardinäle: Reinhard Marx, Gerhard Ludwig Müller und Rainer Maria Woelki. Unter den 97 nicht stimmberechtigten Kardinälen sind fünf weitere Deutsche.

ala/dpa/Reuters



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