Katholische Kirche Papst trifft wegen Missbrauchsvertuschung verurteilten Kardinal

Weil er sexuelle Übergriffe durch einen Priester nicht anzeigte, wurde Frankreichs höchster katholischer Würdenträger verurteilt. Jetzt hat der Papst Kardinal Philippe Barbarin getroffen.

Papst Franziskus und Kardinal Philippe Barbarin reichen sich die Hände
AFP

Papst Franziskus und Kardinal Philippe Barbarin reichen sich die Hände


Bisher ist nicht bekannt, was Papst Franziskus und der Erzbischof von Lyon an diesem Montag im Vatikan besprochen haben. Was man weiß ist, dass Philippe Barbarin vor anderthalb Wochen in Frankreich wegen Missbrauchsvertuschung zu sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt wurde.

Der französische Kardinal und weitere Geistliche sollen Missbrauchsvorwürfe gegen einen Priester in ihrer Diözese nicht verfolgt haben. Der beschuldigte Bernard Preynat soll in den Siebziger- und Achtzigerjahren Dutzende Kinder sexuell belästigt haben - eine Schuld konnte allerdings nicht rechtskräftig festgestellt werden. Erst im September 2015 hatte ihm die Kirche den Kontakt mit Minderjährigen verboten.

Barbarin hatte am 7. März seinen Rücktritt angekündigt. Ein entsprechendes Gesuch wolle er beim Papst einreichen, hieß es. Dem Vernehmen nach dürfte Franziskus in einigen Wochen darüber entscheiden. In diesem Fall könnte Barbarin die Kardinalswürde voraussichtlich behalten. Der 68-Jährige müsste aber sein Amt als Erzbischof niederlegen, das er seit 2002 innehat.

Die Katholische Kirche wird seit Jahren von zahlreichen Missbrauchsskandalen erschüttert. Nach einer weitgehend ergebnislosen und von Opferverbänden scharf kritisierten Missbrauchskonferenz im Vatikan und weiteren Verdachtsfällen steht der Pontifex unter Druck.

ala/dpa/AFP

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