Katholische Kirche Papst will Anglikanern Übertritt erleichtern

Der Vatikan schafft eine neue Struktur für übertrittswillige Anglikaner: Künftig sollen etwa verheiratete Priester der "Church of England", die konvertieren wollen, anerkannt werden. Eine solche Regelung gab es in der Katholischen Kirche noch nie.

Papst Benedikt XVI.: "Zahlreiche Anfragen von anglikanischen Gläubigen"
dpa

Papst Benedikt XVI.: "Zahlreiche Anfragen von anglikanischen Gläubigen"


Rom - Papst Benedikt XVI. will Anglikanern einen Übertritt zur katholischen Kirche erleichtern. Um Anhängern der Anglikanischen Kirche den Schritt zu erleichtern, habe Benedikt eine Apostolische Verfassung verabschiedet, sagte der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, am Dienstag in Rom.

Darin sollen auch bereits verheiratete anglikanische Priester, die übertreten wollen, anerkannt werden. Der Vatikan will damit auf die "zahlreichen Anfragen von anglikanischen Gläubigen aus aller Welt einzugehen, die mit Rom in sichtbarer und voller Kommunion stehen wollen", sagte Levada.

Es ist das erste Mal, dass Rom eine solche Regelung für eine aus der Reformation entstandene Kirche einführt. Das Regelwerk, das bald veröffentlicht werden soll, werde die Möglichkeit von Bischöfen vorsehen, die aus der anglikanischen Kirche stammen können. Bisher ist nur Opus Dei einer eigenen Personalprälatur unterstellt, was bedeutet, dass die Gläubigen einen für sie bestimmten Bischof haben.

Der Erzbischof von Canterbury und Oberhaupt der "Church of England" (Kirche von England) begrüßte die Ankündigung als einen weiteren Schritt auf dem Weg des Dialogs und der Zusammenarbeit.

Die "Kirche von England" entstand im 16. Jahrhundert durch den Bruch von König Heinrich VIII. mit dem Papst. Seit ihrer Entstehung hat sie den Status einer Staatskirche, wobei der Monarch als weltliches Oberhaupt der Kirche, der Erzbischof von Canterbury als kirchliches Oberhaupt gilt.

Theologisch ist sie von der römisch- katholischen Kirche nicht weit entfernt. Die Anglikaner erkennen allerdings die Vorrangstellung des Papstes nicht an. Anders als bei den Katholiken können bei ihnen Priester und Bischöfe verheiratet sein und seit 1993 auch Frauen zum Priester geweiht werden. Heute bekennen sich 25 Millionen Gläubige in England, auf den Kanalinseln und der Isle of Man zur "Church of England". Sie ist Teil der weltweiten Anglikaner-Gemeinschaft mit 80 Millionen Anhängern.

amz/dpa



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